1. Startseite
  2. Film, TV & Serien

"Der irre Iwan": Nur phasenweise witzig

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ulrich Feld

Kommentare

Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen).
© MDR/Wiedemann & Berg Television/Anke Neugebauer
Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen). © MDR/Wiedemann & Berg Television/Anke Neugebauer © (MDR/HA Kommunikation)

Wiki

Wikipedia bringt es an den Tag: Der Ausdruck "Irrer Iwan" wurde von der US-Marine geprägt und bezeichnet ein seitliches Ausweichmanöver sowjetischer U-Boote, um mögliche Verfolger zu entdecken. Was das mit der Handlung dieses "Tatort"-Krimis zu tun haben soll, blieb allerdings wie so manches andere - Sinn und Logik beispielsweise - weitgehend verborgen.

Der zweite "Tatort" mit Nora Tschirner als Kriminalkommissarin Kira Dorn und Christian Ulmen als Kriminalkommissar Lessing beginnt hübsch makaber: In Weimar wird die Stadtkämmerei überfallen. Der maskierte Täter gibt fünf Schüsse in die Decke ab und die aufreizende Sekretärin Sylvia Kleinert stirbt dabei. Schnell finden die Dorn und Lessing heraus, dass Kleinert ein Verhältnis mit Stadtkämmerer Iwan Windisch (Jörg Witte) hatte. 

Die Spur führt zu einer Geisterbahn

War Windisch der Auftraggeber für das Verbrechen? Seine Frau Nicole ist extrem eifersüchtig. Die Spur führt zu einem Rummelplatz und zu der Geisterbahn-Betreiberin Rita Eisenheim (Sophie Rois). Deren Ehemann Josef ist angeblich verschwunden. Er besitzt eine extreme Ähnlichkeit mit Witte. Von da an beginnt ein bizarrer Fall um einen FKK-Club, Eifersucht, Partnertausch und Erpressung.

Schön, ernstgemeint ist dieser "Tatort" ganz sicher nicht. Gegen Klamauk und schwarzen Humor in einem "Tatort" ist auch ganz gewiss nichts einzuwenden. Was das Vergnügen an diesem Krimi aber doch erheblich schmälert, ist sein nahezu vollkommener Verzicht auf jede erzählerische Stringenz: Ständig neue Nebenfiguren, immer abstrusere Wendungen und etliche Szenen ohne erkennbaren Zusammenhang machen es zu einem wahren Kraftakt, der Handlung noch zu folgen. Dazu kommt, dass viele Dialoge sehr schlecht zu verstehen sind.

Der Überblick geht schnell verloren

Als Zuschauer verliert man deswegen schnell den Überblick und darum auch die Lust. Ein Krimi sollte fesseln, gerne auch erheitern - aber dieser Film wirkt am Ende eher anstrengend und albern. Und das ist schade, denn die Szenen in der Rechtsmedizin ("Leiche ist flüchtig") oder mit dem Uralt-Passat (besonders als Lessing losrasen will und erst mal der Wagen abstirbt) sowie einige Kabbeleien zwischen den Beteiligten sind tatsächlich witzig: Auf die Frage, ob ihr Mann einen Zwillingsbruder hätte, antwortet Rita Eisenheim: "Was? Wie Josef, nur ohne Suff und Puff? Hätt ich sofort getauscht."

Aus der sehr guten Sophie Rois und ihrer Rolle wäre aber deutlich mehr herauszuholen gewesen. Und die Nacktszenen im FKK-Club lassen mit Wehmut an alte Hollywood-Krimis wie "Ein Fall für Harper" denken: Dort wurde mit viel weniger nackter Haut eine verlockende Atmosphäre von verführerischer Erotik und Verruchtheit geschaffen. So bleibt am Ende ein Film, der sich zu sehr in seinem Gaga-Humor gefällt, um noch zu überzeugen. Humor und Krimi-Spannung auf einen Nenner bringen können die Münsteraner deutlich besser.

Auch interessant

Kommentare