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"Unter Verdacht - Grauzone": Intensiv und fesselnd

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Von: Ulrich Feld

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Die Freundschaft mit Hubert Cuntze (Jürgen Tarrach) droht Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), dem Leiter des Kommissariats, zum Verhängnis zu werden.
Die Freundschaft mit Hubert Cuntze (Jürgen Tarrach) droht Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), dem Leiter des Kommissariats, zum Verhängnis zu werden. © ZDF

Der neueste Fall der Thriller-Reihe weist auf einen weitverbreiteten Missbrauch hin und funktioniert dennoch bestens als Hochspannungskrimi ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Ermittler Dr. Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) untersuchen den Tod Max Söllners vom Münchner Sozialreferat. Söllner wurde vor einem Haus überfahren, in dem viele pflegebedürftige alte Menschen wohnen. Es handelt sich dabei vor allem um Russlanddeutsche. Max Söllners Bruder Peter (Marc Oliver Schulze), ein Polizist, war gegenüber dem Landtagsabgeordneten Hubert Cuntze (Jürgen Tarrach) ausfällig geworden. 

Pikant dabei: Cuntze ist nicht nur Geschäftsführer der Immobilienfirma, welcher das Haus gehört, vor dem Söllner überfahren wurde - er ist auch ein guter Freund von Prohaceks und Langners Dienststellenleiter Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff). Prohacek und Langner stoßen auf eine explosive Verflechtung aus hoher Politik und Missbrauch der Altenpflege im großen Stil.

Spannung ohne Lehrstück-Charakter

Senta Berger wird am 13. Mai 74 Jahre alt und hat sich bestens gehalten. Noch immer nimmt man ihr die Rolle der Eva-Maria Prohacek problemlos ab. Zusammen mit ihren Kollegen Krause und Anthoff profitiert sie diesmal von einem ausgezeichneten Drehbuch (geschrieben von Isabel Kleefeld und Oliver Pautsch), das auf sehr spannende Weise auf sicher sehr weitverbreitete Missstände im Umgang mit alten Menschen verweist. Dabei verzichtet der Film dennoch auf jede moralische Belehrung.

Vielmehr lässt er sich intensiv auf seine Charaktere ein. Besonders die Figur des Peter Söllner erweckt Anteilnahme, hat er doch selbst eine Frau, die pflegebedürftig ist und um die er sich intensiv kümmert. Als weitere Nebenfigur bleibt Oleg Kindrachuk, sehr gut gespielt von Ryszard Ronczewski. Der polnische Schauspieler, der am 27. Juni seinen 85. Geburtstag feiert, machte unter anderem in dem Streifen "Kaddisch für einen Freund" von Leo Khasin auf sich aufmerksam. Er verkörperte dort den alten russischen Juden Alexander.

Jürgen Tarrach als barocker Genussmensch

Als Gegenspieler des Teams von "Unter Verdacht" und zugleich als ganz spezieller Freund des Teamchefs glänzt diesmal Jürgen Tarrach, der den Cuntze als barocken Genussmenschen verkörpern darf. Die Kumpanei Cuntzes mit dem generell als sehr auf seinen Vorteil bedachten Reiter verleiht auch dem 23. Fall von "Unter Verdacht" jene Spannung, die ein Merkmal der Reihe ist.

Die Regie von Andreas Herzog ist unauffällig, aber ungemein effektiv. Einen sehr professionellen Eindruck hinterlässt auch die Kamera von Wolfgang Aichholzer sowie die Musik von Sebastian Pille.

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