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Frau Dombrowski (AnnKathrin Kramer) will, dass Helen (Petra Schmidt-Schaller) endlich geht. Sie will ihr das Handy ihres Sohnes nicht geben. Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Martin Valentin Menke

TV-Kritik

"Die kalte Wahrheit": Am Ende zu simpel

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Die Wahrheit und nichts anderes sucht die Ärztin Helen Liebermann (Petra Schmidt-Schaller). Sie hat auf einer einsamen Landstraße einen jungen Mann namens Moritz überfahren, der 1,4 Promille Alkohol im Blut hatte. Sie quält sich mit Schuldvorwürfen. Könnte sie zu schnell gefahren sein? Sie führt nachts an der Unfallstelle mit ihrem Freund Bremsmanöver durch: Tatsächlich hätte sie auch bei vorgeschriebener Geschwindigkeit den Unfall nicht vermeiden können. Die Ermittlungen gegen sie werden denn auch bald eingestellt.

 

Dennoch lassen die Erinnerungen die junge Frau nicht mehr los. Es gibt viele Fragen: Warum war Moritz um diese Zeit ohne Jacke und Schuhe auf der Landstraße unterwegs, viele Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt? Mit Hilfe ihres väterlichen Anwalts (Rainer Bock) beginnt sie zu recherchieren, was sich in den Stunden vor dem tödlichen Unfall alles zugetragen hat. Wobei sie sich schnell Feinde macht: Etwa den Trainer der Handballmannschaft, in der Moritz spielte.

 

 

Am Ende stellt sich heraus, dass zwei Polizisten den betrunkenen Moritz einfach außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs verbrachten, nachdem dieser nach einer Feier betrunken randaliert hatte. Das klingt natürlich keineswegs nach einer glaubwürdigen Auflösung - und doch beruht es auf einem tatsächlichen Fall aus dem Jahr 2002. Der Nachspann verkündet denn auch, dass die beiden Polizisten eine Bewährungsstrafe dafür bekamen.

 

Trotz der Struktur eines Kriminalfilms - es geht ja im Grunde um die Suche nach Schuldigen - ist "Die kalte Wahrheit" in erster Linie ein Psychodrama um das Thema Schuld und Schuldbewältigung. So was kann total daneben gehen, wie der ambitionierte, aber völlig missglückte "Tatort"-Krimi "Freddy tanzt" bewiesen hat. Dieser Film spielt allerdings auf einer weit höheren Ebene, und dass ist auch ein Verdienst von Petra Schmidt-Schaller. Als fragiler Typ mit einer umfangreichen Bandbreite von Emotionen eignet sie sich bestens als Sympathieträgerin. Sie vermittelt die Zweifel und Gewissensbisse der Helen Liebermann geradezu körperlich spürbar.

 

 

Deutlich gröber gezeichnet und dadurch weniger gelungen sind einige der Nebenfiguren. Etwa der Handball-Trainer oder Liebermanns Chef - sie arbeitet in einer Arztpraxis - der keine anderen Sorgen hat, als dass sich der Unfall seiner Mitarbeiterin herumsprechen könnte. Es gibt noch weitere Schwachpunkte: Das Finale mit dem rasenden Polizisten und dem Gespräch, das Liebermanns Freund mitanhört, ist stark überzogen und geht viel zu sehr in Richtung Krimi. Außerdem wird die Mitverantwortung der Handball-Kameraden von Moritz nur am Rand thematisiert. Schließlich haben sie sich von Moritz Getränke spendieren lassen, wobei dieser sein ganzes Geld ausgab, und dennoch hielt es offenbar keiner für nötig, sich um den Betrunkenen zu kümmern.

 

Von einem Film, der ein solches Thema unter die Lupe nimmt, hätte man sich auch unter diesem Aspekt noch eine präzisere Betrachtung gewünscht. "Die kalte Wahrheit" kann durch die zu simple Schwarzweiß-Malerei am Ende nicht voll befriedigen und bleibt unter seinen Möglichkeiten. Was aber nichts daran ändert, dass er dennoch sehr sehenswert ist: Außer Petra Schmidt-Schaller gefallen besonders die stimmungsvollen Bilder, passend unterlegt mit Filmmusik unter Verwendung des Klassikers "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin.

 

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