1. Startseite
  2. Film, TV & Serien

"Steirerblut": Rundum gelungen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ulrich Feld

Kommentare

Sandra Mohr (Miriam Stein) muss sich endlich dem Konflikt mit ihrem Halbbruder Mike (Robert Stadlober) stellen.
Sandra Mohr (Miriam Stein) muss sich endlich dem Konflikt mit ihrem Halbbruder Mike (Robert Stadlober) stellen. © ARD Degeto/Allegro Film/Petro Domenigg

Warum der Krimi aus Österreich so ausgezeichnet funktioniert: Nicht nur die glänzend aufspielende Besetzung macht ihn sehenswert.

Trautes Heim, Glück allein? Nicht so für Sandra Mohr (Miriam Stein), die den Tod von Sandra Kovacs (Julia Cencig) aufklären muss. Die attraktive Journalistin tauchte in dem Provinzkaff St. Anna in der Steiermark auf, um allerlei Machenschaften des örtlichen Bürgermeisters Matthias Leitgeb (August Schmölzer) aufzudecken. Dass sie dabei verschiedenen Männern den Kopf verdrehte, darunter sogar Max Leitgeb (Thomas Stipsits), einem Polizisten und Neffen des Bürgermeisters, macht die Sache für Sandra Mohr nicht einfacher.

Aber besonders die liebe Familie ist es, die der Ermittlerin zu schaffen macht. Ist sie doch Jahre zuvor wie schon ihr Vater aus dem Ort geflüchtet, um alles hinter sich zu lassen. Die häusliche Enge, die dörflichen Intrigen, die kriminelle Vergangenheit ihres Halbbruders Mike (Robert Stadlober). Die Kontakte zu ihrer Mutter Helga (Aglaia Szyszkowitz) beschränken sich seit langem auf ein Minimum. Zum Glück ist noch Sascha Bergmann (Hary Prinz) dabei, ihr Vorgesetzter, um ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Fein getroffene Zwischentöne

"Steirerblut" ist die erste und bisher einzige Verfilmung aus der Romanreihe um die Ermittlerin Sandra Mohr von Autorin Claudia Rossbacher. Und erzählt nicht nur ihre Geschichte, sondern auch eine Menge kleiner Episoden aus dem Mikrokosmos von St. Anna: etwa von einem möglicherweise korrupten Bürgermeister, der aber dennoch für den Ort von Vorteil sein könnte, einem einsamen und sexuell frustrierten Jäger oder dem ähnlich angelegten Sohn einer Wirtin.

Es gibt viele Verdächtige, vieles, was zusammenhängt oder auch nicht und nicht zuletzt noch die problematische familiäre Konstellation. Und das alles klappt handlungstechnisch ausgezeichnet. Man muss es schon fast als ein Wunder bezeichnen, wie straff bei all den Verwicklungen der rote Faden der Geschichte gespannt bleibt. Was zum großen Teil an den überzeugend angelegten Charakteren liegt, die den Schauspielern eine große Bandbreite an Zwischentönen abverlangen.

Spannender Mikrokosmos der Dorfgemeinschaft

Drehbuch und Regie haben hier eine wirklich gute Arbeit abgeliefert. Besonders August Schmölzer als Bürgermeister und Robert Stadlober als halbseidener Halbbruder können schauspielerisch glänzen. Aber auch Miriam Stein als Frau, die in ihr wenig geliebtes Heimatdorf zurückkehrt, überzeugt auf ganzer Linie. Das Verhältnis zu ihrem etwas machohaften und zigarettensüchtigen, aber wohlwollenden Vorgesetzten entwickelt sich dabei ähnlich spannend wie das Leben im Dorf.

Es sind nämlich gerade die genannten feinen Zwischentöne samt tragischer Auflösung, die den ersten Film um Sandra Mohr so fesselnd gestalten. "Steirerblut" gerät trotz allem unter den Teppich gekehrten Gemauschel des Dorfes nicht zur kompletten Denunziation der Dorfgemeinschaft als hinterwäldlerisch und bigott. Die tragische Auflösung rundet den guten Eindruck ab. Ein weiterer Film nach Romanen von Rossbacher befindet sich in Arbeit. Hoffentlich müssen wir auf den nicht wieder so lange warten: Der ORF-Krimi datiert von 2013.

Auch interessant

Kommentare