+
Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) mit Polizisten bei der Fahndungsabsprache

Tatort

TV-Kritik zum Tatort "Der Pakt": Es fehlt an Spannung 

  • schließen

Abschied für Devid Striesow: Sein finaler Auftritt als „Tatort“-Ermittler entwickelt sich trotz spannender Figuren nicht zu einem Treffer.

Am Anfang steigt eine Party, am Ende liegt eine Schwesternschülerin erdrosselt auf ihrem Bett. Nicht auf ihrem eigenen: Sie hat sich im Zimmer ihrer Mitschülerin Anika Jahn (Lucie Hollmann) mit dem iranischen Arzt Dr. Sharifi (Jaschar Sarabtchian) kräftig amüsiert. Nicht nur Sex, sondern auch Alkohol, Haschisch und Koks spielten dabei eine möglicherweise verhängnisvolle Rolle. Aber Dr. Sharifi ist nicht der einzige Verdächtige. Anika Jahn engagierte sich für „MEFA – Mediziner für Asyl e.V.“, einen Verein, der sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. Auch Kamal Atya (El Mehdi Meskar) arbeitete für den Verein – und zugleich, wovon niemand wusste, für Dr. Ulrich Hesse (Christian Intorp) von der Ausländerbehörde. Für den musste er regelmäßig andere Asylanten anschwärzen, um seinen eigenen wackligen Asylstatus zu halten.

Asylant als Verräter

Und hier kommt Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) ein massiver Verdacht. Die Ermordete sah nämlich mit ihren langen blonden Haaren von hinten Anika Jahn ziemlich ähnlich. Und die hatte von der Zusammenarbeit Kamal Atyas erfahren und ihm ein Ultimatum gestellt, sich als Verräter zu outen. War also in Wirklichkeit Anika Jahn als Mordopfer vorgesehen? Wurde die Tote im Halbdunkel das Opfer einer Verwechslung? Es ist also im Prinzip ein ganz ordentlicher Cocktail aus Sex, Crime und Asyl, den Saarbrücken zum Abschied von Devid Striesow hier serviert. Nach acht „Tatort“-Filmen hat Striesow sich aus eigenem Wunsch von der Rolle verabschiedet. Was man schon angesichts des arg schrägen Anfangs mit Gummistiefeln und Shorts in „Melinda“ durchaus verstehen kann. Dankenswerterweise nahmen die Macher solche Exzentrik später etwas zurück.

Zu viele Worte

Stellbrinks letzter Fall ist allerdings nicht ganz der große Wurf geworden, den die durchaus spannende Figurenkonstellation verspricht. Positiv fällt zwar auf, dass sich die Geschichte nah an ihren Figuren bewegt und die Ermittlungsarbeit der Polizei viel Raum einnimmt. Die erotischen Verwicklungen und Spannungen, die ohnehin überwiegend in Dialogen zur Sprache kommen, bleiben aber im Handlungsverlauf zunehmend außen vor. Die Asyl-Thematik ist natürlich gut gemeint, wurde im „Tatort“ aber schon weit geschmeidiger umgesetzt. Die Tragik Kamal Atyas setzt das Drehbuch am Ende ins wortreich Deklamatorische um, wobei der Schluss nun wirklich nicht mehr überraschen kann. An Stellbrinks besten Fall „Söhne und Väter“ reicht sein letzter Auftritt als Sonntagskommissar nicht heran. Immerhin macht sich Striesow schauspielerisch aber noch ziemlich gut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare