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"Stirb einsam!": Ein Opfer heißt wie Jerry Cotton

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Von: Ulrich Feld

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Die Kommissare (v.l.n.r.) Otto Garber (Florian Martens), Ben Kolberg (Kai Lentrodt) und Verena Berthold (Maja Maranow) untersuchen die Wohnung von Heidi Kuttner.
Die Kommissare (v.l.n.r.) Otto Garber (Florian Martens), Ben Kolberg (Kai Lentrodt) und Verena Berthold (Maja Maranow) untersuchen die Wohnung von Heidi Kuttner. © ZDF und Katrin Knoke.

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Heidi Kuttner war eine einsame Frührentnerin, die Teleshopping und Nippsachen liebte. Ihre Leiche wird in ihrer Wohnung gefunden, als sich weitere Bewohner des Wohnblocks über den Geruch beschweren. Als die Kommissare Verena Berthold (Maja Maranow), Otto Garber (Florian Martens) und Ben Kolberg (Kai Lentrodt) dort eintreffen, ist alles von Fliegen bedeckt - auch ein Kuchen in der Küche. Möglicherweise erwartete das Opfer Besuch - vom Mörder?

In dem Haus wohnen einige skurrile Figuren: Ein Mieter, der penibel alles beobachtet und notiert und ein Tierfreund mit Haschplantage, der sogar nach dem Mord an Heidi Kuttner noch einmal in ihrer Wohnung war, aber nicht der Mörder ist. Und dann gibt es noch Georg Nader, einen H4-Bezieher mit ausgeprägter Sozialphobie. Er hatte offenbar näheren Kontakt zu der Ermordeten. Doch als Berthold und Garber ihn zur Rede stellen wollen, finden sie ihn ebenfalls tot, mit einer Haushaltsschere erstochen.

Mordverdächtiger heißt wie Jerry Cotton

Beim Namen Georg Nader horchen Krimi-Freunde auf: Der erinnert nämlich gewiss nicht rein zufällig an den US-Schauspieler George Nader, der in den sechziger Jahren in acht Filmen den Romanhelden und FBI-Agenten Jerry Cotton verkörperte. Ganz so spektakulär wie Cottons Verbrecherjagden in den Straßenschluchten New Yorks fällt dieser Krimi natürlich nicht aus. Der Film streift nicht nur in seinem an "Stirb langsam" erinnernden Titel die Einsamkeit des Großstädters, ohne das Thema in den Mittelpunkt zu stellen. Erst nach zwei Wochen wird Kuttners Leiche gefunden, und nur ein Mann ist bei ihrer Urnenbestattung anwesend: der Langzeitarbeitslose Holger Januwitz (Rudolf Krause), der einsam Verstorbenen das letzte Geleit gibt.

Gewissermaßen als Gegengewicht zu der doch recht düsteren Thematik der Einsamkeit und des Verlustes kommt der meist sehr beiläufige Humor nicht zu kurz: "Ich bin nur aufmerksam, nicht neugierig" sagt der beobachtungsfreudige Mieter und als der Tierfreund von der Polizei fotografiert wird, hält er in einer Aufnahme den ausgestreckten Mittelfinger in die Höhe. Und natürlich ist auch Garbers Ex-Kollege Sputnik wieder mit von der Partie, diesmal als Gründer eines Spielplatzes für Erwachsene in einer Halle.

Etwas zu sehr nach Schema F verläuft die Aufklärung: Der Täter handelte aufgrund einer schweren psychischen Störung. Gerne hätte man auch noch etwas mehr über die Protagonisten erfahren, gerade weil dies ein Krimi ist, der mit sozialen Nahaufnahmen punkten will - und das auch mit überzeugenden Resultaten schafft, da die Hausbewohner wesentlich pointierter gezeichnet sind als etwa in den "Tatort"-Krimi "Freddy tanzt". Insgesamt gelang Regisseur Thorsten Schmidt darum nach dem Drehbuch von Axel Hildebrand ein flüssiger, gut gebauter und unterhaltsamer Kriminalfilm, der ordentliche Unterhaltung bietet.

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