+
ARD/MDR KATHARINA LUTHER, "Fernsehfilm Deutschland 2017", am Mittwoch (22.02.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Katharina ist schwanger und hat Angst, dass die Worte der Äbtissin stimmen könnten und der Teufel sich ihrer bemächtigt hat. Im Foto (v.l.n.r.): Martin Luther (Devid Striesow), Katharina von Bora (Karoline Schuch) © MDR/EIKON Süd/Junghans, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter MDR-Sendung bei Nennung "Bild: MDR/EIKON Süd/Junghans" (S2+). MDR/HA Kommunikation, 04360 Leipzig, Tel: (0341) 300 6477 oder - 6463

TV-Kritik

"Katharina Luther?: Mehr als nur die Frau an seiner Seite

  • schließen

Eine Spielfilm-Biographie über Katharina Luther? Ein Vorhaben, das schon durch die Persönlichkeit Martin Luthers viele Probleme aufwirft. Das Spannungsfeld aufzuzeigen zwischen Kirche und weltlichen Machthabern, zwischen Bauern und Adel und nicht zuletzt zwischen der gefühlten Berufung als Reformator und eigenen Unzulänglichkeiten, in dem sich Luther zeitlebens bewegte, hat schon die Macher des Luther-Films von 2003 heillos überfordert. Der ARD-Film wählt darum einen anderen Weg, indem es Luthers Ehefrau Katharina von Bora zur Hauptfigur gemacht hat.   Als Kind ins Kloster mehr oder weniger eingesperrt, entflammt sich die Katharina (Karolin Schuch) durch die Lektüre der Schriften Martin Luthers für dessen Ideen. Zu Ostern des Jahres 1523 flüchtet sie mit acht weiteren Nonnen nach Wittenberg. Die warnenden Worte ihrer Oberin scheinen sich aber zu bestätigen: Die vermeintliche Freiheit bedeutet auch das Ende der Geborgenheit und des versorgten Status im Kloster. Auch in Luthers unmittelbarer Umgebung haben Nonnen, die ihr Gelübde gebrochen haben, einen schweren Stand.

Eine Spielfilm-Biographie über Katharina Luther? Ein Vorhaben, das schon durch die Persönlichkeit Martin Luthers viele Probleme aufwirft. Das Spannungsfeld aufzuzeigen zwischen Kirche und weltlichen Machthabern, zwischen Bauern und Adel und nicht zuletzt zwischen der gefühlten Berufung als Reformator und eigenen Unzulänglichkeiten, in dem sich Luther zeitlebens bewegte, hat schon die Macher des Luther-Films von 2003 heillos überfordert. Der ARD-Film wählt darum einen anderen Weg, indem es Luthers Ehefrau Katharina von Bora zur Hauptfigur gemacht hat.  

Als Kind ins Kloster mehr oder weniger eingesperrt, entflammt sich die Katharina (Karolin Schuch) durch die Lektüre der Schriften Martin Luthers für dessen Ideen. Zu Ostern des Jahres 1523 flüchtet sie mit acht weiteren Nonnen nach Wittenberg. Die warnenden Worte ihrer Oberin scheinen sich aber zu bestätigen: Die vermeintliche Freiheit bedeutet auch das Ende der Geborgenheit und des versorgten Status im Kloster. Auch in Luthers unmittelbarer Umgebung haben Nonnen, die ihr Gelübde gebrochen haben, einen schweren Stand.

 

 

Filmbiographien scheitern regelmäßig daran, dass sie sich an mehr oder weniger willkürlich ausgewählten historischen Daten abarbeiten – und ein Menschenleben eben nicht nach den dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten eines Spielfilms verläuft. Oder die Macher gar bemühte Parallelen zur Gegenwart erkennen wollen. Schlimmstenfalls entsteht dabei eine monumentale Schlaftablette  wie der "Grzimek“-Film von Roland Suso Richter mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Frei davon ist natürlich auch "Katharina Luther“ nicht.

 

Zumal der Film auch die Gegensätze im Leben Katharina Luthers und seiner Epoche häufig in Form von Dialogen in Form von Lehrsätzen wie aus einem Geschichtsbuch zu verdichten versucht. Das wird schon in den anfänglichen Klosterszenen deutlich. Die Oberin zum Beispiel bleibt dabei im Wesentlichen eine Klischeefigur ohne jede Tiefe. Sind das wirklich die Ansichten von damals oder ist es die Sicht von heute auf Verhältnisse von vor einem halben Jahrtausend? Eine Frage, die man sich im Prinzip allerdings bei vielen Historienfilmen stellen muss.

 

 

Dennoch gelingt Regisseurin Julia von Heinz ein fesselnder Blick auf die Hauptfigur. Wenn sie mit den Nonnen aus dem Kloster flüchtet, wird bei aller Entschlossenheit auch ihre eigene Unsicherheit deutlich. Karoline Schuch kann hier von gut ausgedachten Szenen profitieren: Die nackten Füße der Frauen im Gras stehen als Bild für sinnliche Selbstwahrnehmung und den durchaus auch erotisch zu verstehenden Ausbruch, aber auch für Verwundbarkeit: Von Peter Weirs Gruselfilm "Picknick am Valentinstag" bis zum Thriller "Tödliche Versuchung" mit Julia Koschitz haben sich viele Filme dieser Metapher bedient.

 

Zu Anfang trotzig und unnahbar, profitiert das Selbstbewusstsein der Katharina von Bora massiv davon, dass sie in ihre Ehe mit Luther mitbrachte, was diesem fehlte. Sinn fürs Praktische, für Ordnung, fürs Geschäft. Dass der Film seine Epoche so nahe wie möglich an den Zuschauer heranholt und ihn die Epoche zwischen Neuzeit und ausgehendem Mittelalter erfahren lässt, macht ihn sehenswert. Dazu gehört auch seine Besetzung mit Karoline Schuch und Devid Striesow.

 

Striesow verdichtet dabei seinen historischen Filmcharakter wesentlich glaubhafter zu einem auch von Unsicherheiten und Zweifeln geplagten Zeitgenossen, als das Joseph Fiennes im Jahr 2003 gelang. Das Verhalten Luthers in den blutigen Bauernkriegen und seine Judenfeindlichkeit bleiben nicht ausgespart. Wer sich näher für den Reformator und seine Ehefrau interessiert, sollte sich die anschließende Dokumentation „Luther und die Frauen“ nicht entgehen lassen.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare