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"Letzte Ausfahrt Sauerland": Lauterbach rettet es

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Von: Ulrich Feld

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Mit Horst (Heiner Lauterbach, li.) geht es zu Ende. Enkelsohn Elyas (Emilio Sakraya Moutaoukkil, re.) und Johann (Friedrich von Thun, Mitte) fühlen sich hilflos.
Mit Horst (Heiner Lauterbach, li.) geht es zu Ende. Enkelsohn Elyas (Emilio Sakraya Moutaoukkil, re.) und Johann (Friedrich von Thun, Mitte) fühlen sich hilflos. © ARD Degeto/Programmplanung und P

Also besonders neu ist die Handlung des Films ja nicht: In dem Streifen "Die Falken" mit Bond-Darsteller Timothy Dalton von 1989 (nach einer Geschichte von Bee Gees-Sänger Barry Gibb) türmen zwei Krebskranke mit einem Krankenwagen, um ein Bordell in Holland zu besuchen. Regisseur Thomas Jahn adaptierte die Geschichte im Jahr 1997 für seinen Kinohit "Knockin' on Heavens Door" mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers und ersetzte den Krankenwagen durch eine Mercedes-Pagode.   In "Letzte Ausfahrt Sauerland" ist nur einer an Krebs erkrankt: der alte Horst Kierspe (Heiner Lauterbach), der zusammen mit seinem Kumpel Johann Schlorke (Friedrich von Thun) einen Bootsverleih betreibt. An seinem Geburtstag, der auch der Todestag seiner Frau ist, bekommt er anders als in den Jahren zuvor keine Post von seiner Tochter. Stattdessen erfährt er, sie wäre im Krankenhaus. Er fährt nach Frankfurt, wo sie wohnt.

Also besonders neu ist die Handlung des Films ja nicht: In dem Streifen "Die Falken" mit Bond-Darsteller Timothy Dalton von 1989 (nach einer Geschichte von Bee Gees-Sänger Barry Gibb) türmen zwei Krebskranke mit einem Krankenwagen, um ein Bordell in Holland zu besuchen. Regisseur Thomas Jahn adaptierte die Geschichte im Jahr 1997 für seinen Kinohit "Knockin' on Heavens Door" mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers und ersetzte den Krankenwagen durch eine Mercedes-Pagode.   In "Letzte Ausfahrt Sauerland" ist nur einer an Krebs erkrankt: der alte Horst Kierspe (Heiner Lauterbach), der zusammen mit seinem Kumpel Johann Schlorke (Friedrich von Thun) einen Bootsverleih betreibt. An seinem Geburtstag, der auch der Todestag seiner Frau ist, bekommt er anders als in den Jahren zuvor keine Post von seiner Tochter. Stattdessen erfährt er, sie wäre im Krankenhaus. Er fährt nach Frankfurt, wo sie wohnt.  

Flucht mit einem Leichenwagen

Doch Tochter Lisa (Annika Kuhl) ist nicht krank, sie will nur, dass sich ihr Vater, der ständig unter Hustenanfällen leidet, untersuchen lässt. Nach der hoffnungslosen Diagnose stiehlt Horst zusammen mit Johann einen Leichenwagen vom Typ Daimler DS 420 und entführt dabei auch seinen Enkel, den Halbtürken Elyas, gegen den er stärkste Vorurteile hegt. Zusammen mit Johann will er noch einmal wichtige Stationen seines Lebens abklappern. Ganz ähnlich wie in den Filmen zuvor also, auch das Bordell fehlt nicht. Trotzdem schafft es der Film, dem Thema neue Aspekte abzugewinnen. Die Spannung kommt dabei durch das Dreiecksverhältnis zwischen Horst, seiner Tochter Lisa und seinem Enkel. Auf der Reise kommen sich Horst und Elyas näher - ja so nahe, dass Elyas am Ende seine Mutter dazu überredet, sich mit seinem Großvater zu treffen. Horst hat Lisa einst weggeben, weil er mit seiner Trauer um den Tod seiner Frau nicht zurechtkam und dem Alkohol und dem Joint verfiel. Dass es nicht mehr zu einer echten Aussprache zwischen Vater und Tochter kommt, verleiht dem Thema nochmal eine besonders melancholische Note. Dennoch wirkt der Streifen nicht übermäßig sentimental, was vor allem der Besetzung mit Heiner Lauterbach zu verdanken ist. Sein knorriges Spiel rettet den Film auch über verschiedene Schwächen hinweg.  

Warum sieht Friedrich von Thun so extrem heruntergekommen aus?

Ein wenig leidet der Film etwa unter teils unglaubwürdigen Szenen: So dürfte die Flucht vor der Polizei mit dem mittlerweile von Horst mit der Säge zum Cabrio umfunktionierten Leichenwagen kaum möglich sein. Und wenn Horst sein Haus so viele Jahre zuvor verkauft hat, warum sieht es dann so heruntergekommen aus? Auch bei Friedrich von Thum fragt man sich, warum er als Mann, der einen Bootsverleih besitzt, so unglaublich ungepflegt herumlaufen muss.

Dass er am Ende, obwohl er ein Auto mitgestohlen hat, so einfach am See mit Horsts Enkel Schießen üben kann, ist auch keine überzeugende Drehbuchidee. Dafür gibt es gut pointierte Dialoge über den Tod und hübsch makabre Einfälle wie Horsts Kauf einer Urne. Aus Emilio Moutaoukkil hätte Regisseur Nikolai Müllerschön noch etwas mehr herausholen können. Als durchweg strebsamer junger Mann war sein Charakter auch etwas zu schematisch angelegt. Als melancholisch-heiteres Roadmovie kann der Film dennoch überzeugen.

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