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"Leiche im Keller": Gelungener Frankfurt-Krimi

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Der cholerische Raffael Sobcinski (Oliver Stokowski) bekommt durch den Tod seines Geschäftspartners Armin Teller große Probleme.
Der cholerische Raffael Sobcinski (Oliver Stokowski) bekommt durch den Tod seines Geschäftspartners Armin Teller große Probleme. © HR/Degeto/Christian Lüdeke

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"Eiskalte Liebe" hieß der erste Beitrag der im April 2014 ausgestrahlten und in Frankfurt angesiedelten Kriminalkomödienreihe-Reihe "Alles Verbrecher". Hauptpersonen: Die Kommissarin Hertha Frohwitter (Ulrike Krumbiegel) und ihr Assistent Marco Petrassi (Daniel Rodic). Sie mit höchst verstaubtem Auftreten, mit Leopardenhut und Uralt-VW Jetta, er drahtig, durchtrainiert sowie Fan von Sportwagen und Rappmusik. Hätte funktionieren können, wäre nicht alles so dick aufgetragen und das Drehbuch viel zu sehr auf Klamauk getrimmt gewesen. Nur einige bissige Dialoge konnten überzeugen.

Nun also die Fortsetzung "Leiche im Keller". Die gibt es in dem Film tatsächlich und es handelt sich um Armin Teller (Thomas Balou Martin), einen Immobilienspekulanten. Der hat sich im Gallusviertel, in dem er tot aufgefunden wird, nicht beliebt gemacht: Gentrifizierung ist sein Geschäft - Arme und Durchschnittbürger sollen raus, um für wohlhabende Neubürger Platz zu machen. 

Polizeichef gibt den Fall ab

Der Tote ist in ein Plakat einer örtlichen Bürgerinitiative gegen diese Pläne eingewickelt. Dieses Plakat stammt ausgerechnet von Polizeichef Volker Quabeck (Ernst Stötzner). Quabeck gibt den Fall darum an Frohwitter ab. Der Verdacht richtet sich zuerst gegen den launenhaften und temperamentvollen Raffael Sobcinski (Oliver Stokowski), Geschäftspartner von Armin Teller. Aber bald tauchen weitere Figuren auf, wie die ebenso undurchsichtige wie attraktive und von Sobcinski gesponserte Bloggerin Dana Lambach (Lisa Tomaschwesky).

Im Vergleich zu dem Vorgänger spielt "Leiche im Keller" tatsächlich in ein einer ganz anderen Liga. Wortwitz gibt es immer noch, und davon nicht zu knapp. Besonders hübsch: Als Petrassis Onkel von Geldeintreibern verprügelt wird, wiegelt er seinen Neffen ab mit den Worten "Ich krieg das schon geregelt mit denen, ok?" Worauf Petrassi ihm antwortet: "Seit wann kriegt in unserer Familie irgendwer irgendwas wirklich geregelt?" Das ist clever, pointiert und wirklichkeitsnahe. Wobei die Dialoge nicht nur witzig, sondern stellenweise sogar erstaunlich tiefsinnig gerieten - ohne deswegen zu langweilen.

Besseres Drehbuch und gute Schauspieler

Aber es gibt auch eine Handlung, die sich um relevante Themen dreht. Dazu können auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen: Daniel Rodic demonstriert sportliches Talent und Ulrike Krumbiegel wie auch Oliver Stokowski intensives Schauspiel. Elegant fährt Rolf Silber (Drehbuch und Regie) auch die dicksten Klischees des Erstlings zurück: So legt die Kommissarin Frohwitter ihre Uralt-Hüte ab, nachdem Maren Wenning (eine eindrucksvoll emotionale Julia Richter) diese als "Leuchtbojen der Einsamkeit" bezeichnet hat. Ulrike Krumbiegel kommt schauspielerisch auch deshalb viel mehr rüber, weil diese Hüte ihre Figur zuvor zu stark ins Lächerliche gezogen haben.

Die Kamera von Stephan Wagner liefert mit etlichen ausgesuchten Blickwinkeln auf das "Kamerun" genannte Frankfurter Gallusviertel eine gute Portion Großstadtluft. Ein Ford Mustang in Gulf-Lackierung sorgt zusätzlich dafür, dass fürs Auge was geboten wird und der Unterhaltungswert steigt. Fazit: Langsam wird was draus - das Filmkonzept ist zwar noch ausbaufähig, der Fortschritt aber unverkennbar. 

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