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Tatort "Nachtsicht?: Eine schrecklich normale Familie

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Von: Ulrich Feld

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ARD/RB TATORT "NACHTSICHT", am Sonntag (12.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN.
Das Ehepaar Friedland reagiert irritiert auf den Durchsuchungsbeschluss der Kommissare. (v.l.n.r.: Leonie Friedland (Angela Roy), Jost Friedland (Rainer Bock))
© Radio Bremen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter RB-Sendung bei Nennung "Bild: Radio Bremen" (S2). Radio Bremen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 28100 Bremen, Tel: 0421/246-41017, Fax: -41096, presseinfo@radiobremen.de, www.radiobremen.de/presse
ARD/RB TATORT "NACHTSICHT", am Sonntag (12.03.17) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Das Ehepaar Friedland reagiert irritiert auf den Durchsuchungsbeschluss der Kommissare. (v.l.n.r.: Leonie Friedland (Angela Roy), Jost Friedland (Rainer Bock)) © Radio Bremen, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter RB-Sendung bei Nennung "Bild: Radio Bremen" (S2). Radio Bremen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 28100 Bremen, Tel: 0421/246-41017, Fax: -41096, presseinfo@radiobremen.de, www.radiobremen.de/presse © Radio Bremen

So gut der Einstieg in die Geschichte auch gemacht ist – er weckt völlig falsche Erwartungen. Carsploitation lautet der Sammelbegriff für Filme, in denen Autos einer Geschichte nicht nur Rasanz verleihen, sondern oft auch in der Rolle des Mordwerkzeugs oder Sexualfetischs Ausdruck finden. Ein Thema, dem sich nicht nur Filmemacher wie Quentin Tarantino in "Death Proof" gewidmet haben, sondern auch ein anerkannter Autor wie J.G. Ballard mit seinem Roman "Crash".   Etwas Ähnliches erwartet der Zuschauer auch, wenn zu Beginn jemand einen alten BMW mit viel Schaum wäscht und sich das Wasser beim Eintauchen des Schwamms rot färbt. Das Opfer, ein junger Mann, wird kurz danach gefunden: Ein Auto fuhr mehrfach gezielt über ihn drüber. Anhand eines Handys kommen die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) schnell auf den Maler und Lackierer Kristian Friedland (Moritz Führmann). Kein Unbekannter, der schon durch Drogenmissbrauch und einen Selbstmordversuch auffiel.

So gut der Einstieg in die Geschichte auch gemacht ist – er weckt völlig falsche Erwartungen. Carsploitation lautet der Sammelbegriff für Filme, in denen Autos einer Geschichte nicht nur Rasanz verleihen, sondern oft auch in der Rolle des Mordwerkzeugs oder Sexualfetischs Ausdruck finden. Ein Thema, dem sich nicht nur Filmemacher wie Quentin Tarantino in "Death Proof" gewidmet haben, sondern auch ein anerkannter Autor wie J.G. Ballard mit seinem Roman "Crash".   Etwas Ähnliches erwartet der Zuschauer auch, wenn zu Beginn jemand einen alten BMW mit viel Schaum wäscht und sich das Wasser beim Eintauchen des Schwamms rot färbt. Das Opfer, ein junger Mann, wird kurz danach gefunden: Ein Auto fuhr mehrfach gezielt über ihn drüber. Anhand eines Handys kommen die Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) schnell auf den Maler und Lackierer Kristian Friedland (Moritz Führmann). Kein Unbekannter, der schon durch Drogenmissbrauch und einen Selbstmordversuch auffiel.  

In einigen Punkten unglaubwürdig

  Aber seine Eltern Jost (Rainer Bock) und Leonie Friedland (Angela Roy) sind nicht bereit, die Ermittlungen gegen ihren Sohn zu unterstützen. Sie wissen genau, wie weit die Ermittler gehen können. Dabei mangelt es der Geschichte zeitweise doch erheblich an Glaubwürdigkeit. Ein Hinterhof-Bastler soll in der Lage sein, einen derart wirkungsvollen Elektromotor zu bauen? Bei solchen Beweislagen soll es der Polizei nicht möglich sein, einen Verdächtigen festzusetzen?   Und wenn Jost Friedmann den mörderischen Fetisch seines Sohnes offenbar kannte, warum hat er ihm dann immer noch vertraut? Dennoch erreicht der Krimi aus Bremen immer wieder eine enorme Intensität. Die Frage, wie weit jemand gehen würde, um einen anderen geliebten Menschen zu beschützen, nutzte der "Tatort" zur beklemmenden Darstellung einer Familie, in der im Prinzip jeder mit allen Mitteln das Bild der Normalität aufrecht erhalten will. Die Dialoge gefielen dabei ebenso wie die Bilder durch ihre scharfe Präzision. 

Die heile Fassade über alles

  Ein Bein der schwer kranken Mutter ist künstlich wie die heile Familienfassade mit Kaffee und Kuchen oder die Träume von Kanada. Und immer wieder geht es um Metaphern, die um die Themen Sehen und Erkennen kreisen. So um das Nachtsichtgerät, das Krimi-Fans übrigens spätestens seit "Das Schweigen der Lämmer" ein Begriff sein sollte, oder am Ende noch einmal um die gebastelte Brille. Aufgefangen wird die mangelnde Glaubwürdigkeit in einzelnen Aspekten aber zusätzlich noch durch die beklemmend intensiven Leistungen der Schauspieler.   Weniger der Serienmörder Kristian, sondern vor allem die verkrüppelte und an Krebs sterbende Mutter und der souverän auftretende, aber hilflose und überforderte Vater stehen im Mittelpunkt. Angela Roy und Rainer Bock verleihen diesem tragischen Paar vor allem durch ihr zurückgenommenes Spiel etwas erschütternd Normales und Alltägliches. Und lassen dadurch über die mitunter wenig glaubwürdigen Details leicht hinwegsehen.    

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