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ARD/BR TATORT, "KI", am Sonntag (21.10.18) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind frustriert, weil die Befragung der Künstlichen Intelligenz "Maria" trotz Unterstützung durch Anna Velot (Janina Fautz, Mitte) nicht so effizient vorangeht, wie sie sich das wünschen. Weiteres Bildmaterial finden Sie unter www.br-foto.de. © BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter BR-Sendung und bei Nennung "Bild: BR/Hendrik Heiden/Bavaria Fiction GmbH" (S2). BR/Bildarchiv, Tel: 089/5900-10580, Fax: -10585, pressestelle-foto@br.de, www.br-foto.de

TV-Kritik

Tatort ?KI?: Dieses Mädchen ist gefährlich

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Künstliche Intelligenz beim den Münchnern: Dieser Sonntagskrimi kombiniert das wiederholt variierte ?Tatort?-Thema mit einem cleveren erzählerischen Kniff.

Im Kern ist der neue Münchner „Tatort“ vor allem ein Teenager-Drama: Die 14-jährige Melanie Degner (Katharina Stark) ist verschwunden. Ihre Eltern Brigitte (Lisa Martinek) und Robert (Dirk Borchardt) haben sich getrennt, ihre Mutter schluckt jede Menge Tabletten. Als ihr Vater, der eine neue Familie gegründet hat, sich zu den regelmäßigen Treffen einfindet, ist das Zimmer seiner Tochter leer. Und es gibt Spuren einer möglichen Fremdeinwirkung.

Weil es sich bei Robert Degner um einen alten Spezi von Kommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) handelt, wird der Fahnder zusammen mit seinem Kollegen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) aktiv. Im Zimmer des Mädchens finden die Kriminaler vor allem eine heiße Spur: MARIA, eine Software auf Melanies Computer. Offenbar hat Melanie dieser Software viel von ihren allergeheimsten Gedanken anvertraut. Obwohl das Programm gar nicht für sie bestimmt war.

MARIA ist nämlich Teil eines streng geheimen und penibel geschützten Computerprojekts. Gehackt und weiterentwickelt, damit sie lernt, wie ein Mensch zu denken und zu fühlen – durch Kontakt mit Menschen. Schnell gerät ein Mitarbeiter des Computerprojekts ins Visier der Ermittler, bald auch ein vorbestrafter Pädo-Krimineller. Dabei versuchen Leitmayr und Batic, mit MARIA zu kommunizieren, um die Hintergründe des Falls aufzuklären.

Ein neuer Sonntagskrimi um künstliche Intelligenz also, die dem „Tatort“ auch seinen Titel verliehen hat. Ein Thema, das die Reihe erstmals im Beitrag „HAL“ aus Stuttgart mit Anleihen an Stanley Kubricks Weltraum-Epos „2001“ vertiefte. Sehr viel überzeugender zeigte sich indessen „Echolot“ aus Bremen: Adina Vetter gab hier einem Programm nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine verwirrende erotische Vieldeutigkeit.

Diese Doppelbödigkeit findet sich auch hier. Wenngleich nicht durch MARIA selbst – die beschränkt sich auf ein paar neutrale Bildschirm-Symbole  - sondern durch Anna Velot (Janina Fautz), eine Mitentwicklerin des Programms. Das Drehbuch des Münchner Krimis variiert somit „Echolot“ ziemlich clever, indem es den Schwerpunkt verschiebt und den Focus vom Geschöpf – dem Computerprogramm – auf die Schöpferin lenkt.

Ein Kniff, der nicht zuletzt durch Janina Fautz ziemlich gut funktioniert: Fautz gibt Anna einerseits als schillernd-provozierende Mischung aus Schulmädchen und Femme fatale. Aber auch als Charakter, der durch die ehrliche Begeisterung über die Möglichkeiten und Fortschritte von MARIA wiederum auch andere Seiten zeigen darf. Annas Motivation wirkt darum schlüssig und der Ausgang entsprechend glaubhaft: Anna sorgt für MARIA und ihr Weiterleben wie eine Mutter für ihr Kind.

Figurenzeichnung, Schauspiel und Regie gehen hier eine ziemlich geglückte Verbindung ein.Die Aufmerksamkeit des Zuschauers bleibt so bis zum Schluss erhalten, weil MARIA und das damit verbundene Thema der sich entwickelnden künstlichen Intelligenz nur eine Nebenrolle spielen. Man muss also für diesen Krimi kein Liebhaber von Zukunftsgeschichten sein. Die Geschichte verzahnt das Drama um Melanie sehr ordentlich mit der Geschichte um Anna Velot und MARIA.

Und auch wenn dabei mitunter der letzte Schuss Logik fehlt, bügelt die Inszenierung diese kleinen Mängel mühelos wieder aus. Regisseur Sebastian Marka beweist außerordentlich handwerkliches Geschick. Er erzählt flüssig und schnörkellos. Findet dabei aber immer wieder ausgeklügelte Perspektiven und beweist zudem viel Fingerspitzengefühl beim Einsatz der Musik von Thomas Mehlhorn.

Dass Mehrhorn zu seiner hervorragenden Musik am Ende den futuristischen Synthie-Pop der 80er Zitiert, gibt dem "Tatort" noch einen besonders gelungenen Abschluss.

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