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ARD/WDR SCHNITZEL GEHT IMMER, Regie: Wolfgang Murnberger, Buch: Ingo Haeb, am Mittwoch (18.01.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Endlich wieder eigenes Geld verdienen: Mit einem eigenen T-Shirt-Druck-Laden wollen Günther (Armin Rohde, l.) und Wolfgang (Ludger Pistor, r.) dem ersehnten Ziel näher kommen. Das fehlende Startkapital soll ihnen Frau Gottschalk (Ramona Kunze-Libnow) vom Jobcenter bewilligen. © WDR/Frank Dicks, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung "Bild: WDR/Frank Dicks" (S2+). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildkommunikation@wdr.de

TV-Kritik

"Schnitzel geht immer": Der dritte Geniestreich

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Erst

Erst gabs "Ein Schnitzel für drei", dann "Ein Schnitzel für alle". Das Fleischgericht passt zu dem Duo Günther Kuballa (Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor), natürlich am besten nicht in der bürgerlichen Variante als Tellergericht mit Kartoffelsalat, sondern in der Prollversion mit Kutchup zwischen zwei Brötchenhälften. Die Welt der beiden Langzeitarbeitslosen mit ständig einem Fuß in der Tür des Arbeitsamts bleibt überschaubar, auch wenn sie sich ständig neue Tricks einfallen lassen, um ihrer beengten Situation zu entkommen.

   

Neuester Einfall: Sie wollen einen Laden gründen, um T-Shirts zu bedrucken. Ein entsprechendes Ladenlokal haben sie sich schon ausgesucht. Kapitalbedarf: schlappe 4000 Euro. Aber natürlich ist Frau Gottschalk (Ramona Kunze-Libnow) vom Jobcenter nicht davon zu begeistern. Günther rastet aus und beschmiert ihr Auto, was Frau Gottschalk bemerkt, hinausrennt – und nur Ludger kann mit knapper Not verhindern, dass sie unter die Räder kommt. Ihre Amnesie nutzt Ludger hinterher  aus und stellt ihr Ludger als Lebensretter vor. Dankbar steckt sie ihm die ersten vier Fragen zum „Quiz-Doppel „ zu.

   

   

Die hat Frau Gottschalk von Johanna (Kathi Angerer) bekommen, ebenfalls arbeitslos und einst Praktikantin bei der Quizshow. Mit weiteren Tricks schaffen es die beiden Dauerverlierer in die Show, aber dann passiert natürlich etwas Verhängnisvolles: Ein Happy-End mit Geld und beruflichem Erfolg würde das Konzept der Reihe aushebeln. Aber ein wenig Romantik darf es schon sein: Die entwickelt sich zwischen Günther und Johanna und scheint auch für zukünftige Filme vorgesehen.

   

Kathi Angerer, die Frau mit der auffallend sanften Stimme, passt einfach wunderbar in den dritten Schnitzel-Film. Gibt ihr das doch eine überaus schüchterne Note, die zu ihrer Rolle passt und außerdem im scharfen Gegensatz zum unverdrossenen Selbstbewusstsein von Günther und Ludger steht. Ansonsten glänzt auch der dritte Film mit einer schön durchdachten Geschichte. Der rustikale Günther und der penibel gepflegte Herrenausstatter Ludger sind schon als Typen eine sichere Bank, und was Armin Rohde und Ludger Pistor daraus machen, ist wieder aller Ehren wert.

   

   

Wie überhaupt die Idee, das Thema Langzeitarbeitslosigkeit in Komödien zu verarbeiten. Eigentlich ist sowas alles andere als lustig, aber schon Charlie Chaplins Figuren kämpften ständig um den nächsten Bissen Brot. Dessen enorm erfolgreiche Kombination aus hochfliegenden Plänen, einer Prise Gaunerei und dem unvermeidlichen Scheitern am Schluss hat die ARD für diese Filmreihe vom Prinzip her übernommen und modernen Verhältnissen angepasst. Einen kräftigen Schuss Ruhrpott-Lokalkolorit gibt es zusätzlich.

   

Ohne sich dabei über Arbeitslose lustig zu machen, schafft die Komödie einen bemerkenswerten Spagat zwischen Tragik, Romantik und Witz. Und am Ende darf sogar schadenfroh über die gleichermaßen erfolglose Konkurrenz gelacht werden. Schon der geniale Wilhelm Busch brachte es einst auf den Punkt: „Wir mögen‘s keinem gerne gönnen, dass er was kann, was wir nicht können“.

Die ganze Sendung gibt es

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