Zu tief sitzen der Schmerz und das Gefühl den eigenen Sohn nicht mehr zu kennen: Immer weiter entfremdet sich Tom Wesnik (Heino Ferch, l.) von Lukas (Merlin Rose, m.), während Mutter Esther (Silke Bodenbender) weiterhin hinter ihm steht.
Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Stefan Erhard
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Zu tief sitzen der Schmerz und das Gefühl den eigenen Sohn nicht mehr zu kennen: Immer weiter entfremdet sich Tom Wesnik (Heino Ferch, l.) von Lukas (Merlin Rose, m.), während Mutter Esther (Silke Bodenbender) weiterhin hinter ihm steht. Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Stefan Erhard

TV-Kritik

"Vater Mutter Mörder": Brillantes Psychodrama

  • VonUlrich Feld
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Es s

Es scheint so eine Art TV-Gesetz zu sein: Wenn Heino Ferch den Papa gibt, wird es ein guter Film. Ob als Leukämie-kranker Vater in "Wenn es am schönsten ist" (der durch sein Ende gewaltig verliert, aber ohne Ferchs Schuld), als Vater eines Sohnes, der lieber eine Tochter wäre ("Mein Sohn Helen") oder hier - als Vater eines mehrfachen Mörders.

Tom Wesnik (Heino Ferch) ist Fotojournalist. Als er mit seiner Ehefrau zu seinem Haus zurückkommt, fällt ihm eine Menschenansammlung und Polizei vor einem Haus auf. Er parkt sein Auto, schnappt sich seine Kamera und schießt Bilder von dem Haus, in dem es Tote gab. Er registriert noch nicht die entsetzten Blicke der Umstehenden auf sich selbst.

Erst als er Näheres wissen will, erfährt er Schreckliches: Der Mörder ist Lukas Jimi Wesnik (Merlin Rose), sein Sohn.

Einen dreifachen Mord hat Lukas begangen. Sein Vater und seine Mutter stehen vor einem Abgrund. Die Tatwaffe stammt von Tom, der sie im Haus aufbewahrt hat. Wie hoch ist seine Schuld am Verbrechen seines Sohnes? War er vielleicht auch viel zu oft weg?

Glanzleistung von Heino Ferch

"Vater Mutter Mörder" heißt das Drama von Regisseur Niki Stein, der auch das Drehbuch verfasste. Heino Ferch spielt den Vater Tom, und nicht nur seine bei aller Zurückhaltung ungemein intensive Darstellung - bestens ergänzt durch Silke Bodenbender als Mutter - macht den Film höchst sehenswert. Anders als im herkömmlichen Kriminalfilm oder Psychothriller kommt die Gefahr hier nicht von außen, sondern von innen - nämlich vom eigenen Kind, das zum dreifachen Mörder geworden ist.

Die Eltern von Tom fragen sich, was sie falsch gemacht haben könnten. Es tauchen Hinweise auf die gestörte Persönlichkeit von Lukas auf. Ein Fotobuch, das ihm sein erfolgreicher Vater einmal mit selbst gemachten Bildern angefertigt hat, ist mit sadistischen Mordfantasien vollgekritzelt. Seine Frau offenbart ihm, das Lukas wegen paranoider Störungen in psychiatrischer Behandlung war.

Der Film geht unter die Haut

Die Vorstellung, dass sein Sohn vielleicht nicht schuldfähig war, weckt Tom so was wie eine Hoffnung. Sie ist wie ein Strohhalm. Aber sie hält nicht lange. Die Gutachter halten Lukas für voll verantwortlich, was Lukas mit seiner Aussage vor Gericht auch bestätigt. Oder wollte Lukas mit seiner Tat vielleicht nur seiner Freundin imponieren? Ferchs Charakter schwankt zwischen Zorn, Hass, Verzweiflung und Liebe

Der Film lässt seine Protagonisten viele Fragen stellen, ohne dass sie eine befriedigende Antwort finden. Er endet mit einem leisen Zeichen der Hoffnung inmitten all der Verzweiflung: Tom gibt seinem Sohn, der nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus wieder erwacht, die Hand. Es ist das offene Ende eines brillant inszenierten Kammerspiels, das jede Sekunde unter die Haut geht.

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