+
Der russische Killer Igor Petrow (Anton Pampushnyy, l.) hat Ermittler Sebastian (Matthi Faust, r.) in seine Gewalt gebracht.

TV-Kritik

"Treibjagd": Nicht nur der Mörder ist hier müde

  • schließen

"Ein starkes Team" erlebt eine schwache Folge. Erstaunlich bei einer Geschichte, die eigentlich viel Rasanz und Hochspannung verspricht.

Es hätte ein so schöner Abend werden können für Carsten Auerswald (Dominic Raacke), als er die schöne Russin in seiner Stammkneipe kennengelernt hatte. Die Frau ergriff die Initiative, und das tat ihm sicher gut. Um sein Privatleben war es ansonsten reichlich trostlos bestellt: Seine Frau vergnügte sich mit einem anderen Mann, der beruflich weit mehr erreicht hatte, und sein Sohn hielt ihn für einen Verlierer. Doch jetzt ist die Russin tot – erstochen von Auerswald.

Sie war nämlich eine Auftragsmörderin – angeheuert, um Auerswald, den Zeugen eines Mafia-Mords, von einer Aussage vor Gericht abzuhalten.  Nun setzt der inhaftierte Pate der Russenmafia den Killer Igor Petrow (Anton Pampushnyy) auf Auerswald an. Die Kommissare Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) und Otto Garber (Florian Martens) haben es aber nicht nur mit Petrow zu tun, sondern auch mit einer undichten Stelle in den eigenen Reihen.

Könnten die Kollegen Ulrike Wellenbrink (Inka Friedrich) oder Sebastian Klöckner (Matthi Faust) aus der Abteilung für Organisierte Verbrechen etwas damit zu tun haben? Oder war es die tablettensüchtige Sekretärin (Margarita Broich)? Die Zutaten der Geschichte - Mafia-Mord, ein von einem Killer gejagter Zeuge, Korruption in den eigenen Reihen - lesen sich vielversprechend, und auch der Anfang gefällt. Es sind die richtigen Motive, um einen Film ordentlich in Bewegung zu halten, und im Vergleich zu anderen Folgen des ZDF-Dauerbrenners gibt es auch  mehr Außenaufnahmen mit entsprechendem Großstadt-Flair.

Daumen hoch also? Leider nein. Der Film leistet sich nämlich zahlreiche unnötige Schwächen und schlechte Szenen - schon erstaunlich bei der schönen Grundidee. Zu den Stärken gehört immerhin noch Dominic Raacke, der als gejagter Verlierer auch die beste Rolle des Films innehat. Aber auch er kämpft vergeblich gegen Szenen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Warum etwa ergreift Auerswald die Flucht, ohne sein auf dem Boden liegendes Geld neben dem erschossenen Mädchen mitzunehmen?

Und das ist nicht der einzige Moment des Films, der einen ziemlich schludrigen und behelfsmäßigen Eindruck hinterlässt. Da darf sogar mal der böse Killer mit der Waffe in der Hand in Sichtweite seiner bewachten Opfer einschlafen, sich entwaffnen lassen – er bekommt dennoch seine Pistole wieder zurück. Oh je. Kein Wunder, dass Ben Kolberg (Kai Lentrodt) da mal dringend eine Auszeit nötig hat. Übermäßig viel zu tun hat er in letzter Zeit ohnehin nicht mehr.

 

Schade, Lentrodt gab mit seiner ironischen Ausstrahlung dem starken Team immer noch eine Extradosis Pfeffer. In seiner letzten Folge darf er sich dafür in Seemannsknoten üben und am Ende auf große Fahrt gehen. Na schön, es sei ihm gegönnt. Aber ein Ende mit Knalleffekt hätte viel besser zu der Geschichte gepasst. Allerdings bleibt der Film auch sonst weit unter seinen Möglichkeiten: eine starke Geschichte, aber ein schwacher Moment in der Reihe. Schade drum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare