+
Kommissar Krüger (Christian Redl, r.) fährt mit Marlene (Claudia Geisler-Bading, l.) mit dem Kahn zum Tatort im Hochwald.

TV-Kritik

"Spiel mit dem Tod": Für den Spreewaldkrimi nicht gut genug

  • schließen

Der neunte Beitrag zu der glänzenden ZDF-Reihe gerät leider zum Ausrutscher: Zu viele gute Ansätze bleiben ungenutzt.

Der Spreewald stellt Filmemacher vor ein Problem: Er verführt dazu, die Gedanken schweifen, die Phantasie spielen zu lassen. Sich in all dem dschungelartigen Gewirr zu verlieren. Die oft fein verästelte Erzählstruktur der Filme mit vielen Rückblenden spiegelt einerseits die Flusslandschaft und steht einer stringenten Erzählweise ebenfalls entgegen. So braucht man schon ein starkes Thema, das im Spreewald ebenso unbeirrbar Kurs hält wie Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl) im Motorboot.

Diesmal gleitet die Kamera nicht nur wie ein Geist durch sattes Grün, sondern fliegt auch über sonnenverbrannte Felsenlandschaften, die kaum weniger surreal wirken als der Spreewald. Dazu erklingt Theodor Fontanes Ballade "Das Trauerspiel von Afghanistan": Der Dichter verfasste es im Andenken an das britische Armeecorps, dass sich Anfang Januar 1842 nach einem Aufstand der Afghanen aus Kabul zurückziehen musste. Der Rückzug durch Schnee, Eis und enge Schluchten wurde zum Todesmarsch: Von 17.000 Menschen – davon aber nur 4500 Soldaten – kamen nur rund 200 lebend zurück. Bis auf den Militärarzt Dr. Brydon überlebten sie als Geiseln der Afghanen.

Um Heimkehrer aus Afghanistan geht es natürlich auch im mittlerweile neunten Spreewaldkrimi. Ein junges Paar stößt bei einer Schnitzeljagd auf eine tödliche Sprengfalle, und der Exfreund der jungen Frau gerät schnell unter Verdacht. Er brachte aus Afghanistan eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit. Bei seinen Nachforschungen stößt Krüger auf Verwandtschaften und Beziehungsverhältnisse, die kaum weniger verästelt sind als die Wasserwege im Spreewald. Und auf Parallelen in seiner eigenen Biographie.

Sein eigener Vater kam erst im Jahr 1953 aus Russland zurück, ebenfalls mit einer Belastungsstörung, und erschoss schließlich zuerst Thorsten Krügers Mutter und dann sich selbst. Die Geschichte, die bereits in einem Vorgängerfilm zur Sprache kam, nimmt hier durch eingeblendete Szenen aus Krügers Erinnerung wie auch noch einmal durch eine fast monologartige Szene Krügers, der damit einen Verdächtigen aus seinem Versteck locken will, einen sehr breiten Raum ein. Genauer gesagt, einen zu breiten.

Was den Film auch in Verbindung mit den vielen Rückblenden, Einblendungen und Regieeinfällen aber sperrig gestaltet, und das ist schade. Weil „Spiel mit dem Tod“ nämlich auch von Verschwinden von Arbeitsplatz und Sicherheiten für viele Ostdeutsche erzählt, die anschließend deswegen zur Bundeswehr gingen und sich nach Afghanistan schicken ließen. Diese Sozialkritik steht dem Spreewaldkrimi nämlich ausgezeichnet, besser jedenfalls als das zerfaserte Ende mit auch noch einem angeblichen Gehirntumor.

Der Film belässt es aber bei einigen Sätzen am Rande und nutzt auch die vielen Figuren der Handlung nicht wirklich. Dabei kommen da schön beklemmende Szenen heraus, wenn die Frau eines im Rollstuhl sitzenden Kriegsveteranen ihrem Mann wütend die Tasche aus der Hand reißt und ihn anschnauzt, seine Behinderung würde sie behindern. Er würde in einem selbsterbauten Gefängnis leben und hätte sie gleich mit eingemauert. Wieder ein toller Einfall, aber es bleibt beim Ansatz. Für den Spreewaldkrimi ist das zu wenig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare