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"Neben der Spur - Adrenalin": Hochspannung pur

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Von: Ulrich Feld

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Der Kommissar glaubt im  (Juergen Maurer, l.) Psychiater Dr. Jessen (Ulrich Noethen, r.) den Mörder gefunden zu haben.
Der Kommissar glaubt im (Juergen Maurer, l.) Psychiater Dr. Jessen (Ulrich Noethen, r.) den Mörder gefunden zu haben. © ZDF und Marion von der Mehden

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Wenn ein Durchschnittstyp plötzlich aus seinem normalen Leben herausgerissen wird und in lebensgefährliche Abenteuer gerät, kommen oft wunderbare Thriller dabei heraus wie etwa Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte".  Noch besser, wenn es sich bei diesem Durchschnittsmann um einen Psychiater handelt wie etwa in dem US-Film "In der Stille der Nacht" mit Roy Scheider oder der vom ZDF produzierten Serie "Spuren des Bösen". Schließlich sind Psychiater ähnlich wie Polizisten schon von Berufs wegen mit menschlichen Abgründen vertraut.

Sohn von Klaus Kinski als Gegenspieler

So auch Psychiater Dr. Johannes Jessen (Ulrich Noethen). In der Nähe des Grabes von Jessens Mutter wird eine Leiche gefunden - es war eine frühere Patientin Jessens. Zu Jessens Patienten zählt auch Robert Mohren (Nikolai Kinski, Sohn von Klaus Kinski). Er hasst seine Mutter wie die Pest und beschreibt blutige Fantasien, die sich teilweise mit dem Mord an Jessens früherer Patientin decken.

Als Jessen aber dem Polizeikommissar Vincent Ruiz (Jürgen Maurer) helfen will, gerät er selbst in Verdacht. Dann wird Jessens Geliebte ermordet, eine ehemalige Prostituierte. Als Jessen schließlich erkennt, warum Mohren ihn zerstören will, gerät er in eine grausame Falle.

Schön, mal eine Hauptfigur im Krimi zu sehen, die kein einsamer Wolf ist. Jessen ist ein solider Mittelständler, verheiratet, Vater, der aber bis zu deren Ermordung eine Affäre mit einer Ex-Prostituierten unterhält. Weil er sich um Prostituierte kümmert - etwa durch Ratschläge zum Thema Gewaltprävention - bezeichnet ihn die Presse als "Hurenversteher". Und zu Beginn fällt immer wieder auf, dass Jessen ängstlich seine Hand beobachtet oder dass er Linien auf Papier zeichnet. Bald wird auch klar, warum: Jessen hat Parkinson.

Die Vorlage: Ein weltweit erfolgreicher Thriller

"Adrenalin" ist der ungemein vielversprechende Auftakt zu der neuen ZDF-Krimiserie "Neben der Spur". Vorlage dazu ist das gleichnamige Romandebüt des Australiers Michael Robotham. Der Roman wurde in über 20 Sprachen übersetzt, zum Weltbestseller und erhielt bisher acht Fortsetzungen. Im Original heißt Johannes Jessen aber Joseph O'Loughlin und die Geschichte spielt in London. Neben der clever konzipierten und sehr dicht aufgebauten Geschichte besticht die Verfilmung des Regie-Duos Philipp Stennert und Cyrill Boss ("Neues vom Wixxer") durch oft stilisierte Bilder - etwa als Jessens Frau ihn zur Rede stellt, als sie seine Parkinson-Medikamente findet -  ökonomisch eingesetzten Schnitt und die effektvolle Verwendung von Musik und Geräuscheffekten.

Die Rollen präsentieren sich ausnahmslos gut besetzt. Neben Ulrich Noethen gefällt besonders Jürgen Maurer als Jessens anfänglicher Gegner Kommissar Vincent Ruiz. Dazu kommt mit Nikolai Kinski ein sehr überzeugender Schurke mit sanfter Stimme und doppelbödigem Charme ins Spiel. Es ist auch sein Verdienst, dass "Adrenalin" seinem Titel mehr als gerecht wird und buchstäblich bis in die letzten Minuten in Atem hält. Wer diesen Film verpasst hat: Unbedingt ansehen, noch steht er in der Mediathek des ZDF zur Verfügung. Der Streifen macht nicht nur Lust auf die bereits abgedrehte Fortsetzung, sondern auch auf die Bücher von Robotham.

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