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"Scheinwelten": Starker "Tatort" aus Köln

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Von: Ulrich Feld

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ARD/WDR TATORT: SCHEINWELTEN, Fernsehfilm Deutschland 2013, Autor: Johannes Rotter, Regie: Andreas Herzog,am Sonntag (12.07.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Beate von Prinz (Jeanette Hain) ist zielstrebig und ehrgeizig. Das kann ihr Mann, Staatsanwalt Wolfgang von Prinz (Christian Tasche, l) Kommissar Schenk (Dietmar Bär, M) nur bestätigen.
© WDR/Uwe Stratmann, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Uwe Stratmann" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de
ARD/WDR TATORT: SCHEINWELTEN, Fernsehfilm Deutschland 2013, Autor: Johannes Rotter, Regie: Andreas Herzog,am Sonntag (12.07.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Beate von Prinz (Jeanette Hain) ist zielstrebig und ehrgeizig. Das kann ihr Mann, Staatsanwalt Wolfgang von Prinz (Christian Tasche, l) Kommissar Schenk (Dietmar Bär, M) nur bestätigen. © WDR/Uwe Stratmann, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Uwe Stratmann" (S2). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de © (WDR Presse und Information/Bildk)

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So optisch exquisit gelingt eine "Tatort"-Einstieg selten wie hier: Spielkarten, rauchgeschwängerte Atmosphäre. Ein besorgter Blick von Ingo Broich (Torsten Peter Schnick), ein ungerührte Blick als Antwort. Worte werden gewechselt, dann streift Ingo seine Uhr ab und fährt nach Hause. Eleganz gleitet sein schwarzer Citroën SM durch die Nacht. Zuhause kümmert sich Ingo erst mal um seine beiden Katzen, eine Schwarz, die andere weiß.

Er nimmt etwas wahr, geht mit dem Messer aus der Küche hinaus, schließt die Tür hinter sich. Lichtbewegungen deuten an, wie die Zeit vergeht. Die Katzen werfen Futterdosen um und eine Blumenvase, um das Wasser aufzulecken. Dann legt sich die weiße Katze zum Sterben nieder. Als Ingos Leiche gefunden wird, ist sie ebenfalls tot - verdurstet, wie sich später herausstellt.

Zerrüttetes Vater-Sohn-Verhältnis

Ingo Broich war Sohn von Jakob Broich (Hans Peter Hallwachs), der eine große Putzfirma besaß. Das Verhältnis zwischen dem kranken Vater und dem verschwenderischen Sohn war zerrüttet, wie die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt ) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schnell feststellen. Ein umso besseres Verhältnis hatte der alte Mann, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und in einer Klinik betreut wird, zu seiner Anwältin Beate von Prinz (Jeanette Hain).

Pikanterweise ist Beate die Ehefrau von Staatsanwalt Wolfgang von Prinz (Christian Tasche), mit dem auch Ballauf und Schenk viel zu tun haben. Weitere Ermittlungen führen zu einer Geschichte um illegal beschäftigte Arbeitnehmer aus Ghana und der Ukraine, eine von Ingo Broich eingefädelte Scheinehe und eine Erpressung mit Beweisstücken um eine bereits in Ghana geschlossene Ehe.

Es geht vor allem um Missbrauch von Vertrauen

Insgesamt ist Johannes Rotter (Drehbuch) und Werbefilmer Andreas Herzog (Regie) hier ein recht überzeugendes Stück Krimi-Unterhaltung gelungen. Nach dem brillant stilisierten Anfang folgt eine Geschichte, die nicht nur geschickt konstruiert ist, sondern auch sehr doppelbödig von Liebe, Beziehung und missbrauchtem Vertrauen erzählt. Im Verlauf der Handlung erfahren sowohl Staatsanwalt Prinz als auch Jakob Broich, dass Beate von Prinz über ihre Befugnisse hinaus eine teure Immobilie gekauft hat.

Das Psycho-Duell zwischen dem Staatsanwalt - der mittlerweile aufgrund der Verstrickungen seiner Frau um sein Amt fürchten muss - und seiner Frau im Verhörraum gehören mit zu den stärksten Szenen des Films. Aus Jeanette Hain als intrigantes und aufreizend kühles Biest wäre allerdings noch etwas mehr herauszuholen gewesen - ein wenig mehr an Emotion hätten ihre Figur spannender gemacht. So fällt Beate von Prinz als Vamp zu formelhaft aus.

Ein weiterer Schwachpunkt ist Dietmar Bär, der als Schenk (sonst US-Auto-Fan) diesmal überraschend einen klassischen Mercedes SLC der 70er Jahre fährt: Er wirkt schon sehr wohlgenährt, was seiner Glaubwürdigkeit als Kripo-Beamter schadet. Im später entstandenen "Ohnmacht" kommt er viele Pfund leichter und dadurch viel kantiger und lauernder rüber. Das passt einfach besser.

Dennoch gehört "Scheinwelten" zu den stärksten Fällen des Kölner Duos. Und wenn am Ende Jakob Broich leblos in seinem Rollstuhl hängt, bleibt nicht nur der hervorragende Titelsong "Heart shaped gun" von Schmidt und Robin Grubert in Erinnerung.

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