Für Putin ist die Annexion der Krim „einer der wichtigsten Meilensteine in der vaterländischen Geschichte”. Foto: Alexey Druzhinyn /Ria Novosti
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Für Putin ist die Annexion der Krim „einer der wichtigsten Meilensteine in der vaterländischen Geschichte”. Foto: Alexey Druzhinyn /Ria Novosti

TV-Kritik

?Mensch, Putin!?: Das langweilige Gesicht der Macht

  • VonChristian Preußer
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Die

Die Liste der Schlagzeilen ist lang: Ukraine-Konflikt, Gasstreit, Chodorkowski-Auseinandersetzung, Georgien-Zwist. Kaum ein Politiker der Gegenwart handelte in den vergangenen 15 Jahren so strittig und kontrovers, wie der Kreml-Zar. Eine ZDF-Dokumentation versucht nun die persönlichen Geheimnisse hinter der Fassade dieses unnahbaren Menschen zu lüften. Das Ergebnis ist unterhaltsam gleichwohl es keine Neuigkeiten ans Tageslicht bringt.

Auch das ZDF wusste nicht, wo es da anfangen sollte, mit der Charakteristik dieses seltsamen Menschen. Mit der offensichtlichen Machtgier? Mit den Frauen? Mit dem Geld? Also zeigen die ersten Sekunden des 45-minütigen Dokumentarfilms „Mensch, Putin!“ einen Mann, der seinen Kühlschrank öffnet und eine Butterbox heraus kramt. Das Hemd ist weiß, die Frisur akkurat. Ein ganz normaler Mann, so scheint es. Doch dann kommen die persönlichen Bekannten zu Wort.

Keine neuen Erkenntnisse

Er habe ein Problem mit Frauen, sagt etwa eine Frau, die ihre Aussage offensichtlich am eigenen Leib zu spüren bekam. Andere berichten von Putins Jahren in Dresden, wo er Frauen antatschte und besoffen durch die Straßen torkelte. Andere Zeugen berichten von geplanten Anschlägen auf Putin, die er unbeschadet überlebte. Die Reportage ist keine 20 Minuten alt, da hat sich schon versehentlich das Bild eines Übermenschen gezeichnet.

Man erfährt: Putin liebt die Struktur. Spät klingelt der Wecker, dann folgt ein Schwimmbadbesuch. Wenn andere Menschen längst zu Mittag gegessen haben, wird für den Präsidenten das Frühstück aufgefahren. Das Fitnessprogramm im Studio schiebt er dazwischen, die weltpolitischen Entscheidungen fällt er beim Sport. Das ist durchaus beeindruckend und unterhaltsam, tatsächliche und überraschende Erkenntnisse über diese zwiespältige Person liefert die ZDF-Dokumentation allerdings nicht.

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