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"Linda Lovelace": Im Schatten des Superpornos

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Von: Ulrich Feld

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Auf dem Gipfel des Ruhms: Linda spielt die Hauptrolle in dem erfolgreichen Porno "Deep Throat".
Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Dale Robinette
Auf dem Gipfel des Ruhms: Linda spielt die Hauptrolle in dem erfolgreichen Porno "Deep Throat". Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Dale Robinette © (ZDF)

Heut

Heute lässt sich kaum noch nachvollziehen, dass der für knapp 22.500 Dollar produzierte Pornostreifen "Deep Throat" zu einem so weltweiten Erfolg avancierte. Die Einspielergebnisse werden von rund 100 Millionen bis zu 600 Millionen Dollar geschätzt. Hauptdarstellerin Linda Lovelace erhielt dafür eine Gage von 1200 Dollar, die ihr Ehemann Chuck Traynor einbehielt.

Das ZDF-Drama „Lovelace“ wählt einen ungewöhnlichen und zugleich gewöhnungsbedürftigen Weg, Lindas Aufstieg zu einer der berühmtesten Pornodarstellerinnen der 70er Jahre zu beschreiben: Die erste Hälfte des Films beschreibt kurz ihre Jugend und ihr restriktives Elternhaus unter ihren Eltern Dorothy (Sharon Stone) und John Boreman (Robert Patrick). Sie heiratet Chuck Traynor (Peter Sarsgaard), der ihr mit seinem weltmännischen Auftreten imponiert, dreht "Deep Throat" und steigt zur gefeierten Pornokönigin auf.

Die zweite Hälfte zeigt gleich anschließend die echte Geschichte hinter dem Welterfolg. Sie beginnt sechs Jahre nach "Deep Throat" mit einer Szene am Lügendetektor: Der Verlag, der ihre Erinnerungen veröffentlichte, ließ sie an dem Gerät testen, was sie auch bestand. Sie berichtete von brutalen Schlägen durch Chuck Traynor, von Vergewaltigung und brennender Scham gegenüber ihren Eltern. Ihre Memoiren stießen auf geteiltes Echo. Am Ende steht ihr Besuch mit ihrer neuen Familie bei ihren Eltern.

Anschließend folgen noch einige Sätze über "Deep Throat" und ihren Tod durch einen Autounfall im Jahr 2002. Generell sind biographische Filme eine höchst problematische Gattung, weil sich eine Lebensgeschichte nur schwer mit den dramaturgischen Regeln eines Spielfilms in Einklang bringen lässt. Das zeigt auch dieser Streifen sehr anschaulich. Vor allem ständig neue Charaktere, die außer einer rein handlungstechnischen Funktion keinerlei charakterliche Tiefe entwickeln, lassen den Film sperrig wirken. 

Gefallen können einige Passagen aus der ersten Hälfte, die das Lebensgefühl der frühen siebziger Jahre illustrieren. Szenen mit Ford Mustang Cabrio unter strahlend blauem Himmel und dem Hit "Spirit in the Sky" im Hintergrund. Die zweite Hälfte des Films ist deutlich düsterer inszeniert mit trübem Licht, engen Zimmern und einer nächtlichen Szene im Freien. Sonderlich originell ist das nicht.

Es gibt etwas bizarren Humor, als Linda, die eben vor ihrem Mann davonlaufen wollte und auf der Straße gestürzt ist, von einem Polizisten um ein Autogramm gebeten wird. Ein durchaus gelungener Versuch, so etwas wie Satire in das Geschehen einzubringen. Aber natürlich zu wenig, dass der Film als echte Satire funktionieren könnte.

Möglicherweise wussten die Macher des Films selbst nicht, welche Version der Lebensgeschichte von Linda Lovelace sie erzählen sollten. Die echte Linda Lovelace berichtete zwar in ihrer 1980 erschienene Autobiographie "Ich packe aus" von Schlägen und Vergewaltigungen, drehte aber in den 90er Jahren wieder Sexfilme, wenn auch deutlich softere als "Deep Throat". Der Pornofilm war seinerzeit nachweisbar von einer Mafiagruppe finanziert worden.

Die holprige Dramaturgie und sehr konventionelle Regie des Films erreichen bestenfalls bescheidenes TV-Niveau. Eine starke Szene ist ein Gespräch mit ihrem Vater, der über ihr Mitwirken in einem Pornofilm erschüttert ist.

Amanda Seyfried als Linda und besonders Peter Sarsgaard als Chuck Traynor machen ihre Sache zwar recht gut, der Film kann dennoch nicht überzeugen - weder als Erotikdrama noch als Abrechnung mit der Porno-Industrie. An der Kinokasse erwies sich "Linda Lovelace - Pornostar" denn auch als Flop.

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