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"Es kommt noch besser": Anrührende Perfektion

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Von: Ulrich Feld

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Ina (Andrea Sawatzki) bekommt kein Geld aus dem Automaten, weil das Bankkonto gesperrt ist.
Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und BRITTA KREHL
Ina (Andrea Sawatzki) bekommt kein Geld aus dem Automaten, weil das Bankkonto gesperrt ist. Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und BRITTA KREHL © ZDF und Britta Krehl

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Die Insolvenz ihres Arbeitgebers trifft Chefsekretärin Ina Becker (Andrea Sawatzki) knallhart: Seitdem ihr Mann sie verlassen hat, haben sich bei ihr 12.000 Euro Schulden angehäuft. So filigran, gediegen und elegant wie Ina selbst ist auch ihr Geschmack: Sie lebt in einer großen Wohnung und sammelt kostbare Vögel aus Porzellan. Aus damit - für immer?

In einem Kurs im Jobcenter bei dem desillusionierten und sarkastischen Coach Sven Selig (Maximilian Brückner) will sie lernen, wie sie sich selbst besser vermarktet. Was schon mal zu einer der vielen starken Szenen des Films führt: Als sie nämlich das Klassenzimmer betritt und dort viele erblickt, die ihre Kinder sein könnten. Am unangenehmsten fällt ihr die übergewichtige Enno Pinzdorf (Runa Greiner) auf.

Schwanger mit achtzehn

Die Achtzehnjährige kommt aus der Unterschicht. Doch Enno ist schwanger und fliegt von zu Hause raus. Hilfe findet sie schließlich bei Ina Becker, als Schwangere steht ihr Geld vom Amt zu. Und dann taucht ausgerechnet noch Beckers ehemaliger Chef Walter Pirsch (August Zirner) im Kurs auf.

Der Film erspart seinen Charakteren nichts, und doch nähert er sich ihnen mit behutsamer Zurückhaltung. Er skizziert sie mit Humor, opfert ihre Tragik aber niemals billigen Gags und trägt dabei auch nicht zu dick auf. Ina agiert gegenüber den anderen im Kurs nicht ohne Standesdünkel und schon etwas von oben herab. Sie spielt ihren Nachbarn seit Jahren eine Komödie vor, niemand weiß, dass sie von ihrem Mann verlassen wurde.

Todeswunsch aus Scham

Schließlich ist sie soweit, dass sie ihre für teures Geld gekauften Porzellanvögel weit unter Preis verkaufen muss. Für ihren Chef Walter Pirsch ist es besonders demütigend, dass sein Vater die Firma selbst gegründet hatte. Doch er selbst war nie ein Geschäftsmann. Obwohl er finanziell ausgesorgt hat, will er aus Scham Selbstmord begehen, auch, nachdem er mitbekommen hat, wie seine Tennisfreunde - er ist leidenschaftlicher und sehr guter Spieler - hinter seinem Rücken über ihn lästern.

Selig ist so desillusioniert, dass er die Leute, denen er eigentlich weiterhelfen sollte, noch stärker herunterzieht. Er wird während seiner Unterrichtsstunden ständig von allergischen Niesattacken gequält. Und Enno steckt trotz ihrer Herkunft voll Pragmatismus. Die feine Charakterzeichnung findet ihre Entsprechung in den tadellosen Leistungen der Darsteller: Wer könnte diese Ina Becker noch ausdrucksstärker und nuancierter verkörpern als Andrea Sawatzki?

Aber auch August Zirner beeindruckt als schüchterner und frustrierter Chef, ebenso wie Runa Greiner als Enno. Den Film sollte sich niemand entgehen lassen. Die Art und Weise, wie Birgit Maiwald (Drehbuch) und Florian Froschmayer (Regie) vom Fallen und Neuanfang erzählen, wie sie berühren und ihr sehr schwieriges Thema in leichte Unterhaltung verpacken, ohne dabei je in seichtes Fahrwasser zu geraten, ist schon höchst bemerkenswert.

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