Dirk Stadler (Ulrich Tukur) betreibt seinen ganz eigenen Rachefeldzug.
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Dirk Stadler (Ulrich Tukur) betreibt seinen ganz eigenen Rachefeldzug.

TV-Kritik

"Die Lebenden und die Toten": Pflichttermin für Krimi-Freunde

  • VonUlrich Feld
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Erst

Erst stirbt Ingeborg Rohleder durch einen Kopfschuss. Die Ermittler vermuten zuerst einen Jagdunfall, da die schon ältere Frau in einer Waldlichtung erschossen wurde. Doch die genauere Untersuchung in der Pathologie zeigt: Er war ein gezielter Mord. Dann schlägt der Täter ein zweites Mal zu, diesmal trifft es die junge Hürmet Schwarzer, Verkäuferin in einer Bäckerei. Die Presse schreibt vom "Taunus-Sniper".  Andreas Neff (Simon Schwarz), Profiler vom LKA, sieht mögliche Parallelen zum Washington-Sniper, einem amerikanischen Serienmörder, der durch die "Beltway Sniper Attacks" im Herbst 2002 mindestens zehn Menschen ermordete.

Der Täter (Ulrich Tukur) wirkt irritierend alltäglich. Er hat nichts Eiskaltes und Entschlossen-Finsteres an sich. Er wirkt eher bieder und pedantisch, wenn er mit dem Lineal die Namen seiner Opfer auf einem Blatt Papier durchstreicht. Mittlerweile hat er durch eine Anzeige auf unterlassene Hilfeleistung und fahrlässige Tötung als Grund für die Tötungen hingewiesen. Und Ralf Hesse und damit sein drittes Opfer getötet. Die Ermittler Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) und Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) vermuten mittlerweile eine Verbindung zu den Familien der Opfer. Die Zeit drängt: Der Täter könnte weiterhin zuschlagen.  

Spannung lässt nicht auf sich warten

Sechs Taunuskrimis aus der Feder von Nele Neuhaus hat das ZDF bisher verfilmt. Die Krimi-Reihe um Kirchhoff und Bodenstein präsentierten dabei eine eher durchwachsene Reihe: Speziell "Mordsfreunde" erwies sich als überladen und zäh erzählt, wogegen "Böser Wolf" schon eher überzeugen konnte. "Die Lebenden und die Toten" gelang aber noch wesentlich besser: Während es bei "Böser Wolf" schon eine Weile dauerte, bis etwas wirklich Spannendes passierte, geht die Geschichte hier mit dem Mord an Ingeborg Rohleder gleich in die Vollen.

Dabei schadet es auch absolut nicht, dass Regisseur Marcus O. Rosenmüller (auch Co-Autor am Drehbuch) die Geschichte vergleichsweise langsam erzählt. Er konzentriert sich auf die Figuren und die Ermittlungen, zeigt ein wenig Privates der Ermittler, nimmt die Fahnder aber insgesamt strategisch geschickt zurück. Und er vernachlässigt besonders den Täter nicht, der in früheren Filmen der Taunuskrimi-Reihe schon etwas zu kurz kam. Dass der Film als Zweiteiler mehr Zeit bekam, seine Geschichte zu erzählen, hat der Struktur und der Spannung erstaunlich gut getan.  

Tukur bestens besetzt

Auch die Besetzung mit Ulrich Tukur zeigt Wirkung: Tukur erzeugt als Heckenschütze Spannung, gerade weil ihn der Zuschauer vor allem als „Tatort“-Kommissar und damit auf der anderen Seite des Gesetzes kennt. Passend dazu deutet der Film auch durch einen tragischen Vorfall in Kirchhoffs Vergangenheit eine mögliche Verbindung an. Und dreht die Spannungsschraube besonders dadurch an, dass er die nächsten Opfer des Scharfschützen zeigt: Eine junge Schülerin – und Kommissar Oliver von Bodenstein selbst. Der zweite Teil ist darum für Krimi-Freunde ebenfalls ein Pflichttermin.

Den ganzen Krimi in der Mediathek gibt es

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