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V.l.: Prinz Edward, Camilla Herzogin von Cornwall, Prinz Charles, Prinzessin Eugenie von York, Queen Elisabeth II, Prinzessin Beatrice von York, Prinz Phillip, Prinz Harry, Prinzessin Charlotte von Cambridge, Catherine Herzogin von Cambridge, Prinz Georg von Cambridge und Prinz William. Bild: ZDF und Chris Jackson, Getty Images

TV-Kritik

"Kronen, Krisen und Skandale": Monarchien im Wandel

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Monarchien verbreiten auch heute noch den Anschein des Glamourösen, vom Alltag Entrückten und Märchenhaften. Königliche Hochzeiten und Geburten sorgen weltweit für Schlagzeilen und Pomp: Nicht weniger als 103 Salutschüsse wurden in London am Tower und im Green Park in der Nähe des Buckingham-Palastes abgefeuert, um die Geburt des dritten Kindes von Prinz William und Kate Middleton am gestrigen Tag zu feiern.

Monarchien verbreiten auch heute noch den Anschein des Glamourösen, vom Alltag Entrückten und Märchenhaften. Königliche Hochzeiten und Geburten sorgen weltweit für Schlagzeilen und Pomp: Nicht weniger als 103 Salutschüsse wurden in London am Tower und im Green Park in der Nähe des Buckingham-Palastes abgefeuert, um die Geburt des dritten Kindes von Prinz William und Kate Middleton am gestrigen Tag zu feiern.

So will es die Tradition. Dabei gab es in Europa ursprünglich noch weit mehr Monarchien: Vor dem Ersten Weltkrieg herrschten etwa im damaligen Deutschen Reich die Hohenzollern und in Russland die Romanows. Doch trotz allen engen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem englischen König, dem deutschen Kaiser und dem russischen Zaren entwickelte sich die politische Situation zum Ersten Weltkrieg und damit zur Urkatstrophe des 20. Jahrhunderts.

Wobei die Sendung erheblich zu kurz greift, wenn sie den Ersten Weltkrieg salopp als "Familienangelegenheit" bezeichnet. Allerdings würde eine eingehendere Analyse natürlich den Senderahmen sprengen. Im Wesentlichen erklärt die Sendung, wie es den Königshäusern in Schweden, England und Spanien in den vergangenen Jahrzehnten gelang, sich veränderten Umständen anzupassen und populär zu bleiben.

Sehr oft geschah das durch eine Öffnung nach außen. Die königlichen Familien zogen sich nicht mehr von der Öffentlichkeit zurück, sondern ließen neugierige Beobachter an ihren Familienleben teilhaben. Eine Strategie, die sich besonders im Haus Windsor bewährte. Nach dem Unfalltod Dianas in Paris etwa verschanzten sich die englischen Royals zunächst und gaben sich zugeknöpft: eine denkbar schlechte Strategie, mit dem Tod der ungemein populären Diana umzugehen.

Es war schließlich Tony Blair, der sowohl die Queen als auch Prinz Charles dazu überreden konnte, Emotion und Anerkennung für Diana auszudrücken. Blair, der ein Vierteljahr vor Dianas Tod zum britischen Premierminister gewählt worden war, hatte die Stimmung im Land sehr viel schneller erfasst und tat, was viele von ihm erwarteten: Er würdigte Diana. Die neue Offenheit und Emotionalität blieb nicht nur eine Episode.

Freilich erfordert das permanente Stehen in der Öffentlichkeit oft auch einen erheblichen schauspielerischen Einsatz. Die königlichen Privilegien wollen an vielen Fronten verteidigt werden. So in Schweden gegen Ende der sechziger Jahre, wo ebenfalls eine aufmüpfige Generation heranwuchs und mit Olof Palme ein Mann zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, der die Monarchie am liebsten abgeschafft hätte.

Es war schließlich die Heirat König Carl Gustafs XVI mit Silvia Sommerlath, einer Bürgerlichen, die dem zuvor skeptisch beäugten jungen König und seiner Dynastie einen gewaltigen Schub an Popularität brachte. Einen Schub, der sogar über so schwierige Momente überstehen half, als vor einigen Jahren peinliche Gerüchte über Eskapaden des Königs in Stripclubs und feuchtfröhlichen Männerrunden dessen Beliebtheit empfindlich ins Wanken brachten.

Ähnliches passierte Spaniens König Juan Carlos I, als er in Afrika auf Elefantenjagd ging. Dabei hatte der Monarch sich in Spanien ursprünglich große Verdienste erworben, als er das Land aus der Franco-Diktatur in die Demokratie führte. Die Sendung zeigt den Umgang der Monarchien mit der Öffentlichkeit in vielen spannenden Facetten, wobei auch viele ausgewiesene Kenner zu Wort kommen.

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