Im Séparée haben Erzherzog Otto (Philipp Hochmair, r.) und seine Geliebte Marie Schleinzer (Liliane Zillner, l.) ihren Spaß.
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Im Séparée haben Erzherzog Otto (Philipp Hochmair, r.) und seine Geliebte Marie Schleinzer (Liliane Zillner, l.) ihren Spaß.

TV-Kritik

"Das Sacher": Am besten mit Champagner

  • VonUlrich Feld
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Martha, eine Frau mit jüdischer Herkunft will mit ihrem Mann einen Verlag aufbauen. Wovon sich ihr Vater Arthur Grünstein (Joachim Król) zunächst wenig begeistert zeigt. Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Marie (Jasna Fritzi Bauer), Tochter von Sophie Stadler (Susanne Wuest), die nach einer missglückten Entführung von Erik Würtner in unterirdischen Katakomben festgehalten wird. Simon Schwarz spielt diese Variation von Gaston Leroux' tragischem Titelhelden "Das Phantom der Oper", der mit seinem Vorbild auch den Vornamen gemeinsam hat.

Selbst wer noch nie im Wiener Hotel Sacher war, dürfte die Sachertorte kennen: Jene gehaltvolle Köstlichkeit aus Schokoladenteig, Marillenmarmelade und Schlagobers, auf Deutsch Sahne. Das luxuriöse Dessert ist längst ein fester Bestandteil der Wiener Caféhauskultur und taucht bereits im Vorspann des Zweiteilers auf. Man kann also annehmen, dass die wunderbar kitschige Pracht ebendieser Kultur auch in der deutsch-österreichischen Koproduktion nicht zu kurz kommen wird. Glanz und Elend der k.u.k.-Zeit inklusive, wie auch der Zusatztitel "In bester Gesellschaft" verrät.

Und oft beides direkt nebeneinander. Das Hotel gilt als Treffpunkt der Reichen und Schönen, doch nach dem Tod des Gründers Eduard sieht sich dessen Witwe mit vielen unbezahlten Rechnungen konfrontiert und will das Hotel alleine weiterführen – ungewöhnlich für diese Zeit. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Ehepaare Martha (Julia Koschitz wieder verführerisch spröde) und Maximilian Aderhold (Florian Stetter) und Fürstin Konstanze (Josefine Preuß) und Hans Georg von Traunstein (Laurence Rupp).

Phantom der Oper mit Wiener Schmäh

  Martha, eine Frau mit jüdischer Herkunft will mit ihrem Mann einen Verlag aufbauen. Wovon sich ihr Vater Arthur Grünstein (Joachim Król) zunächst wenig begeistert zeigt. Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Marie (Jasna Fritzi Bauer), Tochter von Sophie Stadler (Susanne Wuest), die nach einer missglückten Entführung von Erik Würtner in unterirdischen Katakomben festgehalten wird. Simon Schwarz spielt diese Variation von Gaston Leroux' tragischem Titelhelden "Das Phantom der Oper", der mit seinem Vorbild auch den Vornamen gemeinsam hat.

  Sittengemälde, Emanzipationsgeschichte, Thriller und Schauerdrama: Produzent Oliver Berben – der schon den Dreiteiler "Das Adlon" auf die Leinwand brachte – hat sich wieder eine ganze Menge vorgenommen. Und es ist schon ein Wunder, dass die Geschichte bei dieser Fülle an Figuren nicht völlig den roten Faden verliert. Die epische Erzählweise macht es deutlich: Weniger ein bestimmter Charakter, sondern vor allem das Hotel und die Epoche des Fin de Siècle mit ihrer Üppigkeit steht im Mittelpunkt.  

Ein Roman von Goethe schimmert durch

Eine Epoche, die zum Untergang verurteilt ist und der Film führt den Zuschauer denn auch von Beginn der 1890er Jahre bis in den Ersten Weltkrieg, der Europa vor hundert Jahren zerschmetterte. Der Film verlässt sich nicht allein auf die namhafte Besetzung und die üppige Ausstattung, sondern gibt seiner Geschichte auch durch vielschichtige Charaktere und ihre Verwicklungen im Stil von Goethes "Wahlverwandtschaften" einen beachtlichen Sog.

Nicht aber, dass der Zuschauer dabei auf Schauwerte verzichten müsste. Regisseur Robert Dornhelm hat nicht umsonst mit TV-Fassungen von Hollywood-Monumentalfilmen wie "Spartacus" und "Die zehn Gebote" einen guten Ruf als der richtige Mann für opulente Stoffe erarbeitet. „Das Sacher“ gleicht einem riesigen Büffet aus Schicksal, Krimi und Historie. Man genießt als Zuschauer, was alles aufgefahren wird, aber man fühlt sich nicht überfüttert. So lässt man sich Geschichtsunterricht gerne gefallen – gerne auch mit einem Glas Sekt dazu, um sich noch besser in die Handlung einzufühlen.

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