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"Momentversagen": Spitzenthriller um Sex und Schuld

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Von: Ulrich Feld

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ARD/WDR MOMENTVERSAGEN, Fernsehfilm Deutschland 2014, Regie: Friedemann Fromm, Autor: Norbert Ehry, am Mittwoch (08.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Seiner Frau Leonie (Lisa Wagner) gesteht Manuel (Felix Klare) schließlich die Wahrheit.
© WDR/Bernd Spauke, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Bernd Spauke" (S2+). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de
ARD/WDR MOMENTVERSAGEN, Fernsehfilm Deutschland 2014, Regie: Friedemann Fromm, Autor: Norbert Ehry, am Mittwoch (08.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Seiner Frau Leonie (Lisa Wagner) gesteht Manuel (Felix Klare) schließlich die Wahrheit. © WDR/Bernd Spauke, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Bernd Spauke" (S2+). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de © WDR/Bernd Spauke

Ihr Äußerungen treiben dem Staatsanwalt noch mehr in Panik: Was genau hat sie gesehen? Was will sie von ihm? Allein schon die Grundidee des Films ist schon preiswürdig, und was Norbert Ehry (Drehbuch) und Friedemann Fromm (Regie) daraus gemacht haben, fesselt jede Minute bis zum Schluss. Der Film verbindet einen hochspannenden Thriller mit moralischen Erörterungen, ohne jemals dabei prätentiös zu werden. Der Fehltritt führt zur Gewalt, die zur Lüge, zum Schweigen.

"Ich habe dich betrogen!" Dieses Geständnis ihres Mannes Manuel (Felix Klare) trifft Leonie Bacher (Lisa Wagner) bis ins Mark. Endlich ist sie schwanger, und dann zerbricht, was sie sich über ihren Mann vorgestellt hat. Dabei ist Manuels Seitensprung noch das Harmloseste. Viel schlimmer stellt sich die Kettenreaktion dar, die ein paar leidenschaftliche und hitzige Minuten in der Wohnung der Staatsanwältin Caroline von Studt (Julia Thurnau) – einer Kollegin von Manuel - ausgelöst haben.

Auf dem Heimweg von der Staatsanwältin begegnete Manuel einem streitenden Junkie-Pärchen. Um der bedrohten Frau zu helfen, ging er dazwischen. Aber wütend über sich selbst, schlug er weit heftiger und öfter auf den ihn provozierenden Junkie ein, als es die Situation erforderte. Kurz danach ist der junge Mann tot, gestorben an einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand. Und ein Dealer steht unter Verdacht. Und eine seltsame junge Frau namens Joy (Lili Zahavi) nimmt Kontakt zu Manuel auf.

Verstrickungen bis in den Tod

  Ihr Äußerungen treiben dem Staatsanwalt noch mehr in Panik: Was genau hat sie gesehen? Was will sie von ihm? Allein schon die Grundidee des Films ist schon preiswürdig, und was Norbert Ehry (Drehbuch) und Friedemann Fromm (Regie) daraus gemacht haben, fesselt jede Minute bis zum Schluss. Der Film verbindet einen hochspannenden Thriller mit moralischen Erörterungen, ohne jemals dabei prätentiös zu werden. Der Fehltritt führt zur Gewalt, die zur Lüge, zum Schweigen.

  Und das Schweigen des Staatsanwalts hat wieder höchst verhängnisvolle Folgen, die auch sein gewissen schwerstens belasten. Der Jäger, der  Vertreter der Justiz windet sich – und verstrickt sich immer tiefer in Schuld und Verhängnis. Wie hier Ehry die Schlingen ausgelegt hat, wie er die Spannungsschraube bis zum Anschlag aufdreht und wie Fromm das umgesetzt hat – etwa als Manuel durch die Gänge des Justizgebäudes hetzt – das entspricht einem jener Romane, die man nicht aus der Hand legen kann, bevor die letzte Seite aufgeschlagen ist.  

Bis in die Nebenrollen perfekt gespielt

Die schauspielerischen Leistungen sind ebenfalls Spitzenklasse. Felix Klare und Lisa Wagner funktionieren perfekt als Ehepaar, das Manuels Schuld und am Ende möglicherweise noch die von Leonie zu bewältigen hat. In anderen Filmen ist das offene Ende mit Fragezeichen eine Behelfslösung – hier Teil eines hervorragenden dramaturgischen Konzepts. Julia Thurnau als gefährliche Verführung ist ebenso perfekt besetzt wie Felix Vörtler als väterlicher Freund.

Als letzte perfide Idee gerät Joy auch noch immer sympathischer: von der vermeintlichen Erpresserin zur Frau, die endlich Hilfe zu finden glaubt. Was die Bedrückung am Ende nur umso intensiver gestaltet. Dieses unglaublich gute Drama um Sex, Kontrollverlust und Schuld ragt turmhoch über das Krimi-Einerlei im öffentlich-rechtlichen Fernsehen heraus. Sehr gut, dass die ARD den Film aus dem Archiv geholt hat.

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