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"Polizeiruf": Reichlich zäher Abschied

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Zu den wenigen guten Szenen im Film gehören die gemeinsamen Auftritte von Peter Tender (Bernhard Schir, links) und dessen Ex-Freund Martin Reef (Martin Feifel).
Zu den wenigen guten Szenen im Film gehören die gemeinsamen Auftritte von Peter Tender (Bernhard Schir, links) und dessen Ex-Freund Martin Reef (Martin Feifel). © RBB/Oliver Feist

Ikar

Ikarus, das war diese Figur aus der griechischen Sage, die mit Wachsflügeln aus Übermut so hoch stieg, dass das Wachs durch die Sonnenhitze schmolz und Ikarus in den Tod stürzte. Was diverse Maler, Filmemacher (Henri Verneuil Thriller "I wie Ikarus") oder Musiker ("Flight of Icarus" von Iron Maiden) inspirierte.

Das weckt einige Erwartungen an diesen "Polizeiruf 110". Und tatsächlich fällt auch hier gleich zu Anfang ein junger Mann vom Himmel. Er heißt Daniel Reef (Hauke Diekamp) und stürzt aus seinem Flugzeug, einem offenen Doppeldecker aus den 30er Jahren vom Typ Tiger Moth. Anders als der Ikarus aus der Sage überlebt er den Sturz, wenn auch mit schwersten Verletzungen.

Eine dreiviertel Million Euro

Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) geht der Fall sehr nahe, er kennt Daniel seit dessen Kindheit. Daniel hatte noch eine Passagierin mit an Bord: Anjela Krol (Margarita Breitkreitz). Die schafft kurz nach Daniels Sturz aus der Maschine mit eher leichten Blessuren eine milde Bruchlandung. Krause und seine Chefin,  Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon), finden in der Maschine eine Tasche mit 750.000 Euro. Der Sicherheitsgurt des Piloten wurde manipuliert.

Von nun an beginnt eine unnötig verzwickte Geschichte um eine in den roten Zahlen steckende Solarfirma, die gemeinsam von Daniels Vater Martin Reef (Martin Feifel) und dessen Freund Peter Tender (Bernhard Schir) gegründet wurde. Angedeutet wird eine Dreiecksbeziehung, die früher mal zwischen Daniels Mutter Catherine Reef (Ursina Lardi), ihrem Mann Martin und Peter Tender bestand.

"Jules und Jim" zum Zweiten

Die entstand in Paris und erinnert mächtig an den Film "Jules und Jim" - und an den "Tatort" mit dem Leichenrekord und dem Titel "In Schmerz geboren". Ganz so heftig wird es bei "Ikarus nicht, und das ist gleichermaßen gut wie schlecht. Gut, weil der Film bei weitem nicht so prätentiös daherkommt wie "In Schmerz geboren". Und schlecht, weil er unter seinen vielen Handlungssträngen ausgerechnet den sträflich vernachlässigt, der am meisten Spannung versprochen hätte: Nämlich genau eben diese Dreiecksbeziehung.

Immer dann nämlich, wenn diese krumme Ex-Freundschaft zwischen Reef und Tender mal etwas näher beleuchtet wird, gewinnt der Film an Fahrt und Intensität. Dummerweise ist das nur ganz selten der Fall. Stattdessen verweilt die Geschichte viel zu lange auf Nebenkriegsschauplätzen wie Daniels Vergangenheit - der pflegte ebenfalls eine Dreiecksbeziehung zu Anjela, der Freundin von Paul Riemann (Bernhard Conrad), dem Assistenten seines Vaters. 

Schade nur, dass die Geschichte dieses aufwändig entworfene Beziehungsgeflecht nicht nutzt. Am Ende steht das alles da wie bestellt und nicht abgeholt. Die einzelnen Fäden sind nur unzureichend miteinander verknüpft, was den Film über weite Strecken ziemlich öde werden lässt.

Dennoch gute Regie von Kahane

Regisseur Peter Kahane macht seine Sache gemessen daran allerdings ganz gut. Dank der oft ausgeklügelten Kamera-Arbeit und dem geschickten Einsatz der Film-Musik schafft es Kahane häufig, Szenen spannender zu gestalten, als sie inhaltlich eigentlich sind. Dazu standen Kahane mit Feifel und Tender zwei sehr gute Darsteller zur Verfügung. Am Ende bleibt Krause aber dennoch auf seinem Motorrad sitzen und fährt Richtung Sonnenuntergang, was an diverse Western erinnert. Man hätte ihm einen besser durchdachten Fall zum Abschied gewünscht - und Peter Kahane sowie den Schauspielern ebenso.

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