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Martin Gebhardt (Henry Hübchen). Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Gordon Muehle

TV-Kritik

"Der Mann ohne Schatten": Ohne Tempo

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Eige

Eigentlich hat dieser Film - nach "Das Kindermädchen" und "Die letzte Instanz" der dritte Streifen um den Rechtsanwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) nach den Romanen von Elisabeth Herrmann - eine Menge Zutaten, die einen spannenden Krimi versprechen: Da wäre etwa der Beginn: Eine fragil wirkende Frau Katherina Gebhardt (wunderbar emotional und verwundbar: Gudrun Landgrebe) kommt zu Vernau und erteilt ihm den Auftrag, auf Kuba ihren Bruder Martin zu finden, mit dem sie seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hat. Sie will mit ihm eine Erbschaftsangelegenheit klären. Ein klassischer Krimi-Beginn also, vergleichbar mit dem Anfang von "Die Spur des Falken" oder "Chinatown".

Auch das Katherina Gebhardt einen Anwalt benötigt und keinen Detektiv, ist logisch: Vernau soll sie ja eben auch juristisch vertreten. Er fliegt nach Kuba in die dortige Hauptstadt. Ein zweiter Pluspunkt für den Film: Havanna gibt mit ihrer Exotik und morbiden Pracht, ihrem Verfall und ihren alten US-Straßenkreuzern eine wunderbare und bisher filmisch noch unverbrauchte Kulisse ab.

Vernau trifft Martin Gebhardt (Henry Hübchen) relativ schnell auf Kuba und erhält auch problemlos das gewünschte Formular für seine Klientin. Doch Katherina Gebhardt fällt etwas auf: Ihr angeblicher Bruder hat ihren Namen falsch geschrieben. Keine schlechte Wendung. Auch die Hintergrundgeschichte mitsamt Auflösung kann eigentlich überzeugen: Martin Gebhardt, der sich im Jahr 1980 einer linksradikalen Gruppe angeschlossen hatte und freiwillig in die DDR ging, sollte ursprünglich für eine größere Spionagetätigkeit eingesetzt werden.

Er erwies sich jedoch als zu labil und darum nahm der Ehemann seiner Freundin - die von der Stasi auf ihn angesetzt worden war - seinen Namen und seine Identität an und ging in den Westen. Martin Gebhardt landete in der Psychiatrie, wo er sich das Leben nahm.

Exotik, Stasivergangenheit, vertauschte Identität, Romantik (Vernau lernt eine Kubanerin kennen und lieben), eine kräftige Portion Tragik und dann auch noch mit Jan Josef Liefers und Henry Hübchen zwei tolle Charakterschauspieler - das sollte doch eigentlich hinhauen. Tut es aber leider nicht: Obwohl Vernau schon nach knapp acht Minuten in Kuba landet, kommt der Film überhaupt nicht in die Gänge. Die ganze Geschichte braucht einen enorm langen Anlauf und plätschert über weite Strecken ziemlich ereignislos vor sich hin.

 

Zusätzlich zerdehnt wird das Ganze auch noch durch witzig gemeinte Einlagen mit Vernaus Mutter samt Freundin und mit Vernaus Kanzleipartnerin Marie-Luise (Stefanie Stappenbeck). Ansonsten gibt es zwar Kuba-Klischees (Rum, Zigarren, Calypso-Musik) satt. Aber die Dramatik bleibt dabei weitgehend auf der Strecke. Erst in den letzten zwanzig Minuten kommt endlich mal ein wenig Tempo auf, als der vermeintliche Gebhardt von der Polizei gejagt wird. Wobei aber die Hintergrundgeschichte mit Bruder und Stasi aber leider nur verbal erzählt anstatt mit filmischen Mitteln inszeniert wird und das überflüssigerweise auch noch zweimal.

 

Zwar haben Regisseur Carlo Rola ("Rosa Roth") und sein Kameramann Frank Küpper für gute Bilder gesorgt. Für einen richtig guten Krimi reicht das aber nicht.

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