Wird so der nächste Kinobesuch aussehen?
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Wird so der nächste Kinobesuch aussehen?

Vorhang auf!

Kino in Corona-Zeiten: Möglich aber umstritten

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Die ersten Kinos öffnen trotz Corona-Krise wieder: Gibt es noch Chancen auf den Kinosommer?

  • Im Zuge der Corona-Lockerungen öffnen nun auch viele Kinos wieder für Besucher
  • Abstandsregeln* machen es aber gerade für kleine Kinos schwierig
  • Kinobetreiber zweifeln an den Corona-Beschränkungen 

Masken im Kino – das war bislang das Privileg von Zorro oder Spiderman. Wenn es seit einigen Tagen wieder erlaubt ist, sich in Hessen und einigen weiteren Bundesländern erneut ein paar schöne Stunden zu machen, nimmt man seine Maske besser mit: Im Kinosaal selbst geht es zwar zumindest in Hessen wieder „oben ohne“; doch für den Aufenthalt im Foyer (wo es wie gewohnt Snacks zu kaufen gibt) und den Gang zur Toilette sind Atemschutzmasken vorgeschrieben.

Die ganze Komplexität der in den Bundesländern unterschiedlichen Regelwerke dürfte den Kinobetreibern mehr Kopfzerbrechen bereiten als den Gästen. In allen Bundesländern gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern, fünf Quadratmeter pro Besucher heißt das in Hessen. Das erlaubt nur eine Kino-Auslastung von maximal 20-25 Prozent, wie Christine Berg vom Vorstand des Hauptverbands deutscher Filmtheater der deutschen Presseagentur erklärt. „Wenn zwei Plätze belegt sind, müssen 12 frei bleiben. Oberste Priorität ist, Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Aber wir haben das Gefühl, dass die Regeln für Kinos wahnsinnig streng angesetzt werden.“

Kino-Besuch in der Corona-Krise: Leere Sitze, leere Kassen?

Für die Kino-Besucher heißt das konkret, dass sie zwar neben ihren Begleitpersonen sitzen dürfen, aber dass mehrere Plätze neben, vor und hinter ihnen frei bleiben müssen. Doch wie sollen kleine Kinos mit solchen Beschränkungen noch Programm machen? Christian Brauer vom Filmkunsttheater-Verband „AG Kino“ empfiehlt die österreichischen Regeln von lediglich einem Meter Abstand. Das müsse nicht zur Sperrung ganzer Reihen führen, sondern erlaube eine Art Schachbrett-Belegung.

In der Realität sieht es bislang so aus, dass fast nur die großen Filmtheater öffnen, für kleinere Häuser lohnt eine Öffnung kommerziell nicht. Zu den Pionieren in Hessen zählt das Kino Gelnhausen, wo derzeit Christian Bale und Matt Damon noch einmal in „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ über die Leinwand rasen.

Kino-Sommer trotz Corona: Viele Kinos öffnen wieder

„Aber was heißt überhaupt: Es lohnt sich?“, fragt Andreas Heidenreich, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands für Kommunale Filmarbeit mit Sitz in Frankfurt. „Kulturell lohnt es sich, gerade in schwierigen Zeiten ein Angebot zu machen. Ich habe den Eindruck, dass zur Zeit Filmkunst besonders gut funktioniert, denn ‚Die Känguru-Chroniken‘ sieht man vielleicht besser im Autokino.“

Doch auch die Multiplexe haben es schwer, denn nach wie vor gibt es keine neue „Ware“*: Für Filmverleiher ist es kommerziell sinnlos, etwa die großen Hollywoodfilme ins Kino zu bringen, wenn es keine bundesweiten Auswertungsmöglichkeiten gibt. Das könnte im Gegenzug kleinere künstlerische Filme auch in die großen Häuser bringen. Der Kinostart von Christian Petzolds Berlinale-Juwel „Undine“ ist nun für den 2. Juli geplant. Bereits 70 Kinos haben das Berliner Großstadtmärchen vorbestellt, wie vom Piffl-Verleih zu erfahren ist.

Gute Nachrichten für Filmliebhaber - Kinos öffnen nach Corona-Pause wieder

Auf diesen Tag dürfen sich Filmliebhaber wohl als den inoffiziellen Startschuss dieses Kino-Sommers einstellen. Auch das Kino im Frankfurter Filmmuseum wird an diesem Tag nach gegenwärtigem Stand wieder seinen offiziellen Spielbetrieb aufnehmen. Leiterin Natascha Gikas sprudelt im Gespräch förmlich vor Programmideen: „Wir haben viele Filme aus unseren Reihen über Mario Adorf und Maximilian Schell noch nicht zeigen können, möchten aber auch gerne noch einiges aus dem Go-East-Festival zeigen, das nur online stattfinden konnte.“ Es böte sich zum Beispiel die Werkschau des rumänischen Filmkünstlers Radu Jude an. In jeden Fall dürften auch anspruchsvolle Filme für ein „volles Haus“ sorgen – denn das hat man, wie Gikas nach den Abstandsregeln ausgerechnet hat, bereits bei 22-30 Personen.

Für Fabian Schauren, Geschäftsführer des Bundesverbands für Kommunale Filmarbeit, hat das Publikum sich das Filmeschauen in der Corona-Krise wohl nicht abgewöhnt, wie der gegenwärtige Boom der Autokinos beweise.* Auch die Abstandsreglungen kritisiert er nicht: „Ich persönlich würde die ein Meter fünfzig nicht in Frage stellen, denn die Luft kann ja nicht wie im Flugzeug abgesogen werden. Und dass man im Gang kurz aneinander vorbei geht, dürfte kein Problem darstellen.“

Corona-Regeln für Kinos umstritten - so könnte der Besuch aussehen 

In Gesprächen mit Kinomachern scheinen medizinische Vorbehalte lösbar. Allerdings ist die Gefahr durch das Aerosol, also schwebende Flüssigkeitspartikel in der Luft*, für die Virenverbreitung grundsätzlich unbestritten. Doch Filmveranstaltungen sind eben keine Gottesdienste: „Wir zeigen jetzt sicher nicht ‚Der Hahn ist tot‘“, scherzt Andreas Heidenreich mit Verweis auf den interaktiven Kurzfilm des Regisseurs Zoltan Spirandelli. Darin wird das Publikum animiert, den bekannten Kanon dreistimmig zu singen. So stehen die Zeichen einstweilen wohl auf Coolness im Corona-Kino: Auf der sicheren Seite ist man bei Filmen, bei denen weder Tränen gelacht noch geweint werden.

In den Autokinos in Deutschland läuft jetzt eine neue Verfilmung eines Grimm-Märchens. Der Horrorfilm „Gretel & Hänsel" ist schick aber wenig gruselig.*

Von Daniel Kothenschulte

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