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"Sophie kocht": Einfach nur grausam

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Von: Ulrich Feld

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Eine der bemüht turbulenten Szenen des Films: Sophie (Annette Frier) jagt Sylvie (Sylvie Meis) vor ihrem Mann Hubertus (Hans-Jochen Wagner) vom Hof.
Eine der bemüht turbulenten Szenen des Films: Sophie (Annette Frier) jagt Sylvie (Sylvie Meis) vor ihrem Mann Hubertus (Hans-Jochen Wagner) vom Hof. © ARD Degeto/Magdalena Mate

Vollgestopft mit stereotypen Figuren, geschwollenen Dialogen und schwachsinnigen Szenen: Garantiert nervtötend, wie Annette Frier als Köchin Karriere macht.

Eine Komödie über gestresste Frauen von heute? Zwischen Beruf, Kindererziehung und Ehemann? Wie macht man sowas? "Sophie kocht", das neueste Werk aus der Küche der ARD Degeto, versucht darauf eine Antwort zu geben. Leider landet das Werk dabei in sämtlichen Klischees sogenannter Beziehungskomödien. Und landet nicht nur, sondern erstickt auch darin.

Sophie (Annette Frier mit gewöhnungsbedürftiger Gesine Schwan-Frisur) ist leidenschaftliche Köchin und betreibt einen Cateringservice. Außerdem hat sie drei Kinder, eine rebellische Tochter im Teenager-Alter und ein natürlich äußerst wildes Paar Zwillingsbrüder, die immer dann durchs Bild toben, wenn der Film mal eine ruhige Minute gebrauchen könnte.

Die Mutter eine Alt-Achtundsechzigerin

Ihre Mutter Ellen (Jutta Speidel) ist natürlich eine Alt-Achtundsechzigerin wie aus dem Bilderbuch, Raucherin wie auch Sophie (werden eigentlich solche Filme von der Zigarettenindustrie mitgesponsert?) und betreibt Yoga. Dann lernt sie auf einer Party den Star Marc Terenci (Marc Terenci) kennen, der ihr Anträge macht. Als dann ihr Mann Hubertus (Hans-Jochen Wagner) auf einmal ein Jahr Auszeit (im Film natürlich ganz modern "Sabbatical" genannt) nimmt, stößt sie an ihre Grenzen - und beginnt eine Affäre mit Marc.

Das heißt - eigentlich liegt sie nur ganz kurz mit ihm auf dem Bett. Aber da ist das Interesse an ihr und dem Film schon auf dem Nullpunkt. "Sophie kocht" versucht zwar gelegentlich, sowas wie eine ernsthafte Geschichte zu erzählen. Aber was dabei herauskommt, ist nicht mehr als eine Ansammlung von Klischeefiguren - siehe oben - und bemüht turbulenten Szenen. Bemüht, weil die Gags zwar zahlreich sind, aber nicht funktionieren. Sie sind größtenteils x-beliebig und austauschbar wie etwa die unlogische Schreierei zwischen Sophie und ihrem Mann und überhaupt der ganze Handlungsverlauf.

Der Film hat sogar drei gute Szenen

Halt, einen Moment - so zwei bis drei richtig gute Szenen gibt es wirklich. Man will ja fair bleiben: Als die Tochter erfährt, dass ihre Mutter mit Mark Terenci in Kontakt steht, rennt sie in ihr Zimmer und reißt das Poster von Terenci ab, das bei ihr an der Wand hängt. Der Moment, in der sich Sophie in Marc Terencis Wohnung über die Einrichtung und den Gastgeber auslässt, ist auch nicht schlecht. Und als Sophie in ihrer Küche was überläuft, weil ihr Mann gerade etwas an der Elektronik repariert.

Das macht zumindest eine der peinlichsten und unangenehmsten Augenblicke des Films - als Sophie mit heruntergelassener Hose auf der Toilette sitzt und ihr Mann ihr währenddessen ein Geschenk von Marc übereicht - einigermaßen wett. Rettet die Geschichte insgesamt aber ebenso wenig wie das überflüssige Schaulaufen von Promis, die sich selbst spielen dürfen: Alfons Schuhbeck oder Nina Ruge.

Sylvie Meis wird davongejagt

Sylvie Meis tritt als eine Fitnesstrainerin namens Sylvie auf. Sie nennt sich natürlich ganz modern "Coach". Am Ende wird sie von Annette Frier knurrend vom Hof gejagt, nachdem diese sie mit ihrem Mann im Auto knutschend erblickt hat. Dabei kann das arme Ding doch auch nichts für die Rolle - Annette Frier wäre besser auf die Macher von Drehbuch und Regie losgegangen.

Allerdings weiß man danach auch, wer Marc Terenci ist. Aber warum mussten sie dem armen Kerl so entsetzlich schmalzige Sätze in den Mund legen? Und warum will Sophie in mit einer "Performance" beeindrucken, in der sie "Smoke on the water" zum Besten gibt? Reicht es nicht, dass der Deep-Purple-Klassiker schon in dem gleichnamigen "Polizeiruf 110" (der sogar noch schlimmer war als "Sophie kocht") so schrecklich missbraucht wurde?

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