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Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel), Roberto Rossi (Leonardo Negri, Mitte) und Kriminialkommissar a.D. Thilo Gruber (Hannes Jaenicke).

TV-Kritik

"Urbino-Krimi": Herausragend gut

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Echter Glückstreffer: Warum Sie "Die Tote im Palazzo" als bisher besten Donnerstag-Krimi keinesfalls verpassen sollten.

Der Donnerstag-Krimi der ARD glich in den letzten Wochen einer kleinen Reise rund um die Welt: Gestartet in Athen, dann  Bozen, anschließend hoch nach Berlin, runter nach Tel Aviv und von dort aus nach Urbino. Das kennen Sie nicht? Sollten Sie aber. Das Städtchen hat zwar nur knapp über 15.000 Einwohner, ist aber dennoch eines der wichtigsten Orte der Renaissance in Italien und Teil des Weltkulturerbes. Das verspricht vor allem viele Schauwerte, und davon gibt es in dem Film auch ordentlich was zu sehen.

 

Die Kamera fliegt über und durch die engen Gassen, fängt die Hügellandschaft drum herum im blassen Sonnenlicht ein und garniert diese optische Pracht auch gelegentlich mit einem roten Alfa Romeo Spider. Also Kultur pur plus Dolce Vita und genau das, was nicht nur Teutonen an Italien so lieben. Dazu gibt es im passenden Kontrast Eindrücke wie in den Giallo-Krimis von Mario Bava oder Dario Argento. Das geht schon in den ersten Minuten los, wenn untermalt von spannungsgeladener Musik, umhüllt von düsterem Nebel und vor malerischen Kulissen die Leiche einer jungen Frau im Keller des Palazzo Ducale aus dem späten 15. Jahrhundert in einem bizarren Ritual drapiert wird.

Bald danach entdeckt Polizist Roberto Rossi (Leonardo Nigro) die aufgebahrte Leiche. Rossi ist eigentlich eher ein gemütlicher Zeitgenosse, der lieber Strafzettel austeilt und Espresso trinkt als Verbrecher zu jagen. Dazu neigt er beträchtlich zum Aberglauben. Doch diesmal muss er ran - ein Virus hat die gesamte dafür zuständige Abteilung lahmgelegt. Ärger machen ihm bei seinem Ermittlungen nicht nur sein überaus von sich überzeugter Vorgesetzter Nevio Cottelli (Tonio Arango) und der skrupellose Vizebürgermeister Enrico Manchetti (Emilio De Marchi).

Beide wollen schnell einen Täter präsentieren, deswegen nehmen sie den Obsthändler Manfredo Ciro (Hasan Ali Mete) ins Visier. Hilfe bekommt Rossi von seiner platonischen Freundin, der angehenden Rechtsmedizinerin Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel), und Thilo Gruber (Hannes Jaenicke), seines Zeichens Kriminalkommissars a. D. Der kam eigentlich nach Urbino, um sich dort niederzulassen. Aber Osvaldo Rossi (Daniel Steiner) sieht in dem Deutschen vor allem ein Opfer, dem er saftige Knöllchen verpassen und dessen Auto er abschleppen lassen kann, um seinem Bruder Osvaldo Rossi (Daniel Steiner) Arbeit zu verschaffen.

Konstruiert ist das Geschehen schon ziemlich waghalsig - allein schon, wie das Drehbuch einen gemütlichen Polizisten durch einen Virus zum Ermittler in einem Mordfall befördert. Aber das stört in keiner Weise. Humor war bei den ARD-Krimis bisher nämlich Mangelware. Und noch seltener kommt vor, dass die Pointen auch noch funktionieren. Man denkt mit Grausen an den Dresden-"Tatort" zurück. Aber hier zündet die Geschichte ein kleines Feuerwerk an süffisanten Dialogen und teilweise sehr bösen Witzen, wobei manchmal eingeblendete Kunstwerke eine kleine Rolle spielen. Wunderbar!

 

Wohl auch deshalb sind die Schauspieler mit sichtlichem Vergnügen bei der Sache. Sie spielen die schon vom Drehbuch mit viel Witz angelegten Italien-Klischees mit so viel Hingabe, dass man sich schon nach kurzer Laufzeit wie zu Hause fühlt. Katharina Wackernagel zeigt sich exaltierter als sonst, was gut zu ihrer Rolle passt. Die Thriller-Stimmung kommt dennoch nicht zu kurz. All das und die herrliche Optik machen macht nicht nur kräftig Appetit auf eine Reise nach Italien, sondern auch "Die Tote im Palazzo" zu einem ausgesprochenen Glücksfall und echten Höhepunkt der Donnerstag-Krimis der ARD. Bald kommt die Fortsetzung "Mord im Olivenhain". Die Erwartungen sind hoch!

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