Josef Matula (Claus Theo Gärtner) versucht seinen zugelaufenen Straßenköter zu einem Bad zu animieren.
+
Josef Matula (Claus Theo Gärtner) versucht seinen zugelaufenen Straßenköter zu einem Bad zu animieren.

TV-Kritik

"Matula": Eine Legende kehrt zurück

  • VonUlrich Feld
    schließen

Mit Witz und viel Liebe zum Detail hat das ZDF seinen bisher erfolgreichsten Krimihelden reaktiviert und zum Auffrischen an die Nordsee geschickt.

Ein Gastauftritt von Claus Theo Gärtner in der "Ein Fall für zwei"-Folge "Der blinde Fleck" aus der Neuauflage mit Antoine Monot, Jr. und Wanja Mues deutete es schon an: Josef Matula ist zwar seit 2013 weg vom Bildschirm, aber noch lange nicht aus dem Rennen. Man könnte es freilich annehmen, wenn man ihn jetzt anfangs in Aktion sieht: ein abgehalfterter Kaufhausdetektiv, der nach missglückter Jagd auf einen Ladendieb Dienstjacke und Job schmeißt. Und sich anschließend in sein Wohnmobil in einem Hinterhof zurückzieht.

Rettung bringt der dubiose Dr. Claas Jessen (Götz Schubert): Matula soll sich an der Nordseeküste um Frau Prof. Wollert kümmern, die dort in einer Seniorenresidenz lebt. Matula findet die Frau aber nur noch tot vor. An einen Unfall will er nicht glauben und sein Auftraggeber wünscht weitere Informationen. Also sucht Matula Wollerts frühere Arbeitsstätte auf, das Forschungsinstitut Bremerhaven. Er stößt dort auf Spuren eines Gefälligkeitsgutachtens, wo es um viel Geld ging und das Wollert eventuell verhindern wollte.

Promenadenmischung als passender Begleiter

Doch bald tut sich eine völlig neue Spur auf und Jessen erscheint in einem völlig neuen Licht. Am Ende leistet ein Hund gute Dienste, eine Promenadenmischung, die Matula in Frankfurt aufgabelt und durchfüttert. Ein Begleiter mit Signalwirkung: Hier haben sich in der Tat zwei Straßenköter gesucht und gefunden. Neunzig Minuten dauert Matulas neuester Fall und damit eine halbe Stunde länger als die bisher 300 Episoden, die Gärtner in der Rolle seines Lebens absolvierte.

Damit hat Matula sogar Verbrecherjäger Derrick (281 Episoden) überflügelt. Noch immer kann er ganz gut rennen und sprinten, aber mittlerweile geht ihm doch schon mal die Puste aus. Auch an Matula nagt der Zahn der Zeit, was der Film für einige gelungen ironische Anspielungen auf sein Alter nutzt: Matula steuert keinen sportlichen Alfa Romeo mehr, sondern ein gammeliges Wohnmobil. Für Verfolgungsfahrten ist so ein Gefährt natürlich gänzlich ungeeignet und dann versagt in einem wichtigen Moment noch die Maschine.

Fortsetzung schon geplant

Auch vorher macht sich bei Matula ein gewisser Investitionsstau bemerkbar, etwa wenn er sich mit Rockmusik in Stimmung bringen will und die ausgeleierte Kassette ihn im Stich lässt. Mit Matula brachte das ZDF vor knapp vierzig Jahren den abgewrackten Privatdetektiv nach amerikanischem Pulp-Vorbild zur Serienreife. Für den Neuanfang waren die Macher gut beraten, ihn im Wesentlichen unverändert zu lassen und ihn trotz gelegentlicher humoriger Anflüge nicht komplett zur Witzfigur zu degradieren.

Der Humor funktioniert dabei allerdings besser als die Spannung. An den Nägeln kauen vor Aufregung muss niemand, und dennoch: Mit vielen sicher nicht immer glaubwürdigen Wendungen bis zum Ende hält der Plot die Sache ganz ordentlich am Kochen. Der Ausflug in ungewohnte Gefilde, mal weit weg von den Frankfurter Häuserschluchten, hat Matula gut getan. Auf die geplante Fortsetzung darf man gespannt sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare