+
Was genau plant die lesbische Sybille Wildering (Emily Cox), als sie den schwerreichen David Weimann (Robert Hunger-Bühler) umgarnt?

Tatort aus Wien

TV-Kritik zum Tatort „Wahre Lügen“: Die Lesbe ist das Beste daran

  • schließen

Der neue Wiener „Tatort“ mixt aus einer echten alten Skandalgeschichte und einem erdachten Sex & Crime-Szenario einen passablen Krimi-Cocktail.

Lütgenwer? Karl Lütgendorf stammte aus altem Adel, machte in Österreich als Offizier und Politiker Karriere und brachte es im Jahr 1971 zum Verteidigungsminister. 1977 trat er wegen des Verdachts, in illegale Waffengeschäfte verwickelt zu sein, von seinem Posten zurück. Am 9. Oktober 1981 beging er möglicherweise Selbstmord. Ein Mord wird wegen dubioser Umstände jedoch bis heute nicht ausgeschlossen und kontrovers diskutiert.

Der neue Wiener „Tatort“ knüpft an diese alte Geschichte an: Eine Journalistin, die tot in ihrem Auto aus dem Wolfgangsee gezogen wird, recherchierte über den Fall. Es geht dabei um weltweite Waffenschiebereien, illegale Parteienfinanzierung und Korruption in höchste Kreise und bis in die Neuzeit. Ihre aufgelöste Lebensgefährtin Sybille Wildering (Emily Cox) wusste nicht viel darüber. Oder doch? 

Besser als „Der rote Schatten“ 

Eine echte, aber schon so alte Geschichte als Krimi-Aufhänger zu nehmen, ist eine zwiespältige Sache. Erinnerungen an den Stuttgarter „Tatort“-Krimi „Der rote Schatten“ werden wach. Die Handlung lieferte zwar massenweise Details über die Ungereimtheiten, die den Tod der RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der Todesnacht von Stammheim betreffen. 

Aber die Spannung hielt sich in engen Grenzen. Nach einigen Jahrzehnten ist das Interesse an so alten Geschichten einfach verblasst. Freilich muss man „Wahre Lügen“ bescheinigen, dass er die Verbindung zu Lütgendorfs Tod im Vergleich zu den Stuttgartern erheblich eleganter herstellt. „Der rote Schatten“ glich über weite Strecken einer Pseudo-Dokumentation mit ermüdend hohem Dialog-Anteil. 

„Wahre Lügen“ baut dagegen um die rachsüchtigen Lesbe Wildering – bestens gespielt von Emily Cox - den Chef der toten Journalistin und den angenehm ambivalent angelegten möglichen Waffenschieber David Weimann (Robert Hunger-Bühler) eine phasenweise recht prickelnde Beziehungsgeschichte auf. Auch die überraschende Auflösung kann überzeugen. 

Politik bleibt angedeutet 

Der politische Anteil des Krimis bezieht mit der hochrangigen Dr. Maria Digruber (Franziska Hackl) und ihrem Sekretär die große Politik ein und deutet satte Verschwörungen an. Der Handlungsstrang um den pensionierten Polizisten Kirchweger (Peter Matić) bleibt aber im Ominösen und in etlichen kryptisch formulierten Andeutungen stecken. So richtig Spannung will da nicht aufkommen. 

Dafür gefällt wieder die Chemie zwischen Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Die beiden Ermittler können es noch, auch wenn Eisner mittlerweile auf dem Schießstand schwächelt und Fellner mit ihrer Alkohol-Vergangenheit kämpft. Die Mischung aus einer uralten Geschichte mit neuzeitlichen Elementen ergibt keinen Volltreffer, aber für einen unterhaltsamen Krimi-Abend reicht es.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare