1. Startseite
  2. Film, TV & Serien

"Der Metzger muss nachsitzen": Überkonstruiert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ulrich Feld

Kommentare

Der Möbelrestaurator Willibald Adrian Metzger (Robert Palfrader) findet die Leiche seines sadistischen Schulkollegen Dobermann.
Der Möbelrestaurator Willibald Adrian Metzger (Robert Palfrader) findet die Leiche seines sadistischen Schulkollegen Dobermann. © Degeto/Jacqueline Krause-Burberg

Eine

Eine Kellnerin, die mit der Zigarette im Mund Speisen serviert, wobei das glimmende Ende über dem Teller hängt. Und das aus der Vogelperspektive gefilmt, obwohl die Kellnerin weder als Person in Erscheinung tritt noch die Asche über dem Essen im Handlungsverlauf auch nur die geringste Rolle spielt. Diese Szene verdeutlicht schon, woran dieser zweite "Metzger"-Film krankt: nämlich mit aller Gewalt skurril und anders sein zu wollen als andere Krimis und dabei die Schlüssigkeit der Geschichte zu vernachlässigen.

Das Ganze beginnt wie viele TV-Krimis: mit einer Leiche. Über die stolpert Willibald Adrian Metzger (Robert Palfrader) auf dem Heimweg, und das weckt hässliche Erinnerungen an seine Schulzeit. Der Tote ist nämlich Felix Dobermann, jener Mitschüler, der den übergewichtigen jungen Metzger (in Rückblenden gespielt von Michael Arnsteiner) mit größter Lust zu mobben pflegte.

Im Auge des Toten steckt ein Zeigestock eines Lehrers. Metzger geht zur Polizei und trifft dort mit Kommissar Pospischill (Andreas Lust aus "Polizeiruf 110 - Morgengrauen") einen weiteren alten Schulkameraden. Dobermanns Leiche ist jedoch verschwunden. Um einen möglichen Mord und das Verschwinden aufzuklären, lädt Metzger, ohne seinen Namen zu nennen, die alten Klassenkollegen zu einer Wiedersehensfeier ein und erfährt dabei pikante Details aus der schulischen Vergangenheit.

Überladene und überkonstruierte Geschichte

Den überladenen Plot samt Dobermanns Homosexualität, einer Affäre aus der Schulzeit, unfreiwilliger Schwangerschaft und Kind und überhaupt vielen Nebenhandlungen und Nebenfiguren nachzuvollziehen erfordert schon beinahe wieder Papier und Stift wie im Erstling "Der Metzger und der Tote im Haifischbecken". Als Bösewicht stellt sich jedenfalls am Ende der alte Chemielehrer Eder (Bernhard Schir) heraus, der es mittlerweile zum Schuldirektor gebracht hat.

Und der sperrt Metzger und Kommissar Pospischill mit vorgehaltener Waffe in ein Kellerverlies, um sie dort verenden zu lassen. Dummerweise ist das sehr unglaubwürdig: Jeder anständige Thriller-Fiesling befördert lästige Ermittler oder Zeugen ohne viel Federlesens ins Jenseits - aber dann haben sie natürlich auch keine Gelegenheit mehr, mit einer geschenkten Zigarre den Rauchmelder zu aktivieren und den Verbrecher seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Ein Pluspunkt: die sehr gute Kamera

Der Film hat auch seine guten Seiten. Etwa einen sehr präsenten Robert Palfrader, obwohl der nicht wirklich wie ein dickliches Mobbing-Opfer aussieht, sondern eher wie ein bulliger Gewichtheber und wie jemand, mit dem man sich lieber nicht angelegt hätte. Dazu wieder wie schon im ersten Metzger-Film eine bestens aufgelegte Dorka Gryllus, deren Rolle als Danjela diesmal leider etwas kleiner ausfällt. Andreas Lust nimmt man den Bullen sofort ab und die Kamera von Ralf Noack erweist sich geradezu als herausragend gut.

Und auch aus der Grundidee der Geschichte mit Rückblenden in die Schulzeit der Hauptfigur hätte sich was machen lassen. Nur leider gibt es dann nach knapp 40 Minuten diese Szene auf dem Klassentreffen, in der eine alte Lehrerin den Schülern einen Schnaps spendiert. Ab diesem Moment läuft nämlich nicht nur die Party, sondern auch der ganze Film aus dem Ruder. 

Auch interessant

Kommentare