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"Kripo Bozen": Vielversprechender Auftakt

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Sonja Schwarz (Chiara Schoras) und Peter Kerschbaumer (Hanspeter Müller-Drossaart) verhaften den Schlepper Luca Tardelli (Ricardo Angelini). Bild: ARD Degeto/Marco Nagel" (S2).
Sonja Schwarz (Chiara Schoras) und Peter Kerschbaumer (Hanspeter Müller-Drossaart) verhaften den Schlepper Luca Tardelli (Ricardo Angelini). Bild: ARD Degeto/Marco Nagel" (S2). © (ARD Degeto/Programmplanung und P)

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Von Ulrich Feld

Nach Bozen in Südtirol wird die Frankfurter Kripo-Beamtin Sonja Schwarz (Chiara Schoras) versetzt. Es ist nicht nur ein beruflicher Neuanfang: Sie hofft auch, dort ihre Ehekrise mit ihrem Mann Thomas (Xaver Hutter) überwinden zu können. Schon bei ihrem Eintreffen trifft sie beim Einsatz bei einer Verkehrskontrolle auf einen Menschenschmuggel aus Syrien - und auf die skelettierten Überreste einer jungen Frau.

Das Eheleben mit ihrem Mann lässt sich zudem alles andere als vielversprechend an: Ihre Schwiegermutter hat den Tod von Thomas' Schwester noch nicht verarbeitet und begegnet Sonja mit offener Ablehnung. Ihr Weingut ist verschuldet und steht vor einer Zwangsversteigerung. Während der Ermittlungsarbeiten über den Tod der jungen Frau verdichten sich die Hinweise drauf, dass ausgerechnet ihr Mann etwas damit zu tun gehabt haben könnte. Und dann ist noch der blendend aussehende italienische Kollege, der Sonja schöne Augen macht.

Eine zu Wagner-ähnlichen Klängen über düstere Berggipfel schwebende Kamera und dann gleich darauf eine Verfolgungsjagd mit Leichenfund: Regisseur Marcus Ulbricht, der den Auftakt der neuen ARD-Krimireihe nach einem Buch von Jürgen Werner inszenierte, drückt erstmal kräftig auf die Tube. Das wirkt zwar zunächst einmal dramaturgisch unbeholfen und nicht sonderlich glaubwürdig: Dass eine Kripo-Beamtin erstmal zu einer Verkehrskontrolle eingesetzt wird, dann sofort mit einem Menschenschmuggel konfrontiert wird und der Kollege dann auch noch über Menschenknochen stolpert, ist schon ziemlich viel auf einmal.

Wenn man jedoch erstmal ein Auge zudrückt, kann man dem Streifen dadurch auch eine gewisse Dynamik attestieren. Das Dranbleiben lohnt sich auch aus anderen Gründen. Die Charaktere erscheinen nicht nur einigermaßen glaubwürdig, sondern auch glaubwürdig besetzt. Die dramatische Berglandschaft um Bozen gibt dazu einen sehr fotogenen Hintergrund ab. Und nicht zuletzt funktioniert auch der zwar sparsam, aber pointiert eingesetzte Humor: Der wohlgenährte Hanspeter Müller-Dossaart als eher gemütlicher und bodenständig alteingesessener Kollege Peter Kerschbaumer ergibt zu der jugendlich-sportlichen Chiara Schoras eine unterhaltsame Kontrastfigur.

Der so bedingt gute Eindruck kann sich durchaus halten. Das Drehbuch hat zwar ziemlich viele Problemfelder in die Geschichte hineingepackt - ein verschuldetes Weingut, ein Flirt mit dem natürlich italienischen Kollegen, Ehekrise, eine Flüchtlingsgeschichte, Mord: Allerdings holt die Regie mit guter Schauspiel- und Kameraführung und geschickt eingesetzter Musik aus all dem auch eine hohe Grundspannung heraus.

Trotz der eigentlich überladenen Handlung bietet der Film somit sehr solides Handwerk. Und nicht nur das offene Ende, das den Film zusammen mit der Anfangssequenz dramaturgisch gut zusammenhält, macht Lust auf eine Fortsetzung.

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