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Geheimnisvoll: Warum kümmert sich Koch Jean Carlinó (Jophi Ries) so aufopfernd um seinen Lehrling Karim (Emilio Sakraya)?

TV-Kritik

"Söhne und Väter": Der beste "Tatort" mit Stellbrink

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Vom Typ her ist Devid Striesow als Kriminaler eigentlich goldrichtig: Der hellwache durchdringende Blick lässt sogar die albernen Attribute vergessen, mit der die Macher der Saarbrückener "Tatort"-Krimis seinen Charakter Hauptkommissar Jens Stellbrink von Beginn an ausgestattet haben. Dazu kamen Drehbücher, die konsequent jede Chance auf Spannung und emotionale Anteilnahme ignorierten. Die Erwartungen waren also nicht eben hoch. Und dann überrascht der Film in vieler Hinsicht positiv.   Es beginnt mit Enno (Filip Januchowski), Karim (Emilio Sakraya Moutaoukkil) und Pascal (Emil Reinke), die in ein Beerdigungsinstitut einbrechen, um an Karims totem Stiefvater  Dirk Rebmann einen letzten bösen Streich zu verüben: Sie stecken ihm den Schwanz eines Schweins in den Hintern und filmen den Toten damit. Der sturzbetrunkene Enno legt sich auf eine freie Bahre und schläft ein, seine Freunde lassen ihn zurück. Am nächsten Tag ist Enno tot – im Kühlraum des Beerdigungsunternehmens erfroren.

Vom Typ her ist Devid Striesow als Kriminaler eigentlich goldrichtig: Der hellwache durchdringende Blick lässt sogar die albernen Attribute vergessen, mit der die Macher der Saarbrückener "Tatort"-Krimis seinen Charakter Hauptkommissar Jens Stellbrink von Beginn an ausgestattet haben. Dazu kamen Drehbücher, die konsequent jede Chance auf Spannung und emotionale Anteilnahme ignorierten. Die Erwartungen waren also nicht eben hoch. Und dann überrascht der Film in vieler Hinsicht positiv.  

Es beginnt mit Enno (Filip Januchowski), Karim (Emilio Sakraya Moutaoukkil) und Pascal (Emil Reinke), die in ein Beerdigungsinstitut einbrechen, um an Karims totem Stiefvater  Dirk Rebmann einen letzten bösen Streich zu verüben: Sie stecken ihm den Schwanz eines Schweins in den Hintern und filmen den Toten damit. Der sturzbetrunkene Enno legt sich auf eine freie Bahre und schläft ein, seine Freunde lassen ihn zurück. Am nächsten Tag ist Enno tot – im Kühlraum des Beerdigungsunternehmens erfroren.

Stellbrink stellt dabei auch an Rebmanns Leiche Auffälligkeiten fest. Der Radprofi und Berufsschullehrer ist angeblich an Herzversagen gestorben, wurde in Wirklichkeit aber mit einem Medikamentencocktail vergiftet. Stellbrink hat es nicht nur mit drei renitenten Teenagern zu tun, sondern auch mit Karims Ausbilder Jean Carlinó (Jophi Ries), der sich auffallend um das Wohl seines Lehrlings besorgt zeigt. Aber am Ende löst er eine Tragödie aus.  

Und allein schon dieses unerwartete, dabei aber logische und schlüssige Ende macht "Söhne und Väter" neben "Klingelingeling" und "Schock" zum bisher stärksten "Tatort" dieser Saison. Der Film hat aber auch sonst viel zu bieten. Einfühlsam wie selten rückt er die Gefühlswelten von Teenagern in den Mittelpunkt seines Geschehens. Dabei ist sogar verzeihlich oder sogar unverzichtbar, dass er dabei mitunter übertreibt – besonders in der Szene, in der Pascals Mutter (Christine Zart) das Motorrad ihres Sohnes in Brand schießt.

Natürlich ist so eine Szene völlig unrealistisch, schon weil es kaum vorkommen dürfte, dass ein kaum Volljähriger eine solche Maschine fährt. Aber es geht eben um ein Symbol für die ultimative Demütigung eines Heranwachsenden. Die dominante Mutter, der Vater ein Schlappschwanz, und das auch durch seine Rasanz und deswegen potentielle Gefährlichkeit so ungemein reizvolle Symbol des Erwachsenseins ein rauchender Trümmerhaufen: eine Szene, die viel Raum lässt für eigene Interpretationen.  

Der Traum vom schweren Motorrad oder rasanten Sportwagen wird schließlich in vielen Köpfen geträumt und endet selten mit der Pubertät. Das gilt auch für andere Aspekte dieser Geschichte wie Stellbrinks Sohn Moritz (Ludwig Simon), der mit Stellbrinks jüngerer Kollegin herumzieht. Gleichfalls unrealistisch, aber auch hier geht es um das Thema Erwachsenwerden und den prickelnden Reiz, etwas Neues zu entdecken.

 

Das Tempo ist bei alldem eher gemäßigt, was aber kaum negativ auffällt. Das Privatleben Stellbrinks nimmt zwar etwas zu viel Raum ein – lieber hätte man noch mehr über die Teenager erfahren – aber auch das mindert die Qualität dieses Krimis nur unwesentlich. Am Ende weiß man zwar, wer den Mord begangen hat, aber nicht einmal Stellbrink ist mit dieser Lösung sonderlich glücklich. Das Bild des verzweifelt weinenden Karims bleibt jedenfalls noch eine Weile haften.

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