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Hochbrisanter Volltreffer

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Von: Ulrich Feld

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Die Lehrerin Selin Avas (Sophie Dal) ist erschüttert: In der Zeitung steht, dass die Leiche ihres Freundes an einer Brücke am Bosporus angeschwemmt wurde. Bild: ARD Degeto/Gülnur Kiliç
Die Lehrerin Selin Avas (Sophie Dal) ist erschüttert: In der Zeitung steht, dass die Leiche ihres Freundes an einer Brücke am Bosporus angeschwemmt wurde. Bild: ARD Degeto/Gülnur Kiliç © ARD

Hat

Hat "Der Broker vom Bosporus" einen realen Hintergrund? Es sieht ganz danach aus. In dem Film geht es um den Mord an Erman Gül, einem Mann, der in Deutschland auch vielen seiner Landsleute als Anlagebetrüger mittels eines Schneeballsystems das Geld aus der Tasche gezogen hatte. Das erinnert schon sehr an den bis heute wohl größten Betrugsfall der deutschen Kriminalgeschichte: Seit den neunziger Jahren sollen hier Türken durch das so genannte "Konya-Modell" um insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro geprellt worden sein.

Im Film führt die Spur Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander) und seinen Assistenten Mustafa Tombul (Oscar Artega Sánchez) zu einem zwielichtigen Callcenter und zu Yasin Azul (Albert Kitzl), einem Türken, der nach jahrzehntelanger Arbeit in Deutschland durch den Ermordeten um seine Ersparnisse gebracht wurde. Außerdem gerät noch die Freundin des Toten, Türkischlehrerin Selin (Sophie Dal), ins Visier der Fahnder. Als Mörder stellt sich am Ende natürlich der am wenigsten Verdächtige heraus.

Was wusste Erdogan?

In Wirklichkeit ist die Lösung natürlich noch weit schwieriger und für die Polizei in Deutschland und der Türkei auch kaum durchführbar: Die Drahtzieher des Milliardenbetrugs könnten nämlich in der türkischen Regierungspartei AKP und sogar im direkten Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sitzen. Laut Wikipedia entstand parallel zu dem Milliardenbetrug eine wohlhabende Schicht in Anatolien - vermutlich die finanzielle und politische Basis der AKP.

Abgesehen von dem authentischen Hintergrund verdient der Krimi die Bestnote. Thomas Jauch inszenierte nach einem Drehbuch von Andreas Dirr einen dicht gesponnenen, temporeichen und äußerst schnörkellösen Reißer, der eigentlich in jeder Beziehung überzeugt. Das reicht von den wohldosierten Actionszenen, in denen Sander wie immer eine gute Figur abgibt, über die scharf profilierten und mit angemessener Tragik ausgestatteten Nebenfiguren bis hin zu der dramaturgischen Konzeption.

Erst in den letzten Minuten klärt sich der Fall wirklich auf. Noch ist der Krimi in der ARD-Mediathek abrufbar. Er lohnt auf jeden Fall: "Der Broker vom Bosporus" ist einer der stärksten Beiträge in der ohnehin höchst ansehnlichen Reihe "Mordkommission Istanbul".

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