„Tatort“-Star Jan Josef Liefers sieht sich nach „#allesdichtmachen“ heftiger Kritik ausgesetzt.
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„Tatort“-Star Jan Josef Liefers sieht sich nach „#allesdichtmachen“ heftiger Kritik ausgesetzt.

ZDF-Talk

„#allesdichtmachen“ – MaiLab zerlegt Jan Josef Liefers bei „Maybrit Illner“

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Bei „Maybrit Illner“ legt Jan Josef Liefers einen diffusen Auftritt hin. Seine Rechtfertigung für „#allesdichtmachen“ geht nach hinten los – und sorgt für Kritik von MaiLab.

Frankfurt/Berlin – Die Aktion „#allesdichtmachen“ schlägt weiter hohe Wellen. Eine Gruppe von 51 Schauspielern und einem Regisseur haben mit ihren Videos eine kontroverse Debatte ausgelöst. In Beiträgen, die ironisch gemeint sein sollen, kritisieren die Künstler die Corona*-Beschränkungen. Initiiert hat das Projekt der Filmproduzent Bernd K. Wunder aus München, der insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie mit vielen verharmlosenden Aussagen auffiel. Sein Begriff „Coronazi“ wird in der „Querdenker“-Szene gern genutzt. Mittlerweile hat sich Wunder davon distanziert.

Und trotzdem spielt „#allesdichtmachen“ Corona-Leugnern in die Karten. Aus den Reihen der AfD und der „Querdenker“-Szene gab es Applaus. In den Videos bezeichnen die Schauspieler ein Leben mit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie als erstrebenswert – das alles mit einem ironischen Ton.

„#allesdichtmachen“: Jan Josef Liefers mit diffusem Auftritt bei „Maybrit Illner“

Einer der bekanntesten Teilnehmer an dieser Aktion ist Jan Josef Liefers. Der Schauspieler ist vor allem durch seine Rolle im „Tatort“ ein beliebtes Gesicht auf den deutschen TV-Schirmen. Doch während sich einige seiner Kollegen von dem Video distanziert haben, als sie die Welle der Kritik überschwappte, steht Liefers zu seinen Aussagen und auch zur Außenwirkung des Videos.

In der Talkshow „Maybrit Illner“ legte er am Donnerstag (29.04.2021) im ZDF einen diffusen Auftritt hin. Nicht nur, dass er zwischenzeitlich „den Faden verloren“ hatte und nicht mehr wusste, was er sagen wollte. Auch räumte er ein, sich nicht intensiv mit dem Thema und den Hintergründen zu der Aktion beschäftigt zu haben. „Ich kannte sechs, sieben Leute, die da mitmachen, alles gute Kumpels, da dachte ich, ich bin safe“, sagte Liefers. Umso merkwürdiger, dass Wunder gegenüber dem NDR-Medienmagazin Zapp bestätigte, dass Liefers einer der Mit-Initiatoren gewesen sei.

„#allesdichtmachen“: Kida Ramadan fragt nach – und bekommt keine Antwort

Dass es längst nicht so schwer ist, Nachfragen zu stellen, zeigte sein Schauspieler-Kollege und „4Blocks“-Star Kida Ramadan. Er sei auch angefragt worden und hätte beinahe mitgemacht, erzählt Ramadan in einem Video auf Instagram. Doch auf seine Frage, was die Aktion genau bezwecken solle, habe er keine Antwort bekommen: „Ich hatte ein schlechtes Gefühl dabei“, sagte Ramadan.

Innerhalb der Runde bei „Maybrit Illner“ bekam Liefers von FDP-Vize Wolfgang Kubicki und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) Lob für „#allesdichtmachen“. Palmer freute sich vor allem darüber, dass „#allesdichtmachen“ den „Mechanismen der asozialen Medien, wo die lauteste Stimme die meiste Aufmerksamkeit bekommt“, den Spiegel vorgehalten habe. Dass Palmer selbst gerne den lauten Social-Media-Weg geht, hatte er in diesem Moment offenbar vergessen.

„#allesdichtmachen“: MaiLab mit harter Kritik an Jan Josef Liefers

Kritik an „#allesdichtmachen“ kam dagegen von der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, auf YouTube auch als MaiLab bekannt. Laut ihrer Aussage hätte es Liefers und seinen 52 Kollegen klar sein müssen, dass solche zugespitzten Aussagen von Corona-Leugnern und Gegnern der Beschränkungen vereinnahmt werden können. Ihr vernichtendes Urteil gegenüber Liefers: „War Ihnen nicht klar, dass Sie das Narrativ der Querdenker benutzen? Sie haben sich zum Kronzeugen der Rechten gemacht. Jedes Kind hätte das gewusst.“

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sprach davon, dass Liefers einfach ein Streichholz in der benzinhaltigen Luft der Pandemie anzünde. „Mir war bei dem Video nicht klar, was jetzt eigentlich Ihre Botschaft sein soll.“

„#allemalneschichtmachen“ statt „#allesdichtmachen“ – Jan Josef Liefers erhält Absage

Auch beim medizinischen Personal, das seit über einem Jahr jeden Tag über die Belastungsgrenze geht, kam #allesdichtmachen nicht gut an. Die Medizin-Bloggerin Doc Caro rief kurzerhand die Aktion „#allemalneschichtmachen“ ins Leben. An dieser will sich Liefers nun beteiligen, wie er in einem Streitgespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn in der Wochenzeitung Zeit ankündigte. Doch daraus wird nichts.

Nachdem sich der „Tatort“-Star im Uniklinikum Essen angemeldet hatte, bekam Jan Josef Liefers allerdings eine Absage*. „Für uns ist das definitiv kein Thema“, sagte Jochen A. Werner, Chef der Essener Uniklinik im Videocast „19 – die Chefvisite“. „Wer bis heute nicht begriffen hat, was in Krankenhäusern geleistet wird, der begreift es auch in einer Schicht nicht“, so der Klinikchef. Er halte eine Inszenierung wie der „Bergdoktor im Ruhrgebiet“ für „undenkbar“. (esa) *fnp.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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