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Ungefähr so intelligent wie Albert Einstein

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Von: Sabine Kinner

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Marie Curie (Karolina Gruszka) begegnet Einstein (Piotr Gowacki).
Marie Curie (Karolina Gruszka) begegnet Einstein (Piotr Gowacki). © P'Artisan Filmproduktion (P'Artisan Filmproduktion)

Die französische Filmemacherin Marie Noëlle erzählt in „Marie Curie“ vom Leben der zweifachen Nobelpreisträgerin. In der Titelrolle: Karolina Gruszka.

Die Filme über ungewöhnliche Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts häufen sich derzeit. Lou Andreas Salomé, Paula Modersohn und nun auch Marie Curie gehören zu jenen weiblichen Wesen, die es kraft natürlicher Begabung, Willensstärke und Fleiß zu ungewöhnlichen Leistungen gebracht und sich gegen Männer durchgesetzt haben. Persönlichkeiten wie sie, die aus ihrer Zeit herausragen, faszinieren immer. Nun gibt es freilich die Neigung, berühmte Frauen, allein weil sie Frauen waren, aus heutiger Sicht ganz besonders in hellstem Lobpreis erstrahlen zu lassen. Als könne man im nachhinein den Geschlechter-Malus, unter dem sie zu leiden hatten, in einen Geschlechter-Bonus verwandeln und so Wiedergutmachung erwirken. Sexismus mit umgekehrtem Vorzeichen.

Marie Curie, die erste Nobelpreisträgerin der Welt, erscheint in der Lebensverfilmung der Französin Marie Noëlle nicht nur als Lichtgestalt der Wissenschaft. Die Physikerin und Chemikerin, die für ihre Erforschung der Radioaktivität zur Krebsbehandlung 1903 und 1911 gleich zweimal den Nobelpreis erhielt, wirft hier charakterlich nicht den geringsten Schatten. So wie die Weichzeichner-Linse der Kamera die gebürtige Polin Marie Curie (Karolina Gruiszka) in ihrem Pariser Labor und im großbürgerlichen Haus samt Garten zeigt, so umgibt der gesamte Film die schmale Frau mit einer Aureole der Herrlichkeit. Sogar Albert Einstein hält sie für „die klügste Frau“, der er je begegnet ist. Wo aber keine Schwächen sind, da verlieren auch die Stärken an Profil. Alles wird eingeebnet bis zur Nichtssagenheit.

In der kurzen glücklichen Ehe mit dem Chemiker Pierre Curie erringt Marie noch erste wissenschaftliche Erfolge. Doch als ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, stößt sie auf Widerstände. An der Sorbonne, wo sie studiert hat, wollen die Naturwissenschaftler ihr als Frau zunächst keine Professur zugestehen. So entwickelt sich Marie zur akademischen Kämpferin für Gleichberechtigung, erfüllt zudem ihre Mutterpflichten und wird die Geliebte des verheirateten Physikers Paul Langevin. Der daraus folgende öffentliche Sittenskandal wird in diesem Film aber ebenso nebenbei abgehandelt wie die Verstrahlung, an der die geniale Forscherin sterben muss.

Weil alles Hässliche dergestalt ausgesperrt wird, bleiben die schönen Bilder von der beharrlichen und schließlich anerkannten Nobelpreisträgerin unter sich. Sehr wahrheitsgetreu wirkt das filmische Frauenporträt „Marie Curie“ deshalb nicht. Annehmbar

Frankfurt: Cinema (D+OmU)

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