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Lügen, Täuschen, Tricksen: Immer mehr verstrickt sich Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) in falsche Behauptungen. Er muss dabei auch Spuren beseitigen.

TV-Kritik

?Der Mann, der lügt?: Das Zappeln im Netz

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Der neue ?Tatort? aus Stuttgart rückt dem Tatverdächtigen besonders intensiv auf die Pelle. Warum das Experiment fasziniert und weswegen es am Ende nicht ganz aufgeht.

„Was für ein herrlicher Tag“ sind die ersten Worte, die Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) ausspricht. Draußen scheint die Sonne. Das Familienleben scheint geordnet. Auf dem Weg ins Büro gibt es passend zum Wetter die Beach Boys mit „Surfin USA“. Aber das schwere Atmen Jakobs zu Beginn deutet Risse in der Idylle an. Und auf dem Weg ins Büro gleitet die Kamera an einer Reihe von parkenden Autos vorbei.

Auch am braunen Porsche 911 Targa von Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller). Der wartet mit seinem Kollegen Sebastian Bootz (Felix Klare) schon im Büro. Und stellt Fragen nach Uwe Berger, einem zwielichtigen Bekannten von Gregorowicz, den dieser schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Sagt er zumindest. Die Ermittler wundern sich darüber, dass Gregorowiczs Name in Bergers Terminkalender steht.

Außerdem vermuten sie, dass Berger möglicherweise Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Zum zehnjährigen Jubiläum versucht der Stuttgarter „Tatort“ mal einen völlig neuen Ansatz. Und der klingt durchaus vielversprechend: Lannert und Bootz bleiben Randfiguren, der Tatverdächtige rückt in den Mittelpunkt. Die Kommissare werden konsequent reduziert auf zwei Typen von der Polizei, die auftauchen und misstrauische Fragen stellen.

Und dabei die familiäre Idylle, die Jakob Gregorowicz ängstlich zu beschützen versucht, immer stärker ins Wanken bringen. Der Tatverdächtige steht hier fast durchweg im Mittelpunkt. Der Zuschauer weiß nicht mehr, als er preisgibt oder von den Ermittlern erfährt. Scheibchenweise kommen dabei immer mehr beunruhigende Details ans Licht: Gregorowicz hat allerlei zu verbergen – nicht nur eine katastrophale Geschäftsbeziehung.

Auch sein Familienleben ist nicht das, wonach es auf den ersten Blick aussieht. Aber wie tief steckt er wirklich mit drin? Die Spannung, die der 22. Lannert und Bootz-Krimi dabei aufbaut, ist beträchtlich. Man kann das Scheitern, das Zerbrechen der Normalität des Verdächtigen hautnah miterleben. Was im besonderen Maß Manuel Rubey zu verdanken ist.

Rubey bietet in der Rolle mit reduziertem Spiel und zunehmend verkrampft  eine famose schauspielerische Leistung. Man leidet deswegen von Anfang an mit, wenn Jakob Gregorowicz seinen gehobenen Mittelstandsstatus mit schickem Eigenheim und Tennisterminen für die Ehefrau zu verteidigen versucht. Die Geschichte, die sich unterdessen entwickelt, zeigt sich auch schlüssig aufgebaut.

Gegen Ende fällt „Der Mann, der lügt“ aber stark ab. Gerade weil Jakob Gregorowicz so stark im Mittelpunkt steht, stellt die Figur auch besonders hohe Anforderungen. Sein Verhalten leuchtet aber nur teilweise ein. Auch dass der Krimi am Ende sein Konzept verrät und die Nachgeschichte in schriftlicher Form liefert, kann nicht befriedigen. Der neue Sonntagskrimi bietet deswegen zwar einen faszinierenden Ansatz, der aber nur teilweise aufgeht.

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