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"Karneval in Köln": Trallala und Hopsasa

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Von: Ulrich Feld

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Das Kölner Dreigestirn 2015 - v.l.n.r. Sascha Prinz (Jungfrau Alexandra), Holger Kirsch (Prinz Holger I.) und Michael Müller (Bauer Michael).
Das Kölner Dreigestirn 2015 - v.l.n.r. Sascha Prinz (Jungfrau Alexandra), Holger Kirsch (Prinz Holger I.) und Michael Müller (Bauer Michael). © WDR/Fulvio Zanettini

Möge

Mögen die Deutschen jetzt eigentlich Karneval oder nicht? Die Faschingszüge ziehen Hunderttausende an, aber 55 Prozent aller Bundesbürger sind von zu viel Karneval im Fernsehen genervt. Dennoch gehören die großen Faschingssendungen von Mainz ("Mainz bleibt Mainz") und Köln ("Karneval in Köln") immer noch zu den Quotenbringern - offenbar gut genug, dass im ZDF als Alternative zum Kölner Karneval im ARD nur eine Wiederholung läuft: "Clüver und die fremde Frau" mit Robert Atzorn aus der bisher dreiteiligen Reihe "Nord Nord Mord".

Aber wer bietet mehr, Köln oder Mainz? In Sachen Prunk und Pracht ließen sich die Kölner nicht lumpen, besonders der Aufzug der Prinzengarde der Stadt Köln bot viel fürs Auge. Aber Optik ist nicht alles. Viele Namen des Kölner Karnevals wie "Blom & Blömcher" waren lokale Größen, die kaum einem Nichtkölner ein Begriff sein dürften. Das an sich ist noch kein Nachteil, aber das Programm erwies sich bald als gewöhnungsbedürftig. 

Witz und Satire kamen zu kurz

Der Kölner Karneval war deutlich mehr als die Konkurrenten in Mainz auf Trallala und Hopsasa ausgelegt. Die Witze bestanden überwiegend aus altgedienten Kalauern. Intelligente Satiren über den Alltag dagegen wie etwa in Mainz bei den gereimten Vorträgen von Jürgen Wiesmann als Familienvater Ernst Lustig kamen schmerzlich zu kurz. Nur Guido Cantz, der ganz zu Beginn auftrat, "Klaus & Willi" (Bauchredner Klaus Rupprecht) oder Bernd Stelter (vielen noch bekannt aus der Sendung "7 Tage, 7 Köpfe" mit Rudi Carrell) zeigten sich innovativ.

Besonders Bernd Stelter beeindruckte, als er sich selbst auf der Gitarre begkleitet und dazu beispielsweise von den Geschenken erzählte, die Angela Merkel zum Geburtstag bekommen hat ("...und von Barack Obama ein neues Handy") oder über die Bundesverteidigungsministerin: "Ursula von der Leyen ist die einzige Blendgranate, die in unserer Armee noch funktioniert!").

Ansonsten waren wirklich gute Gags eher dünn gesäht. Es machte auch den Eindruck, die Lacher hielten sich in Grenzen. Dafür kamen allerdings zum Ausgleich die musikalischen Beiträge recht gut zur Geltung, etwa von Micky Brühl oder "Kuhl un de Gäng" oder gar beim eindrucksvollen - aber leider zu kurzen - Auftritt des "Tanzkorps Blaue Jungs". Bei anderen Interpreten dominierte wiederum die altbekannte Schunkelmusik mit entsprechenden Texten. Auf Satire und Wortwitz verstanden sich die Mainzer doch deutlich besser.

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