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Hannah Zeiler (Nora Waldstätten, l.) und Micha Oberländer (Matthias Koeberlin, r.) beim Showdown. Bild: ZDF und Petro Domenigg

TV-Kritik

"Die Toten vom Bodensee": "Der Wiederkehrer" sorgt für bleihaltige Luft

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Die ZDF-Krimiserie "Die Toten vom Bodensee" hatte von Anfang an ein Problem: In der Rolle der ermittelnden Hannah Zeiler strahlte Nora Waldstätten durch ihr unbewegtes Gesicht  zu Beginn noch eine unergründliche Faszination aus. Ein Effekt, der sich allerdings schnell abnutzte: Es sagt viel über die Schauspielerin aus, dass sie mitunter selbst in so schwachen Filmen wie dem „Nachtschicht“-Krimi "Ein Mord zu viel" trotz nur weniger Szenen besser zur Geltung kam denn als Hannah Zeiler.

Die ZDF-Krimiserie "Die Toten vom Bodensee" hatte von Anfang an ein Problem: In der Rolle der ermittelnden Hannah Zeiler strahlte Nora Waldstätten durch ihr unbewegtes Gesicht  zu Beginn noch eine unergründliche Faszination aus. Ein Effekt, der sich allerdings schnell abnutzte: Es sagt viel über die Schauspielerin aus, dass sie mitunter selbst in so schwachen Filmen wie dem „Nachtschicht“-Krimi "Ein Mord zu viel" trotz nur weniger Szenen besser zur Geltung kam denn als Hannah Zeiler.

In dieser "Bodensee"-Folge löst die Geschichte nun endgültig auf, warum sich Hannah Zeiler stets mit steinernem Antlitz durch die Szenerie bewegen musste. Das Trauma, dass sie als Kind ihre Eltern bei einem Segelunfall verlor, liefert immerhin eine akzeptable Begründung. Was es Nora Waldstätten aber auch schauspielerisch nicht gerade einfach macht: Sie muss nun Brüche im emotionalen Panzer Hannah Zeilers deutlich machen, lange unterdrückte Gefühle an die Oberfläche kommen lassen – und das alles, ohne ihre Figur schauspielerisch total auf den Kopf zu stellen.

Keine leichte Sache, aber für die Spannung in der mittlerweile sechsten Episode durchaus förderlich. Und um es gleich zu sagen: Nora Waldstätten erledigt das mit Bravour, obwohl es ihr das Drehbuch nicht eben einfach macht. Am Anfang erlebt sie der Zuschauer,  wie sie als Hannah auf der Galgeninsel am Bodensee mit gezogener Waffe einem Mann hinterherjagt. Kurz darauf ist der Mann mit Namen Johannes Leitner tot und Hannah Zeiler mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus.

Pikant dabei: Leitner starb durch einen Schuss aus Hannah Zeilers Dienstwaffe. Ein Selbstmord? Unerwartet erscheint Ernst Geschwendner (August Schmölzer), Hannahs Patenonkel und früherer Mentor, auf der Bildfläche. Es scheint so, als wolle er Hannah beschützen. Leitner saß lange im Gefängnis und hatte ein Verhältnis mit Sabine Reubach (Stefanie Stappenbeck), einer Frau, die mit Sicherheit  ziemlich eifersüchtig und besitzergreifend war.

Darüber hinaus könnte Zeilers Vater noch am Leben und zusammen mit Geschwendner in dunkle Geschäfte verstrickt gewesen sein. Insgesamt hat das Drehbuch den Hintergrund ganz ordentlich aufgedröselt, obwohl einige Übergänge ziemlich gewagt erscheinen: So kann sich Hannah Zeilers Kollege Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) plötzlich auch daran erinnern, Hannah Zeilers Vater Hermann Zeiler gesehen zu haben.

Er hat dabei nur ein über zwanzig Jahre altes Foto zur Verfügung und hat den Vater zuvor mit anderer Frisur und einer zuvor nicht vorhandenen Brille nur flüchtig mit einem Seitenblick gestreift. Die Geschichte fängt solche Schwächen aber mit einer effektvollen Explosion und besonders am Ende mit einem schön knalligen Showdown auf. Der Krimi packt am Ende die Zuschauer auch immer stärker: dass sich Polizistin und Verbrecher zum Schluss mit gezogenen Waffen gegenüberstehen, ist zwar nicht wirklich neu.

Dass es sich dabei aber um Vater und Tochter handelt, hat man so vorher garantiert  noch nicht so oft gesehen.  In Verbindung mit Jo Molitoris‘ Kamera und der Musik von  Christopher Bremus entschädigt das Ende problemlos für ein paar kleine Hänger zwischendurch. Auf weitere Folgen kann man also gespannt sein – und besonders darauf, wie Nora Waldstätten als Hannah Zeiler das Erlebte dieser Episode mimisch verarbeitet.

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