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Das geht böse aus: Simmel (Hinnerk Schönemann) und Daniela (Judith Bohle) vergnügen sich im Hotelzimmer. Bild: ZDF und Guido Engels

TV-Kritik

"Marie Brand und der schwarze Tag": Hitchcock lässt grüßen

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Wenn eine Serie jahrelang erfolgreich läuft, schleichen sich oft regelmäßige Rituale in den Handlungsablauf ein, egal ob im Fernsehen oder Kino. Es weckt dann beim Zuschauer das Gefühl des Vertrauten. Und erstaunt, wenn es einmal gänzlich fehlt. So etwa, wenn James Bond auf einmal knallhart erklärt, es würde ihn nicht interessieren, ob er seinen Drink geschüttelt oder gerührt serviert bekommt.

Wenn eine Serie jahrelang erfolgreich läuft, schleichen sich oft regelmäßige Rituale in den Handlungsablauf ein, egal ob im Fernsehen oder Kino. Es weckt dann beim Zuschauer das Gefühl des Vertrauten. Und erstaunt, wenn es einmal gänzlich fehlt. So etwa, wenn James Bond auf einmal knallhart erklärt, es würde ihn nicht interessieren, ob er seinen Drink geschüttelt oder gerührt serviert bekommt.

Oder wenn bei "Marie Brand" die Titelheldin ihrem Mitarbeiter Jürgen Simmel nicht mehr die Jacke hält, wenn der sich aufmacht, einem Verbrecher hinterher zu spurten. Was natürlich auch daran liegt, dass es diesmal für Simmel richtig dick kommt. Der allem Weiblichen zugetane Kommissar wacht verkatert in einem Hotelzimmer auf, wo er sich mit seiner neuen Freundin unter anderem mit Fesselspielchen – wovon seine Kollegen scheinbar noch nie etwas gehört haben - vergnügte.

Dumm nur, dass die Freundin nicht mehr lebt und alles darauf hindeutet, dass Simmel ihren Tod verursacht hat. Simmel verdächtigt sofort den skrupellosen Großunternehmer Christian Grave (Werner Wölbern) – hübscher Familienname übrigens, der auf Englisch Grab bedeutet – etwas mit ihrem Rod zu tun zu haben. Die zuständige Staatsanwältin Dr. Caroline Kersting (Leslie Malton) und Simmel kennen sich noch aus einer gemeinsamen Affäre fast zwanzig Jahre zuvor.

Damals ermittelten sie gegen Grave, der den Jungpolizisten und die damals noch verheiratete Kersting heimlich beim Sex filmen ließ und den Film ins Netz stellte. Was für beide verheerende Auswirkungen nach sich zog. In Kersting sind scheinbar noch alte Gefühle vorhanden,  denn sie verhilft Simmel zur Flucht, damit der weiter gegen Grave ermittelt. Aber es gibt jemanden, der hier ein doppeltes Spiel betreibt.

Ein Mann gerät unter falschem Verdacht und muss mit der Polizei im Nacken seine Unschuld beweisen: In ihrer mittlerweile 22. Episode unternimmt die beliebte ZDF-Reihe einen großen Schritt in Richtung Hitchcock, der dieses Motiv unter anderem in "Der unsichtbare Dritte" variierte. Besonders reizvoll gerät hier die Verbindung durch die Affäre Simmels mit der zwar deutlich älteren, aber immer noch reizvollen Staatsanwältin, mit Leslie Malton ideal besetzt.

Der neue Ansatz fordert auch Mariele Millowitsch, Hinnerk Schönemann und Thomas Heinze als Chef des Duos einmal neue Facetten ab: Das Trio agiert deutlich emotionaler und aggressiver. Besonders in der ersten Hälfte der Geschichte funktioniert der Plot als ausgefuchste Sex & Crime-Geschichte deswegen ausgezeichnet. Das Drehbuch setzt durchweg auf hohes Tempo, und auch ohne Kabbeleien zwischen Brand und Simmel gibt es viele pointierte Dialoge.

Freilich ist es nicht einfach, einen tollen Ansatz entsprechend aufzulösen. Mit Simmels Flucht schlägt die Handlung dann auch ein paar ziemlich kühne Haken, die in ihren Details nicht immer wirklich glaubwürdig geraten sind. Was den Film ab diesem Moment auch etwas auseinanderfallen lässt. Insgesamt  ist Jobst Christian Oetzmann (Drehbuch und Regie) mit seinem ersten „Marie Brand“-Krimi  aber trotzdem ein bemerkenswert innovativer Ansatz gelungen. Es sollte deswegen nicht sein letzter Beitrag zu dieser Reihe bleiben.

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