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Marie (Leonie Parusel) und David (Andreas Guenther) geraten mit ihrem Vater Anton (Ernst Stötzner) bei der geplanten Taufe des jüngsten Sohnes in heftigen Streit.

TV-Kritik

"Opa wird Papa": Der Großvater als Übervater

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Wie entwickelt sich ein Mann, der mit über sechzig Jahren noch einmal Vater wird? Der neue Freitagsfilm der ARD hat daraus eine tiefsinnige Komödie entwickelt.

Anton (Ernst Stötzner) führt ein Leben, um das ihn viele beneiden dürften. Er ist 62, mit einer bemerkenswert attraktiven Frau verheiratet, ein Unternehmer mit Geld und Geschmack. Am Anfang fährt er mit seinem roten Fiat 124 Spider-Oldtimer  seine Frau Johanna (Christina Große) zu einem wunderschönen Seegrundstück, auf dem er seiner Frau ein Traumhaus bauen möchte. Doch es ist definitiv nicht die passende Zeit für solche Pläne: Johanna ist schwanger.

Kann passieren, wenn der Vater Anfang 60 ist und seine Frau rund 20 Jahre jünger. Antons Tochter Marie (Leonie Parusel) erwartet selbst gerade ein Kind, Sohn David (Andreas Guenther) möchte gerne die väterliche Firma nach eigenen Plänen umgestalten. Johanna will ihre Karriere als erfolgreiche Anwältin nicht aufgeben. Und auch Anton kann sich ein Leben ohne seine Firma beim besten Willen nicht vorstellen.

Doch schnell überfordert ihn der doppelte Einsatz an Firmen- und Babyfront. Seiner Frau zuliebe kümmert er sich nur noch um seinen kleinen Sohn – wobei er sich schnell zum Musterbeispiel eines Helikopter-Vaters entwickelt. Alles, das Frühförderungsprogramme hergeben, soll dem Kleinen helfen, möglichst schnell seine Fähigkeiten zu entwickeln. Eine Situation, die nicht ohne Folgen für Ehe und Familie bleibt.

Auf bemerkenswert geschickte Weise haben sich hier Silke Steiner (Drehbuch) und Markus Herling (Regie) eines späten Vaters angenommen. Einige Gags leben vor allem von der doppelten Belastung Antons als Vater einerseits und Unternehmer andererseits. Was zu einem heftigen Missverständnis führt, als Anton etwa in einem Geschäft zum falschen Baby greift. Aber Witze dieser Art sind nicht das Hauptthema.

Ausgiebig spielt die Geschichte vor allem mit dem Potential von Frühförderungsmaßnahmen. Dabei kommt vor allem der Gegensatz zwischen dem hoch ehrgeizigen Anton und Johanna zum Tragen: Der eine ungeheuer bemüht, nur ja keine Maßnahme auszulassen, während Johanna das Kind auch einmal einfach nur ihre Mutterliebe spüren lässt. In solchen Szenen kommt Christin Große, eine Stammschauspielerin von Regisseur Axel Ranisch ("Tatort: Waldlust"), mit ihrer sanft-femininen Ausstrahlung sehr gut zur Geltung.

Dabei darf sich Anton auch immer wieder Gedanken darüber machen, wie lange er in seinem Alter seinen Sohn überhaupt noch aufwachsen sieht. Und muss erkennen, dass er bedenkenlos seine Kinder und Enkel für seinen jüngsten Sohn beiseitegeschoben hat. Was dem Film auch eine gewisse Nachdenklichkeit verleiht. Insgesamt ist den Machern deswegen ein sehr vielschichtiger Film über das Thema gelungen.

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