+
Betsy Austin (Lacy Camp), die Mutter von Joshua, ist zutiefst schockiert, als sie sieht wie ihr Sohn beginnt seinen eigenen Finger zu essen.

TV-Kritik

"Outcast": Der Schocker mit Gänsehaut-Garantie

  • schließen

Nein

Nein, wie ein Held im Kampf gegen das Böse tritt Kyle Barnes (Patrick Fugit) nicht gerade auf: Zu seiner Frau und seiner Tochter hält er keinen Kontakt. Er lebt in einem Haus, das ebenso heruntergekommen ist wie er selbst, und in dem schon lange kein Wasser mehr fließt. Er stellt sich erst einmal taub, als seine Adoptivschwester Megan Holter (Wren Schmidt) ihn besucht und zu einem halbwegs annehmbaren Lebenswandel zwingen will. Als Kind war er in dem Haus mit seiner Mutter zusammen – und die Art, wie sie ihn behandelte, jagt ihm jetzt noch Schauer über den Rücken.

 

Sie machte das, weil sie geisteskrank war – angeblich. Jetzt lebt sie in einem Heim. Doch es handelte sich nicht um eine Geisteskrankheit: Kyle Barnes‘ Mutter war besessen.  Auch Reverend Anderson (Philip Glenister) glaubt an Besessenheit: Er betätigt sich als Exorzist bei einem Jungen namens Joshua. Und hat dabei ebenso wie Kyle auch mit sich selbst zu kämpfen: Er liebt Spiel und Alkohol mehr, als ihm guttut. In dem auf den ersten Blick so beschaulichen Ort Rome in den USA tun sich die beiden zusammen.

 

 

"Dämonen der Vergangenheit" lautet der nicht nur symbolische Titel des Auftakts zu der zehnteiligen Horror-Serie, die ZDFneo jetzt im Wochenrythmus ausstrahlt. Heraus aus der Schmuddelecke der Videotheken und Bahnhofskinos und rein ins Seriengeschäft: Der Horrorfilm hat in den letzten Jahren eine sagenhafte Karriere hingelegt. Die freilich schon sehr früh in seiner Geschichte begann: Bereits der erste Frankenstein-Film der Universal von Regisseur James Whale mit Boris Karloff brachte es auf stattliche sieben Fortsetzungen und verbündete sich dabei auch mit Dracula und dem Werwolf.

 

Ähnlich erging es dem Vampirgrafen und dem Monster von den späten 1950ern bis in die frühen Siebziger in den Werken der britischen Hammer Film Productions. Doch ab etwa 1970 hatten die klassischen Horrorfiguren einen schweren Stand: George A. Romeros Zombie-Schocker "Nacht der lebenden Toten" eröffnete dem Genre völlig neue Dimensionen und William Friedkins "Der Exorzist" nach dem Roman von William Peter Blatty brach gleich ganz mit sämtlichen Tabus. Dazu kam ein für Horrorfilme sehr hohes Budget und ein namhafter Regisseur – Friedkin hatte kurz zuvor für "Brennpunkt Brooklyn" den Regie-Oscar erhalten.

 

 

Spätestens mit "Der Exorzist" rückte der Horrorfilm endgültig in die erste Reihe vor. Sowohl Romeros als auch Friedkins Film stellten zudem Kassenrekorde auf. Es war darum nur konsequent, dass Comic-Autor Robert Kirkman mit "The Walking Dead" sowohl das Zombie-Genre als auch mit "Outcast" das Motiv des Exorzisten verarbeitete. Die TV-Adaption von "The Walking Dead" entwickelte sich weltweit zum Renner, und auch die erste Fernseh-Staffel nach "Outcast" wurde sehr positiv aufgenommen. Die Comic-Serie dazu, gezeichnet von Paul Azaceta nach Kirkmans Vorlage, erscheinen in Deutschland im Verlag Cross Cult.

 

Die Einflüsse und Motive von "Der Exorzist" und anderer Schocker sind deutlich spürbar, wurden von Kirkman aber neu gemischt. Kyle Barnes lebt in einer völlig verwahrlosten Umgebung wie David Cronenbergs Mutant Seth Brundle in "Die Fliege", und das Motiv der Mutter im Heim gibt es in "Der Exorzist" bei Pater Damien Karras. Karras Mutter war aber nicht besessen, sondern krank und hilflos, weswegen sich ihr Sohn mit Schuldgefühlen quält. Das Motiv der Besessenheit taucht in "Outcast" in weit stärkerer Form auf als in "Der Exorzist".

 

 

Während dort Buch wie Film eine hohe Spannung daraus entwickeln, dass sie den Einbruch des Übernatürlichen in den Alltag der Figuren nur langsam geschehen lassen und dabei auch skeptische Einwände ihren Platz haben, lässt "Outcast" schon sehr früh ziemlich harte Schockeffekte auf den Zuschauer los. Das verleiht der Geschichte ein beträchtliches Tempo. Die tricktechnische Umsetzung ist dazu beachtlich, die Wirkung ebenso, weil die Geschichte dabei ihre Figuren nicht vernachlässigt. Auf dieseWeise erschafft sie schnell ein glaubwürdiges Szenario, in der auch dämonische Einflüsse glaubwürdig erscheinen.

 

Ein cleverer Kniff der Macher ist es dabei besonders, dass sich die Hauptfiguren am Abgrund bewegen, während die Nebenfiguren wie Barnes Schwester und Schwager in gesicherten Verhältnissen leben. Es gibt also auch die Normalität im Kontrast zu der Arbeit von Barnes und Anderson und sogar Spötter, die sich über Reverend Anderson lustig machen. Zu den ansprechenden schauspielerischen Leistungen kommt die sehr eindringliche Musik von Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne. Eine zweite Staffel von "Outcast" ist bereits in Arbeit: Kein Wunder, Fans des Horrorfilms der Siebziger bekommen hier Vollbedienung.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare