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"Supernerds": Beklemmender Themenabend

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Von: Ulrich Feld

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Durch die Sendung führte  Angela Böttinger (rote Jacke), umgeben von Mitgliedern des Schauspiels Köln. Rechts von ihr die Regisseurin Angela Richter.
Durch die Sendung führte Angela Böttinger (rote Jacke), umgeben von Mitgliedern des Schauspiels Köln. Rechts von ihr die Regisseurin Angela Richter. © WDR/Herby Sachs

Über

Überwachung, Digitalisierung, Datenklau, Hacker, Datenmissbrauch, WikiLeaks: Solche Themen sind allgegenwärtig. Sogenannte "Whisteblower" ("Pfeifenbläser", dt. Verkünder oder Enthüller) wie Edward Snowden oder Julian Assange gelten als dem einen mutige Aufdecker von Skandalen, dem anderen als schmutzige Verräter. Sie genießen beinahe schon den Status von Popstars. Aber um was genau geht es dabei eigentlich?

Als Laie blickt man, wenn überhaupt, oft nur wenig durch. Die Regisseurin Angela Richter, eine der vier Hausregisseure vom Schauspiel Köln, hat zu diesem Thema zusammen mit der Gebrüder Beetz Filmproduktion und dem Westdeutschen Rundfunk eine ganz spezielle Aufführung konzipiert: "Supernerds - Ein Überwachungsabend". Dazu verknüpfte Winkler sämtliche Medien: Theater, Fernsehen, Radio, Internet und Handy. Es war zugleich der Höhe- und Abschlusspunkt des Spiels "Supernerds".

Schauspieler als Enthüller

Konkret sah das so aus, dass Schauspieler in der Rolle einzelner Enthüller auftraten, etwa als Chelsea Manning - die als Bradley Manning geboren wurde und amerikanische Kriegsverbrechen im Irak enthüllte. Vor zwei Jahren wurde sie nach der Weitergabe vertraulicher Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks zu einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt. Besonders weitreichend waren Videoaufnahmen vom tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten und Reuters-Journalisten durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber.

Die Bühnenaufführungen liefen parallel zu den Interviews im Schauspiel Köln ab, aber in anderen Räumlichkeiten. Zu Wort kamen unter anderem der Journalist und Blogger Richard Gutjahr, von der Autorin Yvonne Hofstetter und Edward Snowdens Anwalt Wolfgang Kaleck. Ihre Aussagen zum Thema, etwa "Wir müssen uns politisieren" (Hofstetter) oder "Wir müssen uns politisieren" (Kaleck) kamen routiniert und pointiert, wie auch die Moderation von Bettina Böttinger.

Beklemmende Experimente zum Thema Reichweite von Daten

Aber es waren die schlüssig vorgeführten Experimente, die Laien besonders fasziniert und zugleich erschreckt haben dürften. Alleine schon wie weitreichende Informationen über die Kreditwürdigkeit ihres Trägers über einige Daten wie Handy, Email oder Telefon zu bekommen waren oder die Überwachungsmöglichkeiten über das Handy, dürfte vielen Zuschauern die Brisanz des Themas drastisch vor Augen geführt haben. Von diesen Vorführungen hätte es gerne noch etwas mehr geben können.

Vieles zeigte aber auch die Doppelmoral der Datenträger: Während nach einer Anfrage etwa über 90 Prozent dafür stimmten, dem Publikum mal richtig auf den Zahn zu fühlen, weigerten sich ebenfalls über 90 Prozent, ihre Daten preiszugeben - auch nicht für mehr Sicherheit. Auch hätte mehr zur Sprache kommen können, dass sich viele über das Netz und etwa Facebook auch selbst inszenieren mit Kindern, Familie und freiwilliger Preisgabe vieler privater Details.

Warum machen Leute sowas? Die ebenfalls thematisierte Transsexualität von Chelsea / Bradley Manning war dagegen überflüssig, weil sie mit dem Kernthema des Abends rein gar nichts zu tun hatte. Das änderte aber nichts daran, dass es ein hochspannender Themenabend war. Mit dem beklemmenden Interview mit Julian Assange fand er seinen gelungenen Abschluss.

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