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Martin Luther (Roman Knizka) vor Kaiser und Reichsstände auf dem Reichstag in Worms 1521.

TV-Kritik

"Das Luther-Tribunal": So sollte Geschichtsunterricht aussehen

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Am T

Am Tag zuvor noch in der Hauptrolle des epischen Historiendramas "Zwischen Himmel und Hölle", jetzt im Mittelpunkt eines fast intim anmutenden Kammerspiels: "Das Luther-Tribunal" konzentriert sich auf Martin Luthers Auftritt in Worms im April 1521, wo sich wie unter einem Brennglas die politischen Konflikte der Zeit bündelten. Das Drehbuch von Friedrich Klütsch, einem Spezialisten für historische Dokumentationen, folgt dabei eng den historisch sehr exakt überlieferten Fakten.

 

Regisseur Christian Twente lässt immer wieder das Bild einfrieren und die Kamera sich zwischen den Figuren bewegen. Ein genialer Einfall, der es dem Zuschauer ermöglicht, sich quasi wie die Fliege an der Wand in einem Brennpunkt der Weltgeschichte zu bewegen. Wovon die damaligen Beteiligten nichts ahnten, nichts ahnen konnten. In einer ironisch anmutenden Szene erläutert Kaiser Karl V. seine brennenden politischen Probleme mit Franzosen oder Türken und dass Luther niemals so bedeutend sein könne.

 

 

In Worms ging es darum, Luther zu bewegen, seine Thesen aus dem Jahr 1517 zu widerrufen. Zu dieser Zeit war der promovierte Theologe der Wittenberger Universität bereits einer Art Superstar seiner Zeit aufgestiegen. Was der Film deutlich zeigt, wenn Luther unter Jubel in Worms einzieht oder sein Begleiter Johann Petzensteiner Luthers Anhängern anhand von handschriftlichen Notizzetteln über Details der Anhörung berichtet.

 

Stimmen aus dem Off, die Historikerin Claudia Garnier, die Theologin Elisabeth Gräb-Schmidt und Luther-Biograph Heinz Schillling erläutern die beteiligten historischen Persönlichkeiten und die Hintergründe. Religiöse Streitigkeiten spielten für die deutschen Fürsten auf dem Reichstag zu Worms nur eine Nebenrolle. In Worms entwickelten sich die theologischen Spitzfindigkeiten endgültig zum Politikum – und zur Ursache für schreckliche Auseinandersetzungen.

 

 

"Weitere Kriege werden folgen" heißt am Ende in dürren Worten. Der Film enthält sich aber ganz im Gegensatz zu "Zwischen Himmel und Hölle" jeder simplen Schwarz-Weiß-Malerei: Der Reformator erscheint nicht als Held und seine Gegner nicht als plumpe Karikaturen. Auch Luthers Gegner wie Johann von der Ecken (Holger Daemgen) oder der päpstliche Nuntius Hieronymus Aleander (Alexander Beyer) erscheinen als Männer, die von dem, was sie behaupten, tief und ehrlich überzeugt sind.

 

Das Ergebnis ist Geschichtsunterricht auf höchstem Niveau.  Eine erstaunlich gute Figur macht dabei Roman Kni?ka. Obwohl vom Typ her den historischen Abbildungen  Luthers weniger ähnlich als Maximilian Brückner im ZDF-Montagsfilm oder Devid Striesow in "Katharina Luther", bringt Kni?ka die zerquälte und in gewisser Weise auch fanatische Seite Luthers besonders gut zur Geltung.    

 

Und wenn sich Luther mit Verdauungsproblemen plagt oder Kaiser Karl V. (Mateusz Dopieralski) mit Kurfürst Friedrich III. dem Weisen (Bernd Stegemann) im Badezuber heimliche Details ausknobeln, kommt sogar ein Hauch von Humor ins Geschehen.

 

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