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Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) an der toten Katrin Tscherna (Katharina Spiering).

TV-Kritik

Tatort: „Ein Tag wie jeder andere“- Endlich ein Thriller!

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Wenn Hitchcock auf Hannibal Lector trifft: Der „Tatort“ aus Franken zeigt sich in dieser Folge in Höchstform.

Pünktlich zur vollen Stunde knallt der erste Schuss. Er kommt aus der Waffe von Anwalt Thomas Peters (Thorsten Merten) und tötet Richter Volker Küssges (Christian Schneller). Genau eine Stunde später begeht Peters einen zweiten Mord an Katrin Tscherna (Katharina Spiering), einer Biochemikerin. Und das ist noch nicht das Ende seiner Mission, die ihn in Bayreuths berühmteste Sehenswürdigkeit führen wird: in das Festspielhaus.

Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und ihr Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs) jagen erst Peters hinterher, dann müssen sie plötzlich das Leben eines jungen Mädchens retten. Mit anderen Worten: Nach den doch eher öden Vorgängern steigt der „Tatort“ aus Franken endlich einmal richtig aufs Gaspedal. Immer wieder zückt der nach einem Drehbuch von Erol Yesilkaya gedrehte Sonntagskrimi neue Wendungen, um die Geschichte voranzutreiben.

Bruch mit Erzählmustern

Schon erstaunlich, wie clever dieser Film gängige Erzählmuster umgeht und sich dabei als waschechter Thriller entpuppt! Der Täter steht nach kurzer Zeit schon fest, auch das Tatmotiv bleibt nicht lange im Dunkeln. In kleinen Rückblenden wird die Vorgeschichte erzählt: Es geht dabei um das Ehepaar Kessler (Stephan Grossmann und Karina Plachetka), das ein lange ersehntes Kind verlor. Schuld daran: Milchfabrikant Rolf Koch (Jürgen Tarrach).

Aus seiner ziemlich gewagten Handlungskonstruktion holt der Krimi dabei jede Menge höchst fesselnder Momente heraus. Da knallt aus einer Polizeiwaffe ein finaler Rettungsschuss, der aber nicht den eigentlichen Bösewicht trifft, sondern ein erpresstes Werkzeug. Und am Ende kommt es zu einem geschickt eingefädelten Showdown – aber nicht zwischen Täter und Kommissar, sondern zwischen zwei Tätern.

Simple Figuren

Dabei zitieren Buch und Regie (Sebastian Marka) sehr gekonnt nicht nur „Das Schweigen der Lämmer“, sondern auch Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“. Viel verdankt „Ein Tag wie jeder andere“ auch seiner Besetzung. Allzu viel Feinzeichnung darf man bei den Charakteren zwar nicht erwarten – Rolf Koch ist raffgierig böse und sonst nichts – aber Jürgen Tarrach und Stephan Grossmann bügeln diese kleine Schwäche leicht wieder aus.

Großmann, in Krimis sonst gerne als halbseidener Verdächtiger im Einsatz, zeigt hier, dass er auch als manipulativer Rächer glänzend aufspielen kann. So kommt denn diesmal auch ein „Tatort“ aus Franken, mit dem Krimi-Fans auch durch die tolle Musikauswahl natürlich mit viel Wagner ohne nennenswerte Einschränkungen glücklich werden können.

Großmann, in Krimis sonst gerne als halbseidener Verdächtiger im Einsatz, zeigt hier, dass er auch als manipulativer Rächer glänzend aufspielen kann. So kommt denn diesmal auch ein „Tatort“ aus Franken, mit dem Krimi-Fans auch durch die tolle Musikauswahl natürlich mit viel Wagner ohne nennenswerte Einschränkungen glücklich werden können.

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