+
ARD/NDR TATORT: BOROWSKI UND DAS HAUS DER GEISTER, am Sonntag (02.09.18) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Anna Voigt (Karoline Schuch) fühlt sich vom Spuk in die Enge getrieben. © NDR/Christine Schroeder, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter NDR-Sendung bei Nennung "Bild: NDR/Christine Schroeder" (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion, Tel: 040/4156-2306 oder -2305, pressefoto@ndr.de

TV-Kritik

Kieler Tatort überzeugt nicht mit Geisterspuk

Vor Jahren verschwand Heike Voigt, Ehefrau von Frank Voigt (Thomas Loibl), ohne eine Spur zu hinterlassen. Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) hatte gegen seinen alten Freund Frank ermittelt - Befangenheit wie in der Realität spielt ja im "Tatort" nur selten eine Rolle. Borowski verdächtigt den wohlhabenden Frank bis jetzt als Heikes Mörder, konnte ihn aber nie überführen. Die Ermittlungen verliefen ohne Ergebnisse. 

Vor Jahren verschwand Heike Voigt, Ehefrau von Frank Voigt (Thomas Loibl), ohne eine Spur zu hinterlassen. Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) hatte gegen seinen alten Freund Frank ermittelt - Befangenheit wie in der Realität spielt ja im "Tatort" nur selten eine Rolle. Borowski verdächtigt den wohlhabenden Frank bis jetzt als Heikes Mörder, konnte ihn aber nie überführen. Die Ermittlungen verliefen ohne Ergebnisse. 

Jetzt gibt es eine neue Frau in Franks Leben: Anna (Karoline Schuch), und die erscheint hypersensibel und fühlt sich in Franks großem Haus denkbar unwohl. Möglicherweise geht etwas um in dem Haus, oder das Haus selbst will sie töten wie das Spukhaus in dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“. Mit dieser Situation sieht sich Borowski konfrontiert, als er durch einen Brief von Franks Tochter Grete (Emma Mathilde Floßmann) wieder zum Landhaus gelockt wird. 

Aber die junge Frau will den vier Jahre alten Brief nicht abgesendet haben. Im Vergleich zu der  schon durch ihre gefärbten Haare und Wollmütze als schwer zugänglich erkennbaren Grete erscheint ihre Schwester Sinja (Mercedes Müller) auf den ersten Blick unkompliziert wie ein Urlaubsflirt.  Bald stößt Borowski auf ein kompliziertes Beziehungsnetz unter den drei Frauen im Haus, wobei auch Borowskis Ex-Frau Gabrielle (Heike Trinker) eine Rolle spielt.

Leider wird es am Ende nichts mit Geisterspuk: Die vermeintlichen Gäste aus dem Jenseits bekommen eine rationelle Erklärung. Während der in diesem Punkt weit bessere „Fürchte dich“ aus Frankfurt eine richtige Geistergeschichte erzählte, knickt der neue „Tatort“ aus Kiel am Ende ein. Eine Handlungswendung, die schon  Schauer-Ikone Howard Phillips Lovecraft ("Träume im Hexenhaus") in einem Essay zu Recht als besonders jämmerlichen Kunstgriff entlarvte!

Zum Nachteil gereicht dem Film auch, dass Borowski im Dialog einmal sogar den Film „Gaslicht“ erwähnen muss: Er vermutet, dass jemand Anna wie in dem zweimal verfilmten Theaterstück in den Wahnsinn treiben will. Allerdings ist der Krimi nicht völlig misslungen. Regisseur Elmar Fischer gelingen durchaus ein paar atmosphärisch packende Szenen, die stark von Philipp Sichlers Kamera und Matthias Beines Musik geprägt sind.

Die Schauermomente kontrastieren zudem wirkungsvoll mit der urlaubshaften Szenerie und Mercedes Müllers Charme, wenn sie etwa als barfüßige Nymphe im roten Bikini auf einem Baumstamm einen wirkungsvollen Auftritt hat. Überhaupt passt die Farbdramaturgie hier ziemlich gut. Besser jedenfalls als die oft arg schablonenhaften Dialoge. So richtig lohnt sich das Ganze aber erst durch Borowskis neue Partnerin Mila Sahin (Almila Bagriacik).

Sahins erster Auftritt lässt zwar nichts Gutes erwarten: wenn sie am Boxsack hängt, den sie auch noch „Walter“ nennt und als ihren Kumpel und Coach bezeichnet, kommt das schon ziemlich überzeichnet rüber. Das Drehbuch lässt sie aber im Handlungsverlauf durchaus professionell agieren, und Almila Bagriacik darf ihre Rolle mit Schwung und Frische verkörpern. 

Wie es auch sonst durchweg die sehr überzeugenden Schauspielerinnen sind, die den neuen „Tatort“ aus Kiel trotzdem sehenswert machen. Die Frauen hätten nur eine bessere Geschichte verdient: eine ohne rationelle Auflösung wenigstens.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare