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Christine (Saoirse Ronan), die sich Lady Bird nennt, hat Danny (Lucas Hedges) kennengelernt. Ob er sie davon abhalten kann, aus Sacramento wegzuziehen?.

Tragikomödie "Lady Bird"

Mit 17 hat man noch Träume

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Die amerikanische Schauspielerin lässt eine eigenwillige junge Frau daran denken, ihr Zuhause in Kalifornien zu verlassen. In der Titelrolle: Saoirse Ronan.

Es gibt diese gewisse Zeit, in der einem jungen Menschen die eigenen Eltern etwas peinlich sind. Vielleicht sagt man es ihnen nicht direkt, aber die Gesten sind unmissverständlich. So will Christine (Saoirse Ronan) von ihrem Vater Larry (Tracy Letts), der sie mit seinem Auto zur Schule bringt, nicht direkt vor dem Gebäude rausgelassen werden. Lieber geht die 17-Jährige das letzte Stück zu Fuß zur streng katholisch geführten High-School, in der für Lady Bird das letzte Jahr läuft. Lady Bird? Ja, das ist der Name, den Christine sich gegeben hat. Jeder soll sie so nennen, auch ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf).

Die sucht für ihre Tochter ein geeignetes College in der Nähe des gemeinsamen Zuhauses in Sacramento. Dabei will Lady Bird auf keinen Fall im sonnigen Kalifornien bleiben. Ihre Heimatstadt erscheint ihr zu provinziell. Sie träumt davon, an einem College in New York angenommen zu werden. Bloß sind die Noten der rebellischen Schülerin nicht besonders gut. Ein Stipendium wird sie mit ihnen kaum bekommen. Auch herrscht in der Haushaltskasse ihrer Eltern Ebbe. Schließlich hat Lady Birds Vater seinen Job verloren, während ihre Mutter, eine Krankenschwester, sogar Doppelschichten arbeiten muss, um ihre Familie, zu der noch zwei erwachsene Adoptivkinder (Jordan Rodrigues, Marielle Scott) gehören, durchzubringen.

Über die Sorgen ihrer Eltern macht sich Lady Bird jedoch nur selten Gedanken. Vielmehr schaut sie, welche Chancen ihr das Leben anzubieten hat. Deshalb wirkt sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Julie (Beanie Feldstein) in einem Musical an ihrer Schule mit. Hier lernt sie Danny (Lucas Hedges) kennen. Ob der nette Typ ihr erster fester Freund werden könnte?

Es ist nicht die große, spektakuläre Geschichte, welche die Tragikomödie „Lady Bird“ reizvoll macht. Die amerikanische Schauspielerin Greta Gerwig („Frances Ha“) erzählt in ihrem Film, bei dem sie erstmals das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt hat, von Hoch- und Tiefpunkten, die so oder ähnlich in vielen Biografien von jungen Frauen auftauchen – im Kino oder im wirklichen Leben. Dennoch ist „Lady Bird“ mit all seinen überraschenden, erheiternden, berührenden Momenten etwas Besonderes. Man merkt recht schnell, wieviel Zeit die Autorenfilmerin in ihr Drehbuch investiert hat, derart liebevoll sind ihre Figuren gezeichnet. Allein schon, deren ungekünstelte Dialoge zu hören, bereitet Spaß. Oft mögen sie beiläufig erscheinen. Trotzdem transportieren sie erstaunlich viel Inhalt und bringen feinfühlig gesetzte Zwischentöne wunderbar zum Klingen. Ungemein glaubhaft wirken somit sämtliche Darsteller und Darstellerinnen. Aber es ist vor allem Saoirse Ronan, die als Lady Bird das Interesse an den elegant aneinandergereihten Episoden wachhalten kann. Mit erstaunlicher Leichtigkeit verkörpert die 23-Jährige eine ebenso sensible wie dickköpfige Teenagerin, die ohne Unterbrechung im Zentrum steht.

Dass sie mit Voranschreiten der Zeit weder aufdringlich noch ermüdend auf den Zuschauer im Kino wirkt, mag zu großen Teilen an dem beeindruckenden Talent von Saoirse Ronan selbst liegen. Aber vielleicht auch daran, dass Greta Gerwig sie mit viel Feingefühl geführt hat. Schließlich trägt „Lady Bird“ einiges an Autobiografischem der Filmemacherin in sich. Gerwigs persönliche Nähe zu der Titelfigur, die wie sie in Sacramento aufgewachsen ist, zeigt sich zudem in den stimmungsvollen Bildern des Kameramanns Sam Levy. Trotz der fast 500 000 Einwohner wirkt die Hauptstadt Kaliforniens bei ihm im Sinne des Drehbuchs: kleinstädtisch. Allzu nostalgisch geraten seine Bilder über die Jahre 2002 und 2003 nicht. Dafür ist die Geschichte, die mit ihnen erzählt wird, zu zeitlos. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+E), Harmonie (D+E). Metropolis (OF)

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