ARD/WDR DER SANDRO REPORT - ZAHLEMANN LIVE, am Donnerstag (07.01.16) um 22:55 Uhr im ERSTEN. Aussenreporter Sandro Zahlemann © WDR/Beba Lindhorst, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Beba Lindhorst" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de
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ARD/WDR DER SANDRO REPORT - ZAHLEMANN LIVE, am Donnerstag (07.01.16) um 22:55 Uhr im ERSTEN. Aussenreporter Sandro Zahlemann © WDR/Beba Lindhorst, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Beba Lindhorst" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

TV-Kritik

"Der Sandro-Report": Olli Dittrich in Topform

Olli

Olli Dittrich als rasenden Reporter Sandro Zahlemann kennen TV-Zuschauer bereits aus den Formaten "Frühstücksfernsehen" und TalkGespräch". Und jetzt nimmt sich der Komödiant die Live-Reportage als Objekt für eine Satire vor. Am Leipziger Hauptbahnhof Gleis 16 beginnt die Szenerie, wo sich in Kürze Buthans König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck einfinden soll. Großer Bahnhof, roter Teppich, ein Heer wartender Reporter also und alle sind in gespannter Erwartung.

 

Es geht um den König und die vierte Klasse von ICE-Zügen, von denen die Deutsche Bahn sich ein Exportgeschäft nach Buthan erwartet. Die entsprechenden Gleisanlagen inklusive. Der König ist nämlich ein begeisterter Bahnfahrer, "ein bemerkenswerter Aspekt, da es im gesamten Königreich Buthan gar keene Eisenbahnen gibt" fängt Zahlemann im sächselnden Tonfall an zu brüllen, da hinter ihm probeweise die Musik loslegt. Auch ein Orchester ist erschienen, das "Heeres-Blasorchester der Finkenherder Berufsfeuerwehr".

 

Die kleinen, aber liebevoll gestalteten Details deuten es schon an: Sandro Zahlemann zu sein, ist kein leichter Job. Zahlemann ist denn auch bemüht, seine Zuschauer zu beeindrucken: Er wirft mit Promi-Namen nur so um sich, rattert Informationen im Maschinengewehr-Tempo herunter, wird bald hektisch und erfährt eine Hiobsbotschaft: Der König wird sich verspäten, da der Zug durch einen Böschungsbrand aufgehalten wurde. Da kommt dem rasenden Reporter ein besonders genialer Einfall (wie er meint).

 

Er setzt sich mit seinem Team in Bewegung, um dem König entgegenzufahren und als Erster dem Publikum einen Blick auf ihn zu ermöglichen. Und hier gerät die Szenerie in Bewegung - und der Plan bald außer Kontrolle. Während Sandro gefolgt von seinem Team durch den Bahnhof hetzt und in den Zug steigt, der alle zum König bringen soll, textet er noch über die Landschaft und Tierwelt von Buthan, wird immer ausschweifender in allen Einzelheiten, verhaspelt sich, schlingt vor laufender Kamera unterwegs noch schnell Wurstbrote hinunter.

 

Und stolpert am laufenden Band über Unvorhergesehenes: Eine Horde junger Kerle drängt ihn aus dem Zug, kaum dass er sich so schön in Position gebracht hat. Der Akku von seinem Handy ist leer. Er verwählt sich. Und am Ende geht es richtig schief: "Der König ist bereits in Leipzig, wohlauf - und das ist das Wichtigste". Neben der Fülle an kleinen und größeren Gags beeindruckt "Der Sandro-Report" durch seine technische Umsetzung: Es gibt keinen einzigen Schnitt, alles wurde mit einer einzigen Kamerafahrt gedreht.

 

Was so improvisiert und zufällig aussieht, ist das Ergebnis vieler exakter Proben und minutiöser Vorbereitung mit vielen Statisten. Länger als 30 Minuten durfte es nicht dauern, denn anders als in einem Spielfilm konnte hier kein Material zusammengeschnitten werden. Und es ist Dittrichs Darstellerkünsten zu verdanken, dass diese ausgefeilte Aufnahme nicht zum Selbstzweck gerät. Er wächst dem Zuschauer nämlich irgendwie ans Herz, dieser Zahlemann.

 

Man macht sich natürlich gerne über ihn lustig, aber man leidet auch mit ihm mit, wenn er sich krampfhaft als stets am Puls der Zeit präsentieren will und dabei an seinem Mikrophon mit "ddr"-Aufdruck festhält. Dabei wird die Diskrepanz zwischen dem von ihm großspurig verkündeten großen Ereignis und der tiefen Provinzialität der Szenerie immer größer, etwa wenn im Zug eine Durchsage verkündet, es gäbe am Ort keine weiteren Anschlüsse, aber es stünde ein Münzfernsprecher zur Verfügung.

 

Diese treffsichere Satire ist ein kleines TV-Juwel, und es ist schade, dass die ARD "Der Sandro-Report" so versteckt hat. Dafür macht diese liebevolle Persiflage kräftig Appetit auf mehr: Von Zahlemann würde man gerne bald wieder etwas zu sehen bekommen.

 

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