+
Georg (Roeland Wiesnekker) ist aus seinem Krankenzimmer herausgekommen, weil er sich bei Sophie für die falsche Verdächtigung entschuldigen will.

TV-Kritik

"Der Kotzbrocken": Starker Anfang

  • schließen

Dies

Dieser Anfang ist einfach genial: Sophie (Aglaia Szyszkowitz) zerrt ihren Sohn durch eine Straße, telefoniert dabei mit dem Handy, lässt den Schlüssel fallen, bekommt von ihrer Tochter noch etwas nachgetragen, was sie vergessen hat, stopft einen Strafzettel in das schon vor Strafzettel überquellende Handschuhfach, rast mit dem Auto los, wobei sie fast ihren Sohn vergisst - und fährt zu einem Gerichtstermin wegen 47 nicht bezahlter Strafzettel. Dabei stellt sie sich vor Gericht noch mit einem Schild, das einst ihrem Großvater gehörte, auf einen Behindertenparkplatz - auf den eigentlich der gehbehinderte Richter, der über ihren Fall zu entscheiden hat, ein Anrecht gehabt hätte.

 

Der Richter verurteilt sie zu 300 Sozialstunden, in denen sie Georg (Roeland Wiesnekker) aus seinem aggressiven Selbstmitleid und seiner Isolation herausholen soll. Georg ist seit einem Unfall von der Hüfte abwärts gelähmt. Zunächst ist es eine sehr schwere Aufgabe für Sophie, zumal sie von Georg auch des Diebstahls bezichtigt wird. Doch von Sophie lautstark und schroff zur Rede gestellt, entschuldigt sich Georg schließlich nicht nur dafür, sondern wird auch zugänglicher.

 

Sophie motiviert ihn schließlich sogar zur Teilnahme an einem Marathon. Dabei kommt es zu einer intimen Begegnung der beiden - mit weitreichenden Folgen für Sophies Chef und Freund Jaques.

So sehr der turbulente Beginn überzeugt, der jeder klassischen Screwball-Komödie Ehre gemacht hätte, so sehr fällt der Schluss ab. Dass Sophie den stets nachsichtigen Jaques, der sie in jeder Beziehung unterstützte, mit Georg betrügt, lässt nicht nur beider Charakter in sehr ungünstigem Licht erscheinen. Dabei hilft ihr Jaques auch in der Arbeit mit Georg, er lädt George etwa zu sich in sein Haus ein. Diese Wendung wirkt auch nicht glaubwürdig, obwohl Sophies Kinder schnell Freundschaft mit Georg schließen.

 

Wollen Drehbuchautor Uli Brée und Regisseur Tomy Wigand die Erwartungen des Zuschauers auf diese Weise unterlaufen? Bis dahin funktioniert der gut gemixte und flott erzählte Cocktail aus Komödie, Liebesdrama und Sportfilm ausgezeichnet. Er enthält lebensnahe Situationen, intelligente Situationskomik und wunderbar pointierte Dialoge, dazu einen Schuss Romantik und fein dosiert auch etwas Sentimentalität. Etwa wenn ein Sterbender ins Hospiz gebracht wird oder die verwitwete Sophie mit ihren Kindern das Grab ihres Mannes besucht.

Roeland Wiesnekker und Aglaia Szyszkowitz gleichen diese Schwäche der Geschichte aber teilweise wieder aus. Speziell Wiesnekker lebt die Rolle des Georg, diesen um sich schlagenden Bär von Mann, gleichermaßen schuldbewusst und extrem verwundbar, mit jeder Faser. Dass er sich auf solche Charaktere versteht, hat er schon in dem überragend guten Spreewald-Krimi "Mörderische Hitze" bewiesen. Dazu ist Georgs Vergangenheit stark herausgearbeitet: Er hat als Sportler unter anderem Aufputschmittel genommen und sich dadurch überschätzt, was auch seinen Unfall verursachte.

 

Und Aglaia Szyszkowitz ergänzt ihn bestens mit ihrer fragilen und nervösen Erscheinung, ihrer Attraktivität und dem herausfordernden Temperament. Nur ihr Freund Jaques (Martin Rapold) hätte eine stärkere Akzentuierung und markantere Darstellung vertragen können.

 

"Der Kotzbrocken" variiert trotz seiner Schwächen sehr geschickt das Thema aus "Ziemlich beste Freunde". Er ist somit zwar nicht perfekt, aber immer noch sehr sehenswert.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare